Freitag, 7. Oktober 2022

Zu sexistisch: Würzburg verbietet „Layla“ auf Volksfest – Würzburger: „Jetzt erst recht!“

Wer Lieder verbietet, verbrennt auch Bücher

(David Berger) Der prüde Neo-Jakobinerfanatismus hat eine neue Stufe erreicht und das passenderweise in einer Provinzstadt, die seit Jahren darum bemüht ist, sich besonders politisch korrekt zu zeigen. Die unterfränkische Stadt Würzburg hat das Abspielen des Schlagers „Layla“ auf dem Kiliani-Volksfest in der Stadt verboten. Das berichtet die Regionalzeitung „Mainpost“. 

Es werde sichergestellt, „dass das Lied künftig nicht mehr gespielt wird“ so ein Sprecher der Stadt, die von dem linken CDU-Politiker Christian Schuchardt als OB regiert wird. Der Text des Liedes, das derzeit Platz 1 der deutschen Singlecharts hält, sei „sexistisch“ und daher auf einem Volksfest nicht zu dulden.

50 Jahre zurück

41 Jahre nach Skandal im Sperrbezirk und 38 Jahre naach Claudia und ihrem Schäferhund geht das alles unter der Fahne der Metoo-Prüderie weiter. (Don Alfonso)

DJ Robin, einer der Interpreten dazu gegenüber der BILD: „Es geht bei dem Song „Layla“ nicht um eine Prostituierte, es geht um eine Puffmutter. Die passt auf die Prostituierten auf und leitet den Puff.

Daher kommt in dem Lied kein Sexismus vor. Früher haben die Leute ‚Skandal im Sperrbezirk‘ gesungen oder `Wir fahren in den Puff nach Barcelona‘.

Also so ganz können wir die Diskussion nicht verstehen. Es kann jeder seine Meinung haben, aber in jedem Deutsch-Rap-Lied sind die Texte schlimmer. Da regt sich kein Mensch auf.“

Als gebürtigem Würzburger fiel mir dazu spontan ein Ereignis aus meiner Jugend ein: Würzburg war an der Wende der 80er zu den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Schauplatz eines schwul-lesbischen Filmfestes, das einen der wenigen kulturellen Höhepunkte in der sonst eher verschlafenen Stadt der Weinseligkeit bildete:

Künstlerische hochwertige Filme, u.a. von Pedro Almodovar oder Fassbinder wurden dort – unter Vermeidung jeder pornographischen Inhalte – gezeigt. Ein Werbeplakat für dieses Kulturereignis durfte damals (1990) auf Befehl der Stadt nicht öffentlich ausgehängt werden.

Die Begründung der Stadt dazu: Es komme das Wort „schwul“ auf dem Plakat vor, was Jugendliche verderben und schwul machen könnte. Der Rest der Republik schüttelte bereits zu jenen Zeiten etwas erheitert den Kopf und ließ Sprüche fahren wie „Man soll Gott für alles danken, selbst für einen Unterfranken“. Oder Durchsage bei Einfahrt des IC am Würzburger Hauptbahnhof: „Sie erreichen jetzt die Mainfrankenmetropole, bitte vergessen Sie nicht Ihre Uhren um 50 Jahre zurückzustellen.“

Würzburg hat ganz andere Sorgen

Kurzum: Würzburg scheint von damals bis heute keinen Schritt weitergekommen. Schade um die vielen wunderbaren Menschen, die dort leben und die erst vor Kurzem bei einem Terroranschlag die Folgen einer verantwortungslosen Politik, die von dem dortigen Oberbürgermeister mitgetragen wird, erdulden mussten.

Und weil es so schön ist, hier für die PP-Leser und die Würzburger, die jetzt das zensierte Volksfest meiden wollen, zum Nachhören:

Ja Würzburg ist ne prüde Stadt/ Wo Grün die meisten Stimmen hat

Auf Twitter stellt ein Kommentator richtig fest: „Nach und nach nähern wir uns in diesem Land immer mehr an die Moralvorstellungen der Taliban an. Bei uns heißt es statt „haram“ nur „sexistisch““

Und weil’s gar so schön ist hat der unvergleichliche Don Alfonso gleich eine Hymne auf die Perle am Main geschrieben:

Ja Würzburg ist ne prüde Stadt/ Wo Grün die meisten Stimmen hat/ Damit ist sofort ausgemacht/ Die Layla wird hier nicht gebracht/ Doch jeder ist hier trotzdem geila/ Weil Franken liebt nun mal die Layla/ Und wenn das dumme Kaff zensiert/ singt man von ihr selbst ungeniert.

Und zuguterletzt hat sich sogar Justizminister Buschmann ausnahmsweise mal ansatzweise liberal geäußert: „Man muss Schlagertexte nicht mögen. Man kann sie sogar doof oder geschmacklos finden. Sie aber behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zuviel.“

Würzburger: Jetzt erst recht!

Und so reagieren die Würzburger auf das Verbot:

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European). Seine Bibliographie wissenschaftlicher Schriften umfasst ca. 1.000 Titel.

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