Wie linke Politik ihre politische Herkunft ausblendet und den vermeintlichen Kampf gegen scheinentlarvte Nazis als Markenzeichen demokratischer Gesinnung verkauft. Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Die Geste war dramatisch. Susanne Hennig-Wellow, Chefin der Partei DIE LINKE, geht auf den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Thomas L. Kemmerich zu, wirft ihm den für Ramelow gedachten Blumenstrauß vor die Füße und kehrt siegestrunken in die Reihe der Aufrechten zurück. Was sie nicht davon abhält, sich anschließend vor ihm, in einer Mischung aus Hochnäsigkeit und Unterwürfigkeit, wie in totalitären Systemen gelernt, zu verneigen.

Inszenierter Blumenstrauß-Showdown

DIE LINKE, mehrmals umgetaufte SED, eigentlich also besser WEST– SED genannt, gehört bekanntlich zu den eifrigsten Kämpfern gegen den in Deutschland herbeiphantasierten, reinkarnierten, großgezoomten braunen Abschaum. Der inszenierte Blumenstrauß-Showdown linker, scheinbar demokratiegeprägter Nazigegner wurde in Thüringens Parlament zum bewegten und bewegenden Bild: Konnte man es deutlicher zeigen, dass man radikal gegen das im Saal anwesende Nazistimmvieh ist?

Der antifaschistische Protest der Linken – und ihrer altparteilichen Mitmarschierer – feiert seit dem Aufkommen der AfD ein Comeback in der Auseinandersetzung der SED-Nachtfolgepartei mit allem, was, genährt aus national orientiertem Interesse,  Widerspruch zur antikonservativen Merkel-Politik verkörpert. Die linke Polit-Elite stellt Vertreter konservativer Werte in die rechte Ecke der Reaktionären und geriert sich dann nutzbringend als Kämpfer gegen den „faschistischen“ Gegner mit 3 Gesichtern: Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.

Sage mir, wo du herkommst…

Verschwiegen wird dabei freilich, dass linkes, antifaschistisches Gehabe aus der Ecke kommt, die zutiefst reaktionär-faschistisch  und antisemitisch war: die linke Staatspartei SED in der DDR.

Antifaschistisch gab man sich dort gleich  nach Kriegsende 1945 und installierte den roten Terror anstelle des braunen mit Hilfe der Sowjets.  Der begrifflich wirksame, inhaltlich hohle Slogan vom Antifaschismus rechtfertigte drüben Staatsterror gegen Postulate nach Menschenwürde und Freiheit. Das soll, wie man aus linken Kreisen schon mal hörte, eine relativ kommode Diktatur gewesen sein?

Die Gretchenfrage an die Antifaschisten

Die Selbstdarstellung der Linken  als Antifaschisten  kann nicht überzeugen, solange sie sich nicht von der Familie losgesagt haben, in der sie  gelernt haben, Antifaschismus  als Vorwand für totalitäre Unterdrückung zu instrumentalisieren.

Die aktuelle Erklärung der  LINKEN-Chefin Susanne Hennig-Wellow im ZDF- Morgenmagazin, man könne den Beitrag der AfD zur Neuwahl Ramelows ausschließen, indem man die Stimmen dokumentiere (im Klartext die Abschaffung der geheimen Wahl), lässt nicht auf eine innere Distanz zur DDR-Diktatur schließen.