Dienstag, 5. März 2024

Panik gegen rechts

Ein Gastbeitrag von Frank Steinkron

Seit der Antike ist das Schiff eine Metapher für den Staat. Nicht von ungefähr leitet sich die Bezeichnung Gouverneur vom lateinischen Wort für Steuermann Gubernator ab. Außerdem ist die Art, wie Politik, Medien und Gesellschaft existentielle Bedrohungen, die nicht in ihr ideologisches Weltbild passen, verdrängen und schönreden, immer wieder mit der Sorglosigkeit auf der untergehenden Titanic verglichen worden: Solange die Bordkapelle noch spielte und die Elektrizität funktionierte, schien ja alles in Ordnung.

Fasst man die beiden Metaphern zusammen, so lässt sich das Verhalten des politischen Establishments in der Zeit der Grenzöffnung 2015 und der gegenwärtigen Situation mit Bauernprotesten und steigenden Zustimmungswerten der AfD mit folgenden Szenarien auf der Titanic vergleichen.

2015: Keine Panik auf der Titanic!

Ein Heizer betritt das Oberdeck und meldet der zum Dinner ver­sam­melten Luxusklasse, infolge der Kollision mit einem Eisberg dränge durch mehrere Lecks eine Unmenge an Wasser in den Maschinenraum ein. Das Schiff werde in absehbarer Zeit sinken. Es sei daher gebo­ten, Notsignale abzufeuern und die Rettungsboote klarzumachen. Die Reaktionen, die er erntet, sind vielfältig:

Der REGIERUNGSSPRECHER teilt mit, die (damalige) Kanzlerin halte derartige Untergangsszenarien für nicht hilfreich.

Der SPRECHER VON CORRECTIV ver­sichert, es handele sich um bösartige Fake-News. Man wisse, dass es in diesen Breitengraden keine Eisberge gebe.

Die ANTIDISKRIMINIERUNGSBEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG warnt vor zunehmender Hydrophobie.

Der HISTORIKER ergänzt: Mit dem Hass auf Wasser fange es an, mit dem Ertränken von Menschen ende es.

Der DGB-FUNKTIONÄR fordert, alle Wasserhasser aus der Gewerkschaft auszuschließen.

Die EVANGELISCHE LANDESBISCHÖFIN mahnt, man dürfe niemanden ausgrenzen, auch nicht das Wasser.

Der MÜNCHNER KARDINAL bedauert, dass er das viele Wasser nicht in Wein verwandeln kann.

Der CDU-GENERALSEKRETÄR zeigt sich zuversichtlich: Die Aufnahmekapazität des Schiffes sei noch lange nicht erschöpft. Man schaffe das.

Der VORSITZENDE DES ZENTRALKOMITEES DER KATHOLIKEN hält das Wasser für eine große Bereicherung. Andernorts wären die Menschen froh, sie hätten so viel Wasser um sich.

Der INNENMINISTER droht, wem es auf der Titanic nicht mehr gefalle, der könne ja über Bord gehen.

Die GRÜNEN-ABGEORDNETE gibt zu bedenken, man solle dankbar sein, dass es angesichts der Polkappenschmelze überhaupt noch Eisberge gebe.

Die VORSITZENDE DER AMADEU-ANTONIO-STIFTUNG erklärt den gerammten Eisberg zum eigentlichen Opfer.

2024: Wilde Panik auf der Titanic!!

Mittlerweile sind weite Teile des Schiffes geflutet, das Schiff befindet sich in bedenklicher Schieflage. Wütende und verzweifelte Menschen drängen aus den Unterdecks nach oben und fordern, dass endlich Notsignale abgegeben und die Rettungsbote zu Wasser gelassen werden.

Der KAPITÄN sieht in den nach oben drängenden Passagieren eine umstürzlerische Erstürmung des Schiffes.

Der SPRECHER VON CORRECTIV ver­sichert, es handele sich bei den Rettungsplänen um eine geheime Verschwörung von Faschisten.

Der HISTORIKER sagt, man dürfe es nicht zulassen, dass aus dem Atlantik ein zweiter Wannsee werde.

Der REGIERUNGSSPRECHER lässt verlauten, der Kanzler verurteile den teuflischen Plan, Menschen mittels Rettungsbooten zu deportieren.

Die AKTIVISTIN VON SEAWATCH will stattdessen die Rettungsboote aussenden, um afrikanische Flüchtlinge auf die Titanic in Sicherheit zu bringen.

Der VERTETER DER REEDEREI fordert alle auf, sich linkseitig nach Backbord zu einer Großdemonstration zu begeben, damit das Schiff keine rechte Schlagseite bekomme.

Die AMADEU-ANTONIO-STIFTUNG erklärt: Die Behauptung, das Schiff gehe unter, sei nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Eine GRÜNEN-ABGEORDNETE ist bemüht, Protestierer aus den Unterdecks wieder die Treppe hinunterzustoßen.

Die FIRST-CLASS-PASSAGIERE skandieren gegenüber den übrigen Mitreisenden: „Wir sind mehr!“

Der CDU-GENERALSEKRETÄR findet, man solle endlich alle Nazis aus“merzen“.

Die INNENMINISTERIN warnt: Wer von Untergang schwadroniere, spalte die Gesellschaft durch Hass und Hetze.

KIRCHENVERTRETER aller Regenbogencouleur assistieren: Es gebe nur einen Untergang, nämlich den von der Klimaerwärmung herbeigeführten Weltuntergang.

Der ANTIFANT ruft zum Ab-„Saufen gegen rechts“ auf.

Der Sprecher von FRIDAYS FOR FUTURE zeigt sich erleichtert, dass der CO2-Ausstoß einiger unliebsamer Passagiere bald beendet sein werde.

Der BUNDESPRÄSIDENT ist glücklich, dass die Ratten endlich das sinkende Schiff verlassen.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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