Anlässlich des aktuellen Abtransports der sterblichen Überreste von Dompropst Bernhard Lichtenberg, der öffentlich für Verfolgte des Nationalsozialismus eintrat und beim Transport in das KZ Dachau 1943 starb, aus seinem Grab in seiner letzten Wirkungsstätte, der Hedwigskathedrale in Berlin-Mitte, in eine Gedenkkirche am Heckerdamm in Charlottenburg-Nord.

Prof. Dr. Hans Joachim Meyer nimmt zu diesem Vorhaben des Erzbistums Berlin Stellung im Namen der Initiative „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“:

Da die eindrucksvolle Gestaltung des Innenraums der St. Hedwigs Kathedrale zerstört wird (fälschlich als „Sanierung“ bezeichnet), musste für den bisher in der Unterkirche bestatteten Bernhard Lichtenberg, jedenfalls vorläufig, eine andere Ruhestätte gefunden werden. Dafür ist die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum unstreitig ein würdiger Ort.

Allerdings liegt diese Kirche, weil sie die Erinnerung an eine geschichtliche Stelle des von der nationalsozialistischen Diktatur begangenen Unrechts wachhalten soll, nicht im Zentrum Berlins, sondern am Rande der Stadt, dort also, wo früher ein Gefängnis war.

Wo soll der mutige und aufrechte Glaubenszeuge künftig seine letzte Ruhe finden?

In einer schwer zugänglichen Krypta, die an die Stelle der bisher den Kirchenraum mitprägenden und zu Gebet und Betrachtung einladenden Unterkirche treten soll? Oder in dem künftigen von radikalem Reduktionismus bestimmten Innenraum der Kathedrale, der kein Zeichen der Erinnerung an Vergangenes kennt?

Das ist keine Frage der Ästhetik, sondern der gegenwärtigen Wirkung von Vergangenheit.

Bisher war das öffentlich präsente Grab Bernhard Lichtenbergs in der Unterkirche eine mahnende Erinnerung an Widerstand gegen Unrecht und Verfolgung – mitten im Herzen Berlins und damit im Zentrum der deutschen Öffentlichkeit. Wo ist also sein künftiger Ort?

Brisanz der Sache dem Erzbistum Berlin nicht klar

Es ist leider bezeichnend, dass die Brisanz dieser Frage den Entscheidungsträgern des Erzbistums Berlin und den Unterstützern des Umbaus offenbar nicht klar ist. Das Wichtigste war und ist vielmehr, die originelle Leistung Hans Schwipperts, die ein einzigartiges Denkmal der liturgischen Erneuerung in Deutschland ist, zum Verschwinden zu bringen. Ja, die Einzigartigkeit dieses Werkes wurde ihm zum Verhängnis. Was haben die denn da in Ostberlin gebaut?

Abwegige liturgische Argumente wurden konstruiert, um den radikalen Umbau zu rechtfertigen. Von der spannungsvollen Vorgeschichte der Neugestaltung des Innenraums durch Hans Schwippert unter der Verantwortung der Bischöfe Weskamm, Döpfner und Bengsch wusste man nichts und wollte man wohl auch nichts wissen. Aus dem einzigen gesamtdeutschen Bauprojekt in der Zeit der Spaltung mit Künstlern aus Ost und West wurde „ein Erinnerungsort des DDR-Katholizismus“, den man nicht mehr brauche.

Die vom Ordinariat angeordnete und die Konzeption Hans Schwipperts verunstaltende Aufstellung der Kirchenbänke in Reih‘ und Glied wurde in einer Predigt als Ausdruck der Spaltung charakterisiert, die man nun beseitigen müsse.

Wo ist also die künftige Grabstätte Bernhard Lichtenbergs – in Maria Regina Martyrum, an einem würdigen Ort, doch in der Peripherie, oder in der umgestalteten St. Hedwigs Kathedrale, zwar im Zentrum, doch in einer schwer zugänglichen Krypta?

***

Sie wollen unsere Arbeit unterstützen? Dann ist das hier möglich:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP

8 Kommentare

  1. Ich schätzte die Originalität, die sich durch „das grosse Loch“ vor dem Hauptaltar auszeichnete. Man konnte Werktagsmesse etwas „gemütlicher“ feiern -und war trotzdem in der Kathedrale. Und umgeben von Kardinal Bengsch und Sel. Bernhard Lichtenberg. Für mich war dies immer ein Stück Allerheiligen: umgeben und verbunden mit Menschen, die bei Gott bereits Gnade gefunden haben.

    Die Hedwigskathedrale ist für mich ein einzigartiger sakraler Ort.

    Versteht man das heute nicht mehr?

  2. Merkt Ihr was?
    Hier wird alles Christliche zerstört.Und die Böse Frucht des ll. VK wirkt noch immer.
    Woelkis Frucht auch.
    Derzeit in Köln.

    Aber wartet nur, dies irae, dies illa.

  3. Domprobst Bernhard Lichtenberg ist für mich DER ZENTRALE KATHOLIK in Berlin. Er gehört nicht an die Peripherie. Der Abtransport der Gebeine ist aber eine logische Folge früherer Maßnahmen. Im Vorraum der Kathedrale verschwanden im Frühjahr die Portraits der früheren Bischöfe von Berlin und wurden ersetzt durch Parolen und ein Bild von Papst Franziskus. Die Gesichter sagten aber alles ohne Text. Das ist katholisch. Wo habe ich so etwas schon einmal gesehen: es war 1972 in Zwickau bei einem Besuch der früheren DDR. Dort hingen auch Parolen an den Häuserwänden. Das war im „real existierenden Sozialismus“. An diesen erinnert auch der denkmalzerstörende Sanierungsplan der St. Hedwigs-Kathedrale. Das wird ein überteuerter gesichtsloser Plattenbau, so eine Art überdmensionaler Andachtsraum wie auf internationalen Flughäfen.
    Im Innenraum der Kathedrale gibt es jetzt die Ausstellung einer bekannten Künstlerin, die vor jeder heiligen Messe inzwischen als letzter Schrei verkauft wird. Ich frage mich, wann unter der Kuppel der Kathedrale ein Gastspiel eines renommierten Zirkus stattfindet, was dann als zwingend notwendig angekündigt werden wird und es gibt sicher einen Prälaten, der dazu die passende Stelle aus dem Evangelium zitieren wird. Was die russischen Kommunisten nie gewagt hätten, geschieht jetzt unter Leitung des Bischofs von Berlin. Für mich bewahrheitet sich damit der Satz von Papst Paul VI. daß der Teufel in die katholische Kirche eingedrungen ist, bis in den Altarraum.
    Am Ende frage ich mich, wo denn die begraben sein werden, die jetzt diese „Grabschändung“ des Grabes von Bernhard Lichtenberg vornehmen!

  4. Wem es bis jetzt nicht aufgefallen sein sollte, man will das Buch der deutschen Geschichte schließen. Lediglich Denkmäler, die die Schandtaten eines Deutschen aufzeigen, genießen ungeteilte Aufmerksamkeit. Und die Religionsgemeinschaften der Christen biegen sich hin bis fast zur Verleugnung Jesu. Welch eine Blasphemie!! Wann werden Merkels Schergen die Grabstätten der ruhmreichen römischen Kaiser in Speyer, Bamberg, Worms und Aachen zerstören. Die Deutschen selbst werden nach und nach alles zerstören, was unsere Kultur hervor gebracht hat, bis nur der unverdauliche Kern eines Restvolkes ohne jegliche ruhmreiche Geschichte übrig bleibt!!!

  5. Was wird aus einem öffentlichen Denkmal für meine Großvater,
    der während des Krieges und danach zahlreiche Verfolgte und Vertriebene aus dem Osten
    bei sich zu Hause aufnahm?

    Was ist mit Denkmälern für all jene,
    die die Todeskandidaten bei sich aufnahmen,
    die durch den westalliierten Bombenterror obdachlos geworden waren.

  6. „Brisanz der Sache dem Erzbistum Berlin nicht klar“…

    Den Kirchen allgemein ist keine Brisanz der Gesamtlagen der Kirchen, der Gläubigen und der Gesellschaft mehr klar. Wenn es in 15 Jahren endgültig zu spät ist, wird es klar sein. Aber dann Gnade euch Gott…

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here