Für Edeka ist es kein Problem, implizite Wahlwerbung der SPD zu machen. Edeka hat keine Schmerzen, das gleiche für FDP, CDU und Grüne zu machen. Edeka hat nicht mal den Hauch von Chuzpe, Wahlwerbung für die ehemalige SED zu machen, die Partei „Die Linke“; die Rechtsnachfolgerin der letzten deutschen Partei ist, die eine Diktatur errichtete und bis zuletzt am Leben hielt. Doch für die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, die AFD, ist in den Regalen zwischen Merkel, Gysi und Baerbock kein Platz. Ein Gastbeitrag von Julian Marius Plutz.

Jeder mag doch Edeka. Warum auch nicht? Ansprechende Werbung, regionales Obst und Bio. Viel Bio, weil das ja gesund ist. Wozu sollte das sympathische Unternehmen aus Hamburg jemanden etwas Böses tun? Da arbeiten doch junge, alerte Mitarbeiter, die mit Dynamik und Verve am Werk sind, um uns folgenlos uns gut gelaunt Produkte anzubieten. Wenn es schon kein „Good Gouvernance “ gibt, vielleicht dann bei Edeka immerhin „Good Supermarkt“?

Und in der Tat scheint der Konzern genau das umsetzen zu wollen. Denn wenn man so richtig gut sein will, so muss muss man das Böse aussperren. Wie zum Beispiel böse Smoothies. Oder genauer: Unliebsame Bedruckungen auf den Flaschen der Fruchtgetränke. Sonst ist man ja kein guter Supermarkt, Doch eins nach dem anderen.

Kein Problem mit der Ex-SED

Der Getränkehersteller „true fruits“ beliefert Edeka mit Smoothies, auf deren Flaschen Botschaften der relevanten Parteien, die zu Bundestagswahl antreten, abgedruckt sind. „Die Qual der Wahl“ nennt das Unternehmen seine Aktion. Von FDP, bis zur SPD finden sich auf dem Produkt Programminhalte der im Bundestag vertretene Parteien. Auch für die AfD druckte „true fruits“ entsprechende Etikette, die auf die Flaschen geklebt und an Edeka versandt wurden.

Doch da hatte der Lieferant nicht die Rechnung mit dem Besteller gemacht. Edeka verweigerte die Annahme der Smoothies mit dieser kurzen Begründung: „Danke für eure neue Lieferung, true fruits Smoothies. Die AfD-Flaschen haben wir aber nicht bestellt, die gehen wieder zurück.“ Und weiter ergänzte die Marketingabteilung des Hamburger Konzerns mit einem hübschen Sharepic auf Instagram:“ Rechts ist bei uns kein Platz im Regal.“ Wow.

Für Edeka ist es kein Problem, implizite Wahlwerbung der SPD zu machen. Edeka hat keine Schmerzen, das gleiche für FDP, CDU und Grüne zu machen. Edeka hat nicht mal den Hauch von Chuzpe, Wahlwerbung für die ehemalige SED zu machen, die Partei „Die Linke“; die Rechtsnachfolgerin der letzten deutschen Partei ist, die eine Diktatur errichtete und bis zuletzt am Leben hielt. Doch für die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, die AFD, ist in den Regalen zwischen Merkel, Gysi und Baerbock kein Platz. Schäbig.

Bemerkenswertes Statement

Es geht hier nicht um die AfD. Es geht darum, wie der Graben durch die Gesellschaft zementiert wird. Die AfD ist keine Krankheit. Sie ist ein Symptom eines zutiefst verunsicherten und entzweiten Deutschlands. Diese Aktion von Edeka ist der hässliche Beweis dafür.

Man muss nicht jeden Wortlaut von „true fruits“ teilen, wie sie das Verhalten von Edeka bewerteten. Bemerkenswert ist es dennoch: „Liebe Edeka, ja, wir finden die AfD auch scheiße. Aber Aufklärung ist wichtiger, als Social Signaling, wie ihr hier versucht. Deswegen haben wir (…) bewusst alle sechs großen Parteien des Deutschen Bundestags dargestellt, um jeden, die Chance zu bieten, (…), wofür die Parteien stehen. Aber das wusstet ihr ja. Ein Schelm, wer bei eurer Aktion an Populismus denkt!“

Niemand kann die AfD aus den Köpfen sperren

Wann haben Unternehmen angefangen, so offensiv Propaganda für eine vermeintlich gute Sache zu machen? Wann hat die Bevölkerung aufgehört, sich dagegen zu wehren? Früher gab es von der Gesellschaft an ihre Firmen zwei Forderungen: Gute Löhne zu zahlen und gute Produkte zu generieren. Heute muss zur Gurke und zu den Spaghettis die politisch korrekte Haltung serviert werden.

„Good Supermarkt“ haben sich die Deutschen redlich verdient. Früher hat noch ein automatisches Garagentor das Wetter im Ersten präsentiert. Heute braucht es nicht mehr nur praktische Funktionalität der Produkte, sondern auch noch moralinsaure Haltbarkeit. Die AfD mag Edeka aus den Regalen verbannt haben. Aus den Köpfen der Bevölkerung garantiert nicht.

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Zum Autor: Julian Marius Plutz ist 1987 geboren und betreibt seinen eigenen Blog neomarius.blog. Hier erschien der oben veröffentlichte Text zuerst. Ferner erscheinen seine Texte unter anderen auf TheEuropean.de und achgut.com. In seinen Texten beschäftigt er sich mit dem Arbeitsmarkt, der politischen Linken und der LGBT Bewegung. Hauptberuflich arbeitet Herr Plutz im Personalbereich.“ Mehr Artikel des Autors finden Sie hier.

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