Von den 1200 Jahren seit Kaiser Karl dem Großen, gibt es wohl keine Epoche, die in der veröffentlichten Meinung so präsent ist, wie die Jahre von 1933 bis 1945. Ein Gastbeitrag von Reinhard „Hardy“ Rupsch.

Der National-Sozialismus, der sich aller gesellschaftlicher und kultureller Kräfte bediente, sie vereinnahmte und manipulierte, machte vor keinem Tabu Halt. Bald gab es keine Institutionen mehr, die Widerstand leisten konnten. Organisationen wie die Gewerkschaften wurden entweder zerschlagen oder in andere NS-Formationen integriert. Andere, wie die Kirchen, wurden mit Geld oder Macht gekauft oder zumindest ruhig gestellt.

Nur noch Einzelne, die sich der Gleichschaltung entgegen stellten

Mit dem Verschwinden der Institutionen blieben nur noch einzelne Menschen übrig, Individuen, die sich der Vermassung und Gleichschaltung entgegen stemmten: sie traf die ganze Härte des national-sozialistischen Terrorsystems. Journalisten wie Carl von Ossietzky, Männer der bekennenden Kirche wie Niemöller und Bonhoeffer, Juden wie Hannah Arendt und einfache Leute wie Johann Georg Elser.

Die ersten Opfer des National-Sozialismus waren die Deutschen selbst: es waren Deutsche, die im ersten KZ auf deutschem Boden, in Dachau am 30. März 1933 inhaftiert wurden. Es waren deutsche Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Christen der bekennenden Kirche, Zeugen Jehovas, Schwule, Sinti, Roma und wahrhaftig nicht zuletzt deutsche Juden, die gegen jedes Recht, gegen jede Menschlichkeit und gegen jedes Ideal des deutschen Humanismus hinter Stacheldraht verschwanden.

Widerstand gegen einen erfolgreichen totalitären Staat ist besonders risikoreich

Widerstand, ob mit der Feder des Geistes oder mit der Waffe in der Hand, ist besonders dann ein schwieriges Unterfangen, wenn der bekämpfte totalitäre Staat Erfolge aufzuweisen hat.

Die Anfangserfolge Hitlers mit der Rückkehr des Saarlandes ins Reich, der Anschluß Österreichs und des Sudetenlandes, verbunden mit dem erfolgreichen Abschluß des Münchener Abkommens und schließlich die Siege der Wehrmacht über Polen und Frankreich zermürbten viele Kritiker.

Erst später fand sich der Widerstand zu Gruppen zusammen: die Geschwister Scholl, die als deutsche Patrioten ebenso wie die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 das Wohl des anderen, wahren Deutschlands im Sinn hatten. Ebenso wie linke Widerständler hatten viele der ”Rechten gegen Hitler” wenig mit dem im Sinn, was wir heute unter Demokratie verstehen. Aber es war eine höhere Ethik, die sie gegen den national-sozialistischen Staat mobilisierte.

Seit 1968 ist es immer üblicher geworden, die Opfer des National-Sozialismus auf der politically correten Seite zu beleuchten. Wenn es denn ”Deutsche als Opfer” geben darf, dann, bitteschön, sollen es Juden, Linke, sexuell anders Orientierte, Mitglieder einer mobilen ethnischen Minderheit und so weiter sein.

Patrioten gegen NationalSozialisten

Der stolze Bürger, der eben wegen seiner patriotischen Ethik mit dem National-Sozialismus in Konflikt geriet, er kommt im heutigen Bild vom antifaschistischen Widerstand nicht mehr vor.

Am Volkstrauertag, zog eine Demonstration der linksextremen Antifa durch die Innenstadt von Münster. Vorweg trugen sie ein Transparent, das einen Vermummten mit Bauarbeiterhelm zeigte, der mit einem Vorschlaghammer auf Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibeung losgeht.

Der Text verdeutlichte die Absicht: ”Deutsche Opfermythen zerschlagen!” Ein weiteres Transparent zeigte den Kopf des Oberkommandierenden des Britischen Bomberkommandos und lautete ”No Tears for Krauts”. Der Mob skandierte: ”Deutsche Täter sind keine Opfer!”

In beispiellosem Zynismus werden von diesen Linksextremisten alle Deutschen, die ihnen nicht in den Kram passen, zu Tätern gestempelt, die zu recht Schaden nahmen: die Opfer des Widerstands vom 20. Juli: Täter, die Opfer des Bombenkrieges: Täter, die Opfer von Flucht und Vertreibung: Täter, die Opfer der Not und Verzweiflung nach Kriegsende: Täter!

Linker Opfermythos

Diesem linken Opfermythos von öffentlicher Seite unwidersprochen blieb, stellen wir uns entgegen! Sicherlich ist es schwer zu trennen zwischen denen, die Schuld auf sich geladen haben, die aktiv das national-sozialistische System stützten und den Mitläufern, die Schuld durch mangelnden Widerspruch auf sich luden und denen, die mit aller Skepsis und Unbehagen sich von dem alles vereinnahmenden NS-Staat fern zu halten suchten. Im Zusammenbruch des NS-Staates waren sie alle letztendlich Verlierer, die allermeisten aber sicherlich Opfer.

Und wenn heutzutage jemand mit dem Wort ”Tätervolk” über Schuld oder Unschuld schwadroniert, dann halten wir ihm entgegen: Schuld ist immer individuell und verlangt individuelle Sühne.

Ebenso verlangt die Frage, ob jemand Opfer ist, stets eine individuelle Wertung. Wenn aber die Urteile über die Schuldigen gefällt sind, die Sühne und die Wiedergutmachung erfolgt ist, dann ist es im Sinne des christlichen Geistes an der Zeit zu vergeben.

Nicht nur, daß spätestens zu diesem Zeitpunkt die Selektierung nach Opfern erster oder zweiter Klasse oder gar die Wertung von Opfern als Täter keinen Sinn macht. Nein, vielmehr: wer hier überhaupt sortieren will, dem fehlt ein gewaltiges Stück Menschlichkeit.

Wenn wir heute ALLER Opfer des National-Sozialismus gedenken, so tun wir das, um einseitigen Wertungen entgegen zu treten.

Wir verneigen uns vor den Opfern.
Vor allen.
DAS ist es, was wir ihnen schuldig sind.

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