Die aktuelle Konjunkturumfrage des IW und eine Umfrage der Deutschen Handelskammer in China lassen wenig Gutes für das neue Jahr erwarten. Die Ursachen sind sowohl international als auch hausgemacht. Ein Gastbeitrag von Peter Entinger

Die weltweite Verunsicherung hat die Wachstumsperspektiven in Deutschland deutlich nach unten gedrückt. Die Unternehmen erwarten für das Jahr 2020 in allen Bereichen einen Rückgang. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Erstmals seit der globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2009 ist der Saldo aus positiven und negativen Exporterwartungen mit 13 Prozentpunkten im Minus. Im Westen der Republik erwarten nur noch 16 Prozent der Unternehmen einen Exportzuwachs. Im Osten sieht es mit zehn Prozent noch schlechter aus. Das geht aus einer Befragung von 2300 Unternehmen in der Bundesrepublik hervor.

Steigenden Arbeits- und Energiekosten in der Bundesrepublik als Ursache

Die deutsche Volkswirtschaft tritt seit geraumer Zeit auf der Stelle. Die Gründe für die Industriekrise seien in der deutlich nachlassenden Gangart der Weltwirtschaft zu suchen. „Diese leidet unter der schwachen globalen Investitionstätigkeit, was wiederum das Ergebnis von Protektionismus und vielfältigen geopolitischen Verunsicherungen ist“, heißt es in einer Mitteilung. Diese schwindende Zuversicht in das künftige Auslandsgeschäft überträgt sich sowohl im Westen als auch im Osten auf die Produktionsperspektiven. Diese haben sich seit Herbst 2017 und Frühjahr 2018 erheblich verschlechtert.

Auch mit Investitionen wollen sich die Unternehmen der Umfrage zufolge 2020 eher zurückhalten. Schuld daran sei aber nicht nur die Weltwirtschaft. Hier machten sich auch die steigenden Arbeits- und Energiekosten in der Bundesrepublik bemerkbar. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland habe in den vergangenen Jahren zudem durch vielfältige Regulierungen am Arbeitsmarkt und bürokratische Genehmigungsverfahren in vielen Bereichen gelitten.

Der Umfrage zufolge wollen im kommenden Jahr nur noch 21,5 Prozent der einheimischen Firmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Knapp 29 Prozent planen dagegen einen Beschäftigungsabbau. Zwar lasse sich aufgrund der Umfrage nicht vorhersagen, ob unter dem Strich am Ende mehr Stellen abgebaut oder geschaffen werden. Doch dürfte nach IW-Einschätzung der seit 2005 anhaltende Beschäftigungsaufbau in Deutschland, mit dem insgesamt rund 5,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden, 2020 enden. „Gleichwohl dürfte das Ende des langjährigen Beschäftigungsaufbaus gekommen sein. Westdeutschland wird von den Beschäftigungsanpassungen stärker betroffen sein als Ostdeutschland“, heißt es.

Deutsche Handelskammer in China pessimistisch wie nie

Die in China aktiven Unternehmen sind derzeit so pessimistisch wie nie. Das zeigt eine veröffentlichte Umfrage der Deutschen Handelskammer in China. Nur noch ein Drittel von ihnen rechnet damit, die zu Beginn des Jahres gesetzten Geschäfts- und Umsatzziele für 2019 noch erreichen oder gar übertreffen zu können. Im Vorjahr war die Zuversicht im dritten Quartal deutlich größer. Damals zeigte sich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen überzeugt, die eigenen Ziele erreichen oder übertreffen zu können. Gegenüber 2018 hat die Neigung, Investitionen zu tätigen, stark nachgelassen.

Der Beitrag erschien zuerst bei PREUSSISCHE ALLGEMEINE

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