Seit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier seine »Nationale Industriestrategie 2030« vorstellte, reißt die Kritik an den Plänen der Bundesregierung nicht ab. Vertreter von Gewerkschaften und Unternehmen äußern immer lauter ihren Unmut über die untätige Regierung und warnen vor dem Abrutschen Deutschlands. Nun meldet sich Adidas-Chef Kasper Rorsted zu Wort und übt massive Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Seit Wochen schon wird Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für seine ordnungspolitische Untätigkeit und die »Nationale Industriestrategie 2030« scharf kritisiert.

Furcht vor Rezession groß

Die massive Kritik von Gewerkschaftern, Unternehmern und Verbänden reißt nicht ab. Diese befürchten, dass Deutschland in eine Rezession schlittert und im internationalen Wettbewerb massiv abrutschen könnte. Zu hohe Steuern, zu hohe Strompreise, zu viel Regulierung und eine untätige Regierung in Sachen Digitalisierung und künstliche Intelligenz bringen die Wirtschaftsführer in Alarmstimmung.

Die Wirtschaftsverbände warnen, dass man bald so weit hinter China und die USA zurückfallen könnte, dass Deutschland große Wohlstandseinbrüche drohen.

„Aber es geschieht nichts“

Auch Adidas-Chef Kasper Rorsted äußert nun seinen Unmut und liest Angela Merkel und ihrer Regierung in ungewöhnlicher Deutlichkeit die Leviten. »Der Standort Deutschland hat mehr Probleme, als viele wahrhaben wollen«, wird Rorsted in der ›Welt am Sonntag‹ zitiert. Ein besonderes Versäumnis sieht der Manager bei der Digitalisierung. So behaupte Bundeskanzlerin Angela Merkel schon seit 2005, diese stehe ganz oben auf ihrer Agenda. »Aber es geschieht nichts. Sie wird diese Regierung verlassen ohne einen Erfolg in diesem Bereich.«

Über autonomes Fahren beispielsweise müsse Deutschland nicht nachdenken, solange bei einer Autofahrt zwischen Nürnberg und München ständig die Telefonverbindung abreiße. Darüber hinaus seien die Behörden kaum digitalisiert, die Schulen ebenfalls nicht. »Wir haben Überschüsse bei den Staatsfinanzen«, stellt der Konzernchef des größten europäischen Sportartikelherstellers weiter fest, »aber unsere digitale Infrastruktur hat Defizite, wie es schlimmer nicht geht«.

Rückläufige Industrieproduktion und nachlassende Wettbewerbsfähigkeit

Der Adidas-Chef Rorsted warnt vor rückläufiger Industrieproduktion und nachlassender Wettbewerbsfähigkeit ganz Europas. Die EU sei in einem schlechten Zustand: »In den letzten zehn Jahren ist viel geredet worden, aber es hat keine echten Reformen gegeben.« Es gebe in Europa 200 verschiedene Telekommunikations-Provider und nicht drei oder vier. »Wir brauchen nicht mehr Europa, sondern ein effizienteres Europa mit weniger Bürokratie«, so die klaren Worte Rorsteds, der das ausspricht, was viele Verantwortliche in der deutschen Wirtschaft aktuell umtreibt.

Das Fazit des Wirtschaftsbosses: Die Große Koalition verliere den Blick für das dringend Notwendige, Deutschland drohe der Absturz in die Rezession, Handelskonflikte eskalierten, Berlin betreibe aber keine Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik, sondern überreguliere und übersteuere die Industrie mit immer neuen Ideen, zuletzt mit dem Plan einer CO2-Steuer. Die Energiewende sei gescheitert, der Brexit sei das Ergebnis auch von deutschem Politikversagen und bei der Digitalisierung komme Deutschland viel zu langsam voran.

Der Adidas-Chef sagt, was viele denken

Wie es scheint, wirkt Rorsteds Wutrede wie ein Befreiungsschlag in weiten Kreisen der Wirtschaft. Der Adidas-Chef sage, was viele denken, so ein Vorstandsmitglied eines süddeutschen Konzerns. Die Große Koalition werde als Ganzes als eine Belastung für den Standort empfunden. »Berlin diskutiert über Enteignungen, während wir auf den Weltmärkten ums Überleben kämpfen«, so der nun artikulierte Ärger eines westfälischen Mittelständlers. Die Bundeskanzlerin mache währenddessen eine ausgedehnte Abschiedstournee, aber Deutschland wird nicht mehr regiert, so die Klage.

Aus der gemeinsamen Frustration über die katastrophale Politik der Bundesregierung entsteht nun möglicherweise eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsmanagern.

Der Beitrag erschien zuerst bei DEUTSCHLAND-KURIER