(David Berger) Gut gemeint hat es die Kölner Oberbürgermeisterin Reker, als sie den Grünen Bürgermeister Andreas Wolter als ihren Vertreter zur schwul-lesbischen Parade  ins polnische Kattowitz schickte. Doch dieses Engagement könnte den polnischen Homosexuellen mehr schaden als nützen.

Dass die polnischen Gay Pride-Paraden nicht unumstritten sind, ist ein offenes Geheimnis. Umso mehr erstaunt es, dass nun die Stadt Köln in das sensible Gebiet eingreift.

PP erreichte heute eine Pressemitteilung der Stadt Köln und ein Grußwort vom Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschuss sowie eines von Pfarrer Herzberg von der Kölner Antoniterkirche.

In der Pressemitteilung heißt es: „Bürgermeister Andreas Wolter reist nach Kattowitz: In Vertretung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker reist Bürgermeister Andreas Wolter nach Kattowitz und nimmt dort an der Gay-Pride-Parade, der Schwul-Lesbischen-Parade, am Samstag, 7. September 2019, teil.

Unruhen bei Gay-Pride-Parade von Białystok

Im Namen der Stadt Köln demonstriert Bürgermeister Wolter für Solidarität mit den Menschen, die für die gleichen Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LGBT) auf die Straße gehen – im Besonderen nach den gewalttätigen Übergriffe auf Teilnehmende der Gay-Pride-Parade im polnischen Białystok im Juli 2019.

Sechs Ehrenamtliche reisen ebenfalls zur Teilnahme an der Parade nach Kattowitz. Sie vertreten folgende Vereine und Einrichtungen: KLuST e.V., SC Janus e.V., „Sichtbarkeit von Lesben in Köln“, Homoklüngel e.V., AIDS-Hilfe Köln e.V. und „Buntwerk“, dem Netzwerk der LSBTI-Mitarbeitenden in der Kölner Stadtverwaltung.“

„Katholikenausschuss in der Stadt Köln“ auch mit dabei

In der Pressemitteilung des Katholikenausschusses in der Stadt Köln heißt es, Bezug nehmend auf die Unruhen von Bialystok (PP berichtete):

„Eine Delegation aus Köln hat sich auf den Weg in unsere Partnerstadt Kattowitz gemacht, um die LGBT-Parade zu unterstützen und mit unseren Freundinnen und Freunden in Kattowitz dieses Ereignis gemeinsam zu feiern. Leider werden immer wieder die friedlichen Anliegen und die fröhlichen Feiern der LGBT von homophober Gewalt überschattet, wie auch in diesem Jahr in Bialystok. Der Katholikenausschuss in der Stadt Köln sieht dies mit großer Sorge und verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste!“

Zwar haben auch die polnischen Bischöfe angesichts der Ausschreitungen beim CSD in Bialystok klar die Gewalt gegen Homosexuelle zurückgewiesen, gleichzeitig aber die authentische kirchliche Lehre zur Homosexualität nicht verschwiegen. Dass sie über das Engagement von Laienkatholiken und Kölner Politiker erfreut sein werden, darf bezweifelt werden.

Gut gemeint, wird hier zum Gegenteil von gut

Auch polnische Politiker werden dieses Engagement von Frau Reker eher gegen die LGBT-Bewegung in Polen verwenden: Schon jetzt ist dort sowohl bei den veranwortlichen Politikern wie bei manchen Bischöfen die Rede von einem importierten Kulturkampf.

So wird man, sobald das Engagement linksgrüner Politiker aus Deutschland für die Homosexuellenbewegung und ihren Umzug bekannt wird, dieses gegen die LGBT-Bewegung in Polen ins Feld führen und damit die Vorurteile, die in der polnischen Gesellschaft gegenüber dieser Bewegung herrschen, weiter anheizen.

Insofern haben es die Oberbürgermeisterin und der Grünenpolitiker Andreas Wolter sicher gut gemeint, könnten aber mit ihrer Aktion genau das Gegenteil von mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen in Polen erreichen. Die Tugend der Politik ist nach Thomas von Aquin eben nicht das Dogma (Ideologie), sondern die Klugheit.

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