Am Donnerstag 29.4. vor vier Jahren wurde die afghanische Christin Farimah Seadie in Prien, Oberbayern auf dem Parkplatz des Lidl-Supermarkts vor den Augen ihrer Söhne getötet, weil sie zum Christentum übergetreten ist. Viele Moslems, die sich zum Christentum bekehren, fühlen sich in Europa von Staat und Amtskirchen allein gelassen. Teils müssen sie um ihr Leben fürchten.

Die konservative NGO „European Center for Law and Justice“ in Strasbourg hat einen Bericht verfasst und eine Hotline für Ex-Moslems eingerichtet, die sich zum Christentum bekehren. Darüber sprach der Vorsitzende Gregor Puppnick (Foto r.u. © Peter Potrowl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons) mit MdEP Joachim Kuhs, Vorsitzender der „Christen in der AfD“:

Der US-Islamexperte Prof. Daniel Pipes schätzt, dass sich in Frankreich jedes Jahr etwa 15.000 Moslems zum Christentum bekehren. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da viele Konvertiten sich aus Angst vor Repressalien nicht zu erkennen geben. Wieviele Konvertiten gibt es Ihrer Erfahrung nach?

Wir haben noch keine zuverlässige Schätzung. 15.000 scheint etwas hoch gegriffen. Die katholische Kirche veröffentlicht jedes Jahr zu Ostern die Zahl der getauften Erwachsenen, danach lassen sich jedes Jahr etwa 250 bis 300 Moslems taufen. Nach unseren Informationen sind es noch mehr evangelische, evangelikalische und andere protestantische Konvertiten, aber keine französische Kirche führt offizielle Zahlen darüber. Viele Moslems bleiben lieber versteckt und treten nicht öffentlich einer Kirche bei. Sie lesen die Bibel und glauben an Jesus als Christus, aber aufgrund der Umstände können sie ihren Glauben nicht offen leben oder öffentlich einer Kirche beitreten. Wenn wir all diese Fälle mitzählen, kommt man vielleicht auf 15.000 Konversionen im Jahr. Nach unserer Recherche wissen wir lediglich, dass jedes Jahr tausende Moslems Christen werden.

Was bewegt sie dazu, sich zum Christentum zu bekennen?

Ihre Motive und ihre Wege zum Glauben sind natürlich sehr unterschiedlich, aber meistens hat es damit zu tun, dass sie die Bibel lesen, entweder weil sie eine geschenkt bekommen haben, oder selber eine gefunden haben. Für manche sind die Worte der Bibel eine Offenbarung. Das Wort Gottes spricht zu ihnen und bewegt sie tief im Inneren. Andere haben das Gefühl, dass der Koran und der Islam ihnen etwas nicht gibt, das sie woanders suchen. Und manche haben einen Traum eines christlichen Symbols oder eine Offenbarung durch Stimmen oder Visionen. Zum Beispiel sehen sie im Traum ein Kreuz, wissen aber nichts über die Kreuzigung, und wollen dann mehr darüber erfahren.

 Wieviele Konvertiten erleben Verfolgung?

Während dem spirituellen Prozess der Konversion meistens nicht, wenn sie dabei nicht aus irgendeinem Grund entdeckt werden. Die Verfolgung beginnt, sobald der Konvertit seinem neuen Glauben offen nachgeht.

Im Grunde kann man sagen, dass alle muslimische Konvertiten Verfolgung erleiden, mit unterschiedlicher Intensität. In der überwältigenden Mehrzahl der Fälle werden sie von ihrer Familie und/oder ihrer Gemeinde abgelehnt. Der Konvertit erleidet einen „sozialen Tod“: Manche Familienmitglieder wollen sie nicht mehr sehen oder mit ihnen sprechen. Dazu kommt eine allgemeine Belästigung, die erträglich, aber unübersehbar ist.

Unterschiedliche Konvertiten erleben unterschiedliche Situationen. Manche müssen die Stadt verlassen, andere können bleiben aber müssen vorsichtig sein. Manchmal nimmt die Ablehnung in der Familie mit der Zeit ab, manchmal eskaliert sie aber zu Gewalt und sogar Mord. Grundsätzlich leiden Frauen und Mädchen mehr unter solcher Verfolgung. Trotzdem konvertieren mehr muslimische Frauen zum Christentum als Männer.

Sie haben eine Hotline für verfolgte Ex-Moslems eingerichtet. Was für Geschichten haben Sie da erlebt?

Diese Hotline gibt es erst seit ein paar Wochen. Wir haben viele Anrufe erhalten, aber können hierzu noch nichts bekanntmachen. Wir kennen jedoch viele Geschichten von Menschen, die vor Jahren konvertiert sind, so wie Mohammed-Christophe Bileck, Gründer der Organisation „Notre Dame de Kaylie“. Er ist vor Jahren zum Katholizismus übergetreten und engagiert sich seitdem, um Moslems zu bekehren, zu helfen und die Botschaft Jesu Christi zu bringen. Er hat mit hunderten Konvertiten gesprochen: Manche erhielten in einer katholischen Schule ihre erste Bibel, andere erhielten sie von einem Straßenprediger. Manche haben einen Traum von Jesus Christus und gehen am nächsten Tag in die Kirche. Viele Frauen, mit denen wir gesprochen haben, verstecken ihren Glauben vor ihrer Familie und haben Angst entdeckt zu werden. Andere sind von zuhause weggelaufen, weil sie gesehen haben, wie eine Cousine mit einem ähnlichen Weg gezwungen wurde, einen strenggläubigen Moslem zu heiraten.

Jede Konversionsgeschichte ist anders, aber in unserem Bericht haben wir versucht, gemeinsame Elemente herauszuarbeiten und den Fokus auf die Verfolgung zu legen, nicht die spirituellen Beweggründe oder persönliche Überzeugungen. Solche persönlichen Erlebnisse sind in der religiösen Literatur schon gut dokumentiert, die Verfolgung wurde jedoch bislang kaum beleuchtet.

Wie können sie ihnen helfen? Wo können sie sich hinwenden, wer hilft ihnen?

Als Christen glauben wir, dass es erstens hilft, für sie zu beten. Man muss für alle beten, die zu Jesus finden. Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass alle Konvertiten eine große Trauer und Enttäuschung erleben, wenn sie einer christlichen Gemeinde beitreten.

Viele berichten, dass die christlichen Gemeinden sie nicht wirklich willkommen heißen. Sie werden zum Beispiel selten zum Essen eingeladen, und werden weiterhin als „Ex-Moslems“ gesehen, nicht als vollwertige Christen. Der zweite wichtige Punkt wäre also, diese Menschen besser willkommen zu heißen. Wir arbeiten mit französischen Gruppen wie Mission Ismérie, wo christliche Freiwillige solchen Menschen konkret helfen.

Bei unserer Verkündung der Frohen Botschaft gibt es eine Situation, in der man unbedingt helfen muss: Wenn eine junge Frau plötzlich ihr Zuhause verlassen und alles aufgeben muss, weil sie von ihrer Familie bedroht wird. Diese jungen Menschen brauchen dringend Hilfe.

Außerdem sollte die Regierung hier für mehr Aufklärung und Untersuchungen sorgen. In Frankreich werden aktuell im Rahmen des neuen Gesetzes gegen “Islamischen Separatismus” hier einige gute Maßnahmen beschlossen. Am Ende bleibt dieses Thema jedoch ein kulturelles Problem, und es liegt an der muslimischen Gemeinde zu verstehen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist.

„Ungarn Hilft“ will verfolgten Christen in Europa helfen, wie ECLJ berichtet. Sehen Sie eine Hoffnung auf ein europäisches Hilfsnetzwerk für verfolgte Christen und Ex-Muslime in Europa?

Ja, das ungarische Programm ist sehr wirksam und eine gute Idee. Im Mai 2021 übernimmt Ungarn sechs Monate lang den Vorsitz des Ministerrats des Europarats, und wird diese Gelegenheit sicher nutzen, um die weltweite Christenverfolgung, auch in Europa, zu thematisieren. Der Europarat hat bislang oft andere Themen in den Vordergrund gestellt, und Ungarn hat hier eine einmalige Gelegenheit, mehr Aufmerksamkeit für Christenverfolgung zu erzeugen.

Das ECLJ untersucht derzeit, ob es ähnliche Christenverfolgung wie in Frankreich auch in Deutschland, UK und anderen Ländern gibt. Sollte das zutreffen, werden wir versuchen, hier ein Hilfsnetzwerk zu schaffen.

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Das Interview führte MdEP Joachim Kuhs, Vorsitzender der „Christen in der AfD“ – Foto: l.

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