Dienstag, 16. Juli 2024

Der erlösenden Ewigkeit Stern

„Eure Zeit ist um. Widerstand in Versen“ – Helmut Matt hat nun nach „Alle gehorchen! Wir nicht“ einen zweiten Band mit Gedichten folgen lassen. 130 Seiten, die lyrisch beschreiben, wie unsere Welt, wie wir sie gekannt haben, zerlegt wird – bis hin zur bewussten Zerstörung.

Nachdenklich, traurig, bisweilen auch in der Hoffnung, dass die Menschen erwachen und sich wehren werden, erscheinen dem Leser Bilder aus Vergangenem und Visionen für eine mögliche neue Welt:

Verloren

Der Wahrheit Kern in jedem Wesen,

Der Liebe Spur in jedem Sein,

Kann alle Menschen einst erlösen,

Sie von des Bösen Macht befrein.

 

Ich glaubte an die Macht der Herzen,

Und an das innre Gleichgewicht.

Doch wo einst Glaube sind nun Schmerzen,

Und Nacht und Bosheit stört das Licht.

 

Nichts als Zerstörung herrscht im Land,

Bosheit ist nun an der Macht.

Die Feuerzeichen an der Wand,

Sind Zeugen ihrer Niedertracht.

 

Hat Satan jetzt die Macht ergriffen?

Bestimmt er schon den Zug der Zeit?

Die Mehrheit hat noch nichts begriffen,

Ist aufzustehen nicht bereit.

 

Der Glaube an die Macht des Guten!

Die Hoffnung auf den Widerstand,

Soll nicht vor ihrem Nichts verbluten,

Die Freiheit hebt schon ihre Hand.

 

Zerstörung ist noch an der Macht.

Doch wehren sich die Menschen jetzt.

Sie zeigen, dass die Welt erwacht,

Und sich dem Bösen widersetzt.

 

Geändert hat sich seit Erscheinen des ersten Bandes an der vertrackten Situation im Land leider recht wenig, so dass die Verse ein lebendiges Bild unserer Zeit wiedergeben und dass sie die Menschen ermuntern, sich nicht zu verstecken, sich zu bewegen, nicht in Lethargie zu verharren. Es sind die Politiker, die Medien, deren Auftraggeber, die im Mittelpunkt stehen, die das Sein manipulieren, Prominente und Künstler kaufen, nötigen und korrumpieren und die Welt mit Angst und Unterwerfung überziehen. Gezeichnet wird ein Land, das absichtlich und mit großer Leidenschaft heruntergewirtschaftet wird – nicht zuletzt mit dem Willen, die Zerstörung so zu gestalten, dass die Bevölkerung nicht klagt, weil sie permanent davon überzeugt wird, dass dies alles genau so sein müsse.

Damit auf gar keinen Fall eine Phase der Beruhigung eintritt, macht man sich den Krieg in der Ukraine zu eigen. Dies belegen die unsäglichen Reaktionen und Gegenmaßnahmen der Europäer – insbesondere der Deutschen. Auch die Dämonisierung des russischen Präsidenten gehört mit dazu. Die Hürden gegenüber möglichen Friedensgesprächen erreichen mittlerweile schier unüberwindliche Höhen.

Flankiert wird die Panik, indem man die CO2-Gespenster wieder aus dem Hut zaubert. Vorbereitet hatte man das ja bereits vor „Corona“, als Greta und Luisa die Mattscheiben bevölkerten und die FFF-Hüpfer Freitag für Freitag mit Begeisterung und staatlichem Segen die Schule schwänzten. Mittlerweile wird die Angst um Klimaveränderung, grässliche Fluten, ständig steigende Meeresspiegel und grauenhafte, nie dagewesene Unwetter zur Religion erhoben. Jetzt ist der Glaube an CO2 Pflicht geworden. All dies wird thematisiert und bloßgestellt. Die Form des Gedichts scheint vordergründig das Gesagte zu entschärfen. Bei genauerer Betrachtung jedoch geschieht das Gegenteil: Die Zeit wird in ihrer Gesamtheit angeprangert, der Geist wird geweckt und die Hoffnung, und sei sie noch so gering, findet immer ihren Weg:

Der Ewigkeit Stern

Verloren die Rettung im Leben.

Nur Erwachen im Sein bringt uns Licht.

Glaube und Hoffnung sind uns gegeben.

Erst der Tod führt uns vor das Gericht.

 

Unsre Welt hat die Gottheit verraten,

Keiner glaubt mehr ans jüngste Gericht.

Wir hoffen auf Lohn unsrer Taten.

Die Erlösung die sehen wir nicht.

 

Als der Hahn, so die Schrift, dreimal rief,

Hat die Welt sich versteckt vor dem Sein.

Und während der Widerstand schlief,

Blieb der Wille zum Kampf winzig klein.

 

Gottes Gegenwart fehlt unsrer Welt.

Statt Sein die Vernichtung des Lebens.

Im Nichts unsres Sterbens zerfällt,

Das Licht des verzweifelten Strebens.

 

Das Wesen des Lichts heißt Vertrauen,

Purer Glaube versinkt in die Nacht,

Nur die Hoffnung auf Widerstand schauen,

Schöpft den Funken der heiligen Macht.

 

Hat der Hahn bereits dreimal gerufen,

Und die Welt sich dem Nichts offenbart,

Unsrer Einfalt geöffnet die Stufen,

Den Sieg der Vernichtung gewahrt.

 

Wir stehen am Abgrund und hoffen,

Dass zu sich wieder findet die Welt.

Das Erkennen macht uns betroffen,

Die Ewigkeit ist uns verstellt.

 

Gekreuzigt ist nicht unser Leben,

Erwachen das Wesen im Sein.

Widersprechen und Widerstand geben,

Kann erlösen uns von all der Pein.

 

Die Zerrüttung der Welt fordert Wahrheit.

Die Erlösung ist schmerzlich und fern.

Im Bewusstsein erwacht unsre Klarheit,

Der erlösenden Ewigkeit Stern.

 

Die Hoffnung auf Rettung ist klein,

Im Denken erhält sie Gestalt,

Nur der Wille zur Freiheit allein,

Gibt dem Streben der Menschen Gewalt.

**

Das Buch „Eure Zeit ist um. Widerstand in Versen“ ist 2023 bei BoD Norderstedt erschienen und überall im Buchhandel erhältlich.

ISBN 9783757890797. Kartoniert. Preis 9,95 €.

Handsignierte Bücher bestellbar unter kontakt@helmutmatt.de.

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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