(David Berger) Bringt es etwas, Wahnsinn mit noch größerem Wahnsinn zu bekämpfen, fragten sich vermutlich viele Leser als sie den jüngsten Post eines bekannten Facebookaktivisten, der unter dem Pseudonym „Hugo Funke“ agiert, lasen. Der entwickelt ausgehend von dem Begriff „Fridays for Futue“ eine satanistische Phanatasiewelt, die sich gewaschen hat und die an Verfolgungswahn grenzt.

Zunächst habe er es für einen Zufall gehalten, „dass die Anfangsbuchstaben von „Fridays For Future“ numerisch die Ziffernfolge 666 ergeben“. Das sei nun anders geworden. Denn außerdem lasse sich „aus der angeblichen Sanduhrsymbolik mit simpler Verschiebung ein Hexagramm erzeugen, das wiederum an ein Pentagramm erinnert. Hinzu kommen weitere ganz eindeutige Referenzen“, auf die er gar nicht näher eingehen wolle, da sie zu offensichtlich seien.

Lieblingsthema rechtsextremer Verschwörungstheoretiker: Geopferte Kinder

Um dann sofort den Schwenk zu einem der Lieblingsthemen rechter Verschwörungsfanatiker zu finden: Dem Missbrauch von Kindern:

„Aber auch wenn man hier an Zufälligkeit glaubt: Der unheimliche Bezug der Ökologisten zu Kindern ist ganz eindeutig. Ich erspare mir Ausflüge in die Parteiengeschichte der Grünen. Und auch ein Bezug zum pädophilen Treiben von Geheimgesellschaften ist offenbar, wenn man sich denn auf einen Blick in solche Abgründe einlässt. Und ja: Auch eine psychotische Person wie Greta Thunberg wird im Prinzip vor den gierigen Augen der Weltöffentlichkeit missbraucht – auch von ihren eigenen Eltern.“

…lässt Funke wissen ohne den Unterschied zwischen sexueller und ideologischer Gewalt irgendwie zu erwähnen. Das würde die Empörungserektionen der Zielgruppe, die er vermutlich im Auge hat, zu schnell wieder erschlaffen lassen.

Youtube rechtsaußen: Ehrgeizige Mütter und ihre vor der Cam missbrauchten Töchter

Und auch, dass der ideologische „Kindesmissbrauch“ bei Extremisten aller Couleur – vom Islamismus und bei christlichen Sekten über die Antifa bis hin zu Rechtsradikalen eine große Rolle spielt, verschwiegt er natürlich: Man muss sich nur einige der neuen weiblichen  „Kinderstars“ bei Youtube aus der rechten Szene anschauen und kann die Ähnlichkeit mit Greta nicht übersehen:

Ehrgeizige rechtsradikale Mütter, die ihr überstark geschminkten Töchter, die wie 12-Jährige aussehen, vor die heimische Cam jagen, wo sie Interviews mit Aktivisten der IB machen oder mit wirrem, leeren Blick Altersweisheiten von sich geben und altgedienten Politikern erklären, was sie falsch machen.

Kinderkreuzzüge hier wie dort und ein verpfuschtes zukünftiges Leben sind vorprogrammiert. Doch der Ehrgeiz der Mütter, die Töchter zu Stars in der rechtsradikalen Szene aufzubauen ist größer als jedes Verantwortungsgefühl.

Oliver Janich als Star der Verschwörungssüchtigen

Etwas, was Funke als „Vater einer kleinen Tochter“ eigentlich auffallen müsste. Denn so O-Ton Funke weiter:

„Ich persönlich – und das muss ich offen sagen – habe als Vater einer kleinen Tochter nicht die Kraft, mich auch noch mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Ich kenne andere, die das getan haben, und daran zerbrochen sind. Mein voller Respekt gilt z.B. Oliver Janich, der immer wieder in diesem Sumpf wühlt. Wer alleine mit dem Fall Marc Dutroux einsteigt, der steht relativ schnell an schier unglaublichen Abgründen.“

Janich als großer Gelehrter, der die ganzen dunklen Verschwörungen kinderopfender Satanisten der „Neuen Weltordnung“ aufdeckt. Da wurde es wohl selbst Funke langsam etwas mulmig.

Denn um sich vor der zu erwartenden Kritik an seinen paranoiden Theorien abzusichern, lässt er seine Facebook-Follower wissen:

Das Treiben von „Geheimgesellschaften“

„Damit will ich es aus oben beschriebenen Gründen auch bewenden lassen. Und bevor hier wieder argumentationslos von „Verschwörungstheorien“ fabuliert wird: Das Treiben von Geheimgesellschaften ist per definitionem eine Verschwörung. Daran ist nichts außergewöhnlich oder irgendwie „bescheuert“. Bitte verschont mich also mit intellektuellen Tiefflügen dieser Art. Danke.“

Sieht man einmal davon ab, dass alle, die nicht sofort in den Verfolgungswahn durch Satanisten einstimmen, kurzerhand zu intellektuellen Tieffliegern erklärt werden, scheint das von Funke Dargestellte nun auch nicht als ein stimmiges akademisches Gebäude, das kurz davor steht den Leibnitz-Preis zugesprochen zu bekommen. Ungeklärt bleibt auch hier, wo nun irgendwelche Verbindungslinien zwischen „Geheimgesellschaften“, dem nun seit vielen Jahren abgeschlossenen Fall Dutroux und den Greta-Jüngern bzw. ihren Managern bestehen. Es bleibt bei komplett nichtssagenden „Argumenten“ wie der Theorie, dass „Fridays for future“ eigentlich die Geheimbotschaft 666 enthält. Eben billige Verschwörungstheorie.

Halb aufgegeilt, halb schockiert – zum Schaden der eigenen Sache

Der Post Funkes erinnert mich stark an die über 300 Zuschriften von wohlmeinenden „Patrioten“, die ich in den letzten drei Jahren als PP-Macher immer wieder erhalten habe: Da ist die Rede vom Babys erst vergewaltigenden, dann sie dem Satan opfernden Papst in den Kellern des Vatikan. Opferrituale, die auf Initiative von Freimaurern, jüdischer Hochfinanz, Jesuiten und Illuminati dort nahezu stündlich stattfinden sollen.

Dass sie dabei im Grunde genommen uralte, v.a. die mittellalterlichen Juden- und Hexenpogrome aufwärmen (siehe Grafik aus dem Mittelalter) aufwärmen, bleibt ihnen komplett verborgen.

Nur ein Beispiel unter vielen, das mir deshalb als besonders krass auffiel, da ich selbst viele Jahre für den Vatikan gearbeitet habe und nichts dergleichen vorkam. Theorien, die soviel Unsinn über den Vatikan enthielten, dass jeder schon nach dem Lesen des ersten Satzes bemerkt, dass sie in den kranken Hirnen von Leuten entstanden sind, die halb aufgegeilt und halb schockiert zwar ihre Phantasien pflegen, aber nicht einmal 100 km nahe an den Vatikan herangekommen sind.

Satanismus: Ein Fetisch von Neonazis oder Antifanten?

Das gilt auch für jene, die Satanismus für etwas besonders Linkes halten. Die Satanisten, die ich bisher kennenlernen konnte, stehen den Neonazis und anderen ähnlichen „Bewegungen“ deutlich näher als der Antifa, die freilich durch ihren Anarchismus ähnliche Bezüge hat, diese aber nicht zum Fetisch macht. Was man nun spannender und aufregender findet, hängt vermutlich mit der eigenen Disposition zusammen. Dazu wird es aber in den kommenden Wochen einen eigenen Beitrag geben, um die sensiblen Leser unter uns nicht zu sehr zu strapazieren.

Auch ohne all diese Hintergründe, lässt ich doch sagen: Selbst eingefleischte Rechte, selbst die unter ihnen, die nicht unbedingt zur geistigen Elite Deutschlands gehören, müssten doch spätestens angesichts solcher Aussagen wie der von Funke bemerken, dass solche Theorien zwar enorm unterhaltsam sind und die eigenen Phantasie zum Weiterbauen anregen, aber der eigenen Sache enorm schaden.

Einer pseudoreligiöse Hysterie wie dem Greta-Wahn eine andere pseudoreligiöse, exorzistische Hysterie entgegenzusetzen, funktioniert ungefähr so gut wie auf den Linksextremismus mit Rechtsextremismus zu antworten.

 


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