Samstag, 18. Mai 2024

EUROSTAT: Extreme Übersterblichkeit in Europa

Die EU-Statistikbehörde „Eurostat“ veröffentlichte beunruhigende Zahlen: In fast ganz Europa zeigt sich für das vergangene Jahr eine extreme Übersterblichkeit in Europa. Nur Ungarn, Bulgarien und Rumänien bilden eine Ausnahme. Ein Gastbeitrag von Elmar Forster

Im Dezember 2022 stieg die Übersterblichkeit in europäischen Ländern um durchschnittlich 19% – und zwar im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2016–2019. Außerdem ist ein steiler Anstieg gegenüber November 2022 deutlich, als die Übersterblichkeit „nur“ plus acht Prozent betrug. Interessant auch: Im Vergleich dazu war sie 2020 um 30% und ein Jahr später um 24% höher, aber dieser Trend scheint auch für 2022 zu gelten.

Weitestgehende Korrelation zwischen Übersterblichkeit und Durchimpfungsrate

Die höchsten Übersterblichkeits-Raten (ÜSt) verzeichneten im Dezember 2022 Deutschland (+37%  / ca. 77% Durchimpfung – DI). Aber auch in Österreich (+27 Prozent / ca. 76% DI), Slowenien (+26 Prozent ca. 59% DI), Irland (ca. 82% DI) und Frankreich (jeweils +25 Prozent / ca. 80% DI) gab es herausragende Zuwächse. 20% mehr Menschen starben (im Vergleichszeitraum zum Durchschnitt 2016–2019) in der Tschechischen Republik (ca. 65% DI), den Niederlanden und Estland (beide +23% / ca. 64% DI) und Dänemark (+22% / ca. 82% DI) sowie Finnland (ca. 79% DI) und Litauen (ca 68% DI) (beide +21 Prozent).

Im Spitzenfeld befinden sich auch Island (ca. 83% DI) und Irland (ca. 82 DI). Spanien (ca. 86% DI) und Portugal (ca. 93% DI) bestätigen dieser Korrelation allerdings nicht. Für  Schweden mit seinem berüchtigten Sonderweg zur Herden-Immunität (ca. 74% DI) liegen allerdings keine Daten vor.

Ungarn, Rumänien und Bulgarien: Laissez-faire gegenüber Covid

Signifikant aber auch: In den östlichen EU-Staaten trat das umgekehrte Phänomen auf: Es gab (fast) keine ÜSt: Nur bei Ungarn lässt sich keine eindeutige Korrelation zwischen ÜSt und DI ablesen (geringes Plus von 2,8% bei einer DI von 64%). Allerdings hatte aber Ungarn auch das liberalste Covid-Regime in der ganzen EU. (UM berichtete) Was eine Erklärung wäre.

Meine Einschätzung der Corona-Lage als Auslandsösterreicher in Ungarn

Seit dem Sommer 2021 liefen trotz Covid das öffentliche, politische und wirtschaftliche Leben in Ungarn weitgehend normal ab: Seither waren die Geschäfte, Friseure, Restaurants, Schulen offen… Allerdings gab es aber in Ungarn auch keine Impf-verschwörungs-Panik – um das böse Wort hier in diesem Forum zu gebrauchen:

„Spätestens seit Covid bin ich heilfroh, dass ich meinen Wohnsitz in jenem post-metternich´schen Untertanenstaat Österreich aufgegeben habe. In meiner ungarischen Wahlheimat werden die Corona-Maßnahmen nonchalant, pragmatisch und in Eigenverantwortung umgesetzt.

Niemand käme hier auf die absurde Idee: Dass Orban an einem Geheimplan herumtüfteln würde, um sein ganzes Volk in einem Riesen-Gulag einzupferchen. Denn hier haben die Menschen immer schon aufeinander Rücksicht genommen…“ (Gastbeitrag von Elmar Forster auf philosophia perennis)

Bei Rumänien (ca. 42% DI) und Bulgarien (ca. 30% DI ) gibt es praktisch kein ÜSt..

Impfbefürworter-Logik: Pandemie-Maßnahmen verhinderten Todesfälle, die jetzt nachgeholt werden

Die Erklärungen der Impf-Befürworter klingen indes hilflos: Wonach nämlich „in den mittel- und osteuropäischen Ländern während der Pandemie die Übersterblichkeit sehr hoch war“ – wie Zoltán Kiss, Forschungsarzt an der ungarischen Universität Pécs, meint.

In einigen skandinavischen Ländern (Norwegen) wäre – laut Impfexperten – das seltsame Phänomen aufgetreten, wonach es während der Pandemie weniger Übersterblichkeit gab als in den Vorjahren. Die eigenartige Erklärung hierzu: Während Covid sollen in diesen Ländern mehr Leben gerettet worden sein als vor der Pandemie, und zwar aufgrund sehr strenger Pandemiemaßnahmen, einer disziplinierten Gesellschaft und eines fortschrittlichen Gesundheitssystems.

Mit anderen Worten: Covid war demnach viel weniger gefährlich als herkömmliche Epidemien, weil es ja aufgrund von Masken und Distanzierungsmaßnahmen keine signifikanten Verluste durch die Grippe- oder durch Pneumokokken-Infektionen gegeben haben soll. Aus diesem Grund hätten meist ältere, chronisch kranke oder empfindlichere Patienten überlebt – betonte Zoltán Kiss.

Und weiter: Jetzt aber wären diese Patienten damit konfrontiert und so einem höheren  Sterberisiko ausgesetzt, was zwei oder drei Jahre lang verpasst oder nicht signifikant war.

Polen und Tschechische Republik rästelhaft

Allerdings bleiben die Daten aus Polen und der Tschechischen Republik rätselhaft sind, weil die Übersterblichkeit sowohl während Corona als auch jetzt, im Dezember 2022, viel höher war. Die abenteuerliche Erklärung hierzu: Eventuell könnte eine Epidemie der oberen Atemwege diese Länder in unterschiedlichen Zyklen erreichen.

Statistik: Bevölkerungsanteil mit COVID-19-Impfung nach ausgewählten Ländern weltweit (Stand: 20. Dezember 2022) | StatistaMehr Statistiken finden Sie bei Statista. Der Beitrag erschien zuerst bei „Unser Mitteleuropa“.

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Elmar Forster
Elmar Forster
Dr. Elmar Forster studierte in Innsbruck und West-Berlin Germanistik und Geschichte. Er erlebte in Berlin den Fall der Mauer mit. Seit 1992 arbeitet(e) er als Auslandslektor in Ungarn, Prag, Bratislava (Poszony) und bereiste die Länder des ehemaligen „Ostblocks“. Seit 1992 lebt er als Auslandsösterreicher in Ungarn.

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