Viele Unternehmen in Deutschland fürchten, bei der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Bitkom-Studie. Mehr als jedes zweite Unternehmen sieht sich demnach als Nachzügler. Die Gründe sind vielschichtig. Einerseits seien es hausgemachte Probleme, wie das Fehlen einer digitalen Strategie. Andererseits fehle es an finanziellen Anreizen und auch geeigneten Fachkräften. Ein Gastbeitrag von Peter Entinger

Auf der Suche nach geeigneten Vorbildern schaut sich die Bundesregierung mittlerweile auch im Osten Europas um. Dort ist Estland ein Vorreiter. Nach Ansicht von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) könne Deutschland von den Esten einiges lernen. Als Beispiele nennt sie digitale Krankenakten, Behördengänge via Internet oder die Möglichkeit, online
zu wählen. „Es ist beeindruckend, wie weit Estland auf diesem Weg bereits ist und welche hohe Akzeptanz dieser Prozess in der estnischen Gesellschaft findet“, so Lambrecht. In Deutschland fehlt beispielsweise immer noch die Möglichkeit, rechtssicher online zu wählen.

Teil der Wahrheit verschwiegen

Das Hauptproblem, das Unternehmer und Wirtschaftsfunktionäre ausmachen und das seit Jahren nicht gelöst wird, hört sich simpel an: Das Internet ist hierzulande einfach zu langsam. 2010 versprach Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass 75 Prozent der Haushalte bis 2014 über „mindestens 50 Megabit“ verfügen sollten, bis 2018 sollten es alle sein. Beide Ziele wurden verfehlt.

Die Regierung beteuert zwar, dass das Internet prozentual schneller geworden ist, verschweigt dabei aber einen Teil der Wahrheit. Der Fortschritt erfolgte durch die Umstellung auf die modernen Glasfaserleitungen vor allem in den Ballungsgebieten. Auf dem Land sieht es düster aus. Experten mahnen, die Kluft zwischen Stadt und Land müsse kleiner, nicht größer werden, damit Deutschland konkurrenzfähig bleibe.

Bei Downloadrate nur auf Platz 27

Ein Beispiel: Wenn es darum geht, sich Inhalte aus dem Netz herunterzuladen, hinkt die Bundesrepublik meilenweit hinterher. Mit einer durchschnittlichen Downloadrate von 25 Megabit pro Sekunde liegt Deutschland im weltweiten Vergleich weit abgeschlagen auf Platz 27. In Dänemark und Schweden surfen die Nutzer doppelt so schnell, im erstplatzierten Taiwan erreichen die Werte sogar mehr als 85 MBit pro Sekunde.

Für die deutsche Wirtschaft ist dies im internationalen Wettbewerb eine Katastrophe: „Ein restriktives Datenschutzrecht, eine kaum digitalisierte und damit langsame Verwaltung sowie die Behäbigkeit bei der Schaffung der Rahmenbedingungen durch schnelles Internet in der Breite lassen den Abstand zu China und den USA Tag für Tag größer werden“, warnt Martin Pätzold, Professor für Wettbewerb in der digitalen Wirtschaft an der Hochschule
Mittweida.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei PREUSSISCHE ALLGEMEINE

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