(David Berger) Die „Berliner Zeitung“ hat den Eindruck, dass die New York Times plötzlich wie Sahra Wagenknecht klinge. Und in der Tat: Die einflussreichste Zeitung der Welt fordert Biden auf, Selenskyj endlich Grenzen aufzuzeigen. Und sie fragt: Wie viel Zerstörung will Selenskyj seinem Land noch zumuten?

Selenskyj Krieg mit Russland könne nicht im Interesse der USA sein. Unter dem Titel „The War in Ukraine Is Getting Complicated, and America Isn’t Ready“ warnt das Editorial Board, das in der Regel „die Haltung der Ostküstenelite in Grundsatzfragen wiedergibt“, vor einer  Ausweitung des Krieges und fragt, ob die USA überhaupt irgendwelche lohnenswerte Ziele in der Ukraine verfolgen.

USA will keinen langwierigen Krieg gegen Russland

Es könne nicht im Interesse der USA sein, in einen langwierigen und kostenintensiven Krieg gegen Russland hineingezogen zu werden. Folgerichtig fordert die weltweit berühmteste Zeitung US-Präsident Joe Biden auf, endlich dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Grenzen westlicher Unterstützung klar vor Augen zu halten.

Der Artikel der New York Times zitiert Avril Haines, die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, die kürzlich vor dem Streitkräfteausschuss des Senats warnte, dass die nächsten Monate eines Krieges für unangenehme Überraschungen sorgen könnten. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland könnte „eine unvorhersehbarere und potenziell eskalierende Flugbahn einschlagen“, sagte sie, wobei die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Russland mit dem Einsatz von Atomwaffen droht. Man müsse also von außerordentlichen Kosten und ernste Gefahren ausgehen.

Auffälliger Richtungswandel

Während das Editorial Board noch im März klarstellte, dass die Ukraine Unterstützung gegen die unprovozierte Aggression Russlands verdient, und die Vereinigten Staaten ihre NATO-Verbündeten anleiten müssen, um Wladimir Putin zu zeigen, dass das atlantische Bündnis bereit und in der Lage sei, seinen revanchistischen Ambitionen zu widerstehen, warnt man hier nun vor solch kompromissloser Zielsetzung.

Es könne nicht in Amerikas bestem Interesse sein, sich in einen totalen Krieg mit Russland zu stürzen, auch wenn ein ausgehandelter Frieden der Ukraine einige harte Entscheidungen abverlangen könnte. Die Ziele und die Strategie der USA in diesem Krieg seien schwieriger zu erkennen, da sich die Parameter der Mission geändert zu haben scheinen.

Haben die USA der Ukraine Infos geliefert, um mehr Russen zu töten?

Daher fragt die New York Times: „Versuchen die Vereinigten Staaten zur Beendigung dieses Konflikts beizutragen, und zwar durch eine Regelung, die eine souveräne Ukraine und eine Art von Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Russland ermöglicht? Oder versuchen die Vereinigten Staaten jetzt, Russland dauerhaft zu schwächen? Hat sich das Ziel der Regierung darauf verlagert, Wladimir Putin zu destabilisieren oder ihn zu stürzen? Beabsichtigen die Vereinigten Staaten, Wladimir Putin als Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen?

Oder besteht das Ziel darin, einen größeren Krieg zu vermeiden – und wenn ja, wie lässt sich dies mit der Behauptung erreichen, die USA hätten nachrichtendienstliche Informationen geliefert, um Russen zu töten und eines ihrer Schiffe zu versenken?“ – sie die NYT.

Bundesregierung noch weit von der Kehrtwende der NYT entfernt

Beantworte man diese Frage im Interesse der USA, müsse Präsident Biden Wolodymyr Selenskyj und den Seinen klar machen, dass es eine Grenze gibt, wie weit die Vereinigten Staaten und die NATO gehen werden, um Russland entgegenzutreten. Und noch wichtiger, dass es trotz des permanenten Forderns von Seiten der Ukraine auch Grenzen für die Waffen, das Geld und die politische Unterstützung gibt, die die USA der Ukraine zukommen lassen wollen. Es sei jetzt Zeit, dass die Ukraine ihre Macht richtig einschätze und darüber nachdenke, wie viel Zerstörung sie ihrem Land noch antun wolle.

Es sei Pflicht der Regierungen, nicht einem illusorischen „Sieg“ hinterherzujagen.

Ein Klartext aus den USA, der eine echte Überraschung ist und von dessen Einsichten unsere Regierung – besonders aber unsere russophoben Kriegspropaganda-Medien – noch meilenweit entfernt sind.

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