Am Osterwochenende las ich beim SPIEGEL das Wort „mutmaßlich“ und stutzte. Ich muss gestehen, dass sich bei mir spontan Zweifel an meinen Deutschkenntnissen einstellten. Also googelte ich nach der Bedeutung des Wortes „mutmaßlich“. Kein Witz! Ein Gastbeitrag von Stephan Eissler

Was bedeutet eigentlich „mutmaßlich“?Google teilte mir dann mit, dass „mutmaßlich“ folgendes bedeutet: aufgrund bestimmter Tatsachen, Anzeichen möglich, wahrscheinlich

Macht es Sinn, von „mutmaßlichen“ Anschlägen auf Sri Lanka zu sprechen?

Mit meinen Deutschkenntnissen war also alles in Ordnung. Also muss wohl dem SPIEGEL ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sein, vermutete ich. Alles andere als ein Versehen ergab für mich schlicht keinen Sinn. Denn der SPIEGEL titelte: „Bundesregierung entsetzt über mutmaßliche Anschläge in Sri Lanka“.

Jetzt mal ehrlich, wollen uns die Redakteure des SPIEGEL ernsthaft sagen, dass es sich Angesichts von Explosionen in gleich drei(!) katholischen Kirchen und drei(!) Luxushotels innerhalb von nur 30 Minuten(!) möglicherweise um Anschläge gehandelt haben könnte? Neee, das ist so absurd abwegig, das bringt nicht mal der SPIEGEL fertig, dachte ich zuerst. Also konnte es doch nur ein Versehen sein.

Deutschen „Qualitätsmedien“ ist offensichtlich nichts zu abwegig oder zu absurd

Andererseits… seit der Berichterstattung unserer „Qualitätsmedien“ zu den Ereignissen in Chemnitz traue ich unseren Medien auch Dinge zu, die ich zuvor noch für ausgeschlossen gehalten hätte. Daher googelte ich „mutmaßliche Anschläge auf Sri Lanka“ und war für einen Moment etwas fassungslos, als ich die lange Trefferliste vor mir hatte. Hier mal eine kleine Auswahl:

SPIEGEL: Bundesregierung entsetzt über mutmaßliche Anschläge in Sri Lanka

NTV: Mutmaßliche Anschläge erschüttern Sri Lanka

STERN: Sri Lanka: Kanzlerin entsetzt über mutmaßliche Anschläge

FAZ: Sri Lanka: Kanzlerin entsetzt über mutmaßliche Anschläge

Mutmaßungen über die Motive der Gesinnungsjournalisten

Warum wurde in deutschen „Qualitätsmedien“ das Offensichtliche lediglich als eine Möglichkeit dargestellt? Lesen wir demnächst auch von „mutmaßlichen Unruhen“ oder „mutmaßlichen Vulkanausbrüchen“? Wohl kaum. Aber solange man suggeriert, dass noch nicht klar ist, um was für eine Art von Ereignissen es sich handelt, kann man sich auch der Frage nach den Tätern und ihren Motiven mit der Begründung verweigern, man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Wer suggeriert, dass noch nicht klar sei, ob es sich bei den Ereignissen tatsächlich um Terrorsanschläge handelt, der muss auch nicht von „Terroropfern“ berichten, sondern lediglich von Opfern.

So wird es möglich, dass in vielen deutschen Kirchen, die an Ostern gut besucht sind, nicht etwa für die christlichen Opfer des islamistischen Terrors auf Sri Lanka gebetet wurde, sondern lediglich für die Opfer schrecklicher Ereignisse, über die wir besser keine Mutmaßungen anstellen sollten.

In deutschen Redaktionen geben ideologische Extremisten die Richtung vor

Dass deutsche „Qualitätsmedien“ auch ganz anders können… dass sie sich auch sehr schnell auf eine Version der Ereignisse festlegen und sich dabei sogar in wilde Spekulationen und Verschwörungstheorien ergehen können, das zeigten erst kürzlich der Terroranschlag in Christchurch sowie nur wenige Monate zuvor die Berichterstattung zu den Ereignissen in Chemnitz.

Damit bestätigt sich bei der Berichterstattung zu den islamistischen Terroranschlägen auf Sri Lanka wieder ein Muster, das ich bereits in einem früheren Artikel so beschrieben habe:

„Deutsche Leitmedien berichten über Terroranschlägen mit muslimischen Tätern und christlichen Opfern völlig anders, als über Terroranschläge mit christlichen Tätern und muslimischen Opfern. Der Unterschied in der Berichterstattung könnte größer kaum sein.

Eine Erklärung für diese konsequent ungleiche Berichterstattung drängt sich regelrecht auf: Ein ideologisch motivierter Rassismus, der tief im linken Mainstream verwurzelt ist.“

Bitte überzeugen Sie sich selbst!

Eine ideologisch motivierte und zutiefst rassistische Berichterstattung? Ja, ich weiß, dieser Vorwurf gegen unsere linken Mainstream-Medien wiegt schwer. Aber überzeugen Sie sich selbst:

  • Erinnern Sie sich noch an die Berichterstattung zum Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch, bei dem 50 Muslime getötet und fast ebenso viele verletzt wurden
  • Erinnern Sie sich  noch an die vielen Sondersendungen, Polit-Talks und Kommentare im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu diesem Terroranschlag?
  • Erinnern Sie sich noch, wie akribisch der ideologisch-weltanschauliche Hintergrund des Attentäters von Christchurch ausgeleuchtet wurde? Und zu welchen Verallgemeinerungen sich deutsche „Haltungsjournalisten“ verstiegen, um aus den Ansichten des rechtsextremistischen Täters eine weltweite Gefahr abzuleiten, die von allem ausgeht, was irgendwie als „rechts“ eingestuft werden kann?
  • Erinnern Sie sich noch, mit wie viel Empathie uns die Schicksale und Geschichten der Opfer von Christchurch nahe gebracht wurden?
  • Erinnern Sie sich noch, wie die Medien das Narrativ des Attentäters von Christchurch übernahmen, indem sie aus dem Terrorakt gegen zwei Moscheen in Christchurch einen Anschlag auf die gesamte weltweite muslimische Community machten? Denn nichts anderes bedeutete die Solidarisierung nicht nur mit den tatsächlichen Opfern des Terroranschlags und ihren Angehörigen, sondern darüber hinaus mit Muslimen ganz allgemein.

Und nun fragen Sie sich doch einfach mal selbst: Finden Sie all das wieder, wenn Sie derzeit die Berichterstattung zu den islamistischen Terroranschlägen auf Sri Lanka verfolgen, bei denen über 300 Christen getötet und 500 verletzt wurden?

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