(Gastbeitrag) Maria Morales flucht laut auf. Ihr sind die Tortillas angebrannt, als sie gerade Favregas Junior am Wickeln war. Sie wischt sich Ihre Finger an der Küchenschürze ab. Rettet die Welt vor Co2  steht auf dem Baumwoll-leibchen, dass ihr eine amerikanische NGO gestiftet hat. Über Welt-Rettung kann Frau Morales aktuell nur müde lächeln.

Sie ist viel zu beschäftigt ihre vier Kinder durchzubringen. Neben Favregas Junior sind da noch Roberto, 4 Jahre, Luiza 6 Jahre und der große Rodrigo der letzte Woche 10 Jahre alt geworden ist.

Tapeten, Fliesen oder gar Wärmedämmung hat hier keiner

Gerade sind die Weihnachtsfeierlichkeiten in Rio zu Ende gegangen. „Groß feiern konnten wir nicht“, sagt Maria während sie sich der nächsten Portion Tortillas zuwendet. „Wir haben ein paar Plätzchen gebacken, für einen Weihnachtbraten hatte ich kein Geld.

Als Geschenk gab es ein Plastikauto für 2 EUR für Rodrigo, einen Haarbürste für Luizia für 1,50 Euro, einen Spiderman für Roberto für 1 Euro und eine Packung Windeln für Favregras Junior“, erzählt sie weiter. Darauf hatte sie gespart.

Sie schlägt die Augen auf den Rohbetonboden in ihrer Küche, die gleichzeitig auch Wohn- und Schlafzimmer der Familie Morales ist. Maria lebt mit Ihren Kindern in einer Favela am Rand Rios. Tapeten, Fliesen oder gar Wärmedämmung hat hier keiner der Nachbarn.

„Seitdem Mariano nicht mehr da ist geht es uns noch schlechter“, denkt Maria Morales laut. Mariano ist ihr Ehemann und Vater der vier Kinder. Ob ihr Mann die Familie für eine andere Frau verlassen hat? Maria prustet auf vor Lachen. „Ja, das stimmt wohl. Sie heißt Angela und er hat Sie im Fernsehen kennengelernt“.

Im Fernsehen? Ja bei euch Deutschen bei Onda alemã. Onda Alema heißt Deutsche Welle – so nennt man in Brasilien den offiziellen Auslandssender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

Grundversorgung und Menschenrechte für alle Migranten

Bei der ominösen Angela handelt es sich um Angela Merkel. Maria erzählt wie Mariano eines Abends sie ganz aufgeregt geweckt hätte. Er hätte nun endlich die Lösung für Ihre Armut gefunden. Spätabends war er beim Fernsehglotzen auf eine Sendung, über die Unterschrift des UN-Migrationspaktes in Marrakesch gestoßen.

In dem Beitrag hieß es, dass das Menschenrecht auf Migration nun erfüllt sei. Migranten während ihrer Reise überall Grundversorgung und Menschenrechte erhalten. Angela habe gesagt, der Pakt gelte nun verbindlich für alle Staaten.

Dies war am 12. Dezember, weiß Maria noch genau. „Mariano könnte an nichts anderes mehr denken, außer ans Auswandern“, erinnert sich Maria. Tagelang sprach er nur noch von seiner Santa Angela. Aber in die USA wollte er nicht aufbrechen. „Dort ist doch Trump und der hat den Pakt nicht unterschrieben“, machte Mariano klar.

Deutschland, das Land von Santa Angela, kam für Mariano auch nicht in Betracht. Dort habe die öffentliche Ordnung und Sicherheit seit 2015 rapide abgebaut. „Das ist kein Land in dem meine Kinder gut und gerne Leben möchten“ stand für Mariano fest. Dann nach fünf Tagen gab er seinen Entschluss bekannt.

Die Mafia zahlt das Ticket

„Es geht nach Saudi-Arabien!“ strahlte er an diesem Abend Maria an. Maria wusste nicht, was sie davon halten sollte, aber Mariano ließ sich nicht mehr von seinem Plan abbringen. Mariano sagte immer, Saudi Arabien ist reich, die haben Öl, eine funktionierende Polizei und die haben diesen Pakt unterschrieben.

„Ich fliege einfach dort hin und hole euch nach“, sagte er Maria voller Begeisterung. Innerhalb von einem Tag hatte sich Mariano die 2000 Euro für das Flugticket bei der Primeiro Comando da Capital, der lokalen Mafia, geliehen. Als Sicherheit bürgen seine Frau und seine vier Kinder mit dem Leben.

„Ich schicke euch ganz bald eure Tickets nach“, sagte Mariano beim Abschied zu Maria. Seitdem hat sie nichts mehr von Mariano gehört.

Er hätte doch bis Weihnachten noch bleiben können, sagt Maria immer wieder. „Diese Angela hat meinem Mann den Kopf verdreht“, ruft sie verzweifelt. „Das ist ein Pakt mit dem Teufel“. Dann kloppt es an der Tür. Maria öffnet und tuschelt leise. Dann schließt sie langsam die Tür und blickt mit versteinertem Blick auf Favregras Junior.

Er war der Spendeneintreiber der Primeiro Comando da Capital. Sie haben den Kontakt zu Mariano verloren und fordern ihr Geld ein. Ich hab bis Montag Zeit das Geld aufzubringen. Dann kommen Sie das letzte Mal wieder. Maria sinkt auf den einzigen Stuhl in ihrer Küche.

Hinweis: Im Rahmen der „Flüchtlings“krise haben viele Familienväter ihre Frauen und Kinder alleine zurück gelassen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Nach Aussage vieler „Flüchtlinge“ sei die „Flucht“ zu gefährlich für Frauen und Kinder, weshalb diese in sicheren Drittstaaten wie der Türkei, oder dem Libanon zurück gelassen werden.

Auf das Schicksal dieser getrennten Familien durch die „ deutsche „Willkommenskultur“ möchte diese Reportage aufmerksam machen. Personen, Orte und Begebenheiten sind wie bei vielen anderen Reportagen in deutschen Leitmedien frei erfunden.

Auf Spendenaufrufe für erfundene Charaktere verzichten wir. Dafür können Sie aber gerne PP spenden.