(David Berger) Vor hundert Jahren erschien der erste Band von Oswald Spenglers Werk „Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“. Wie sinnvoll ist die gerade von Konservativen derzeit angestrebte Wiederentdeckung des Denkens Spenglers?

Spenglers „Untergang des Abendlandes“ war nicht nur das meist gelesene Sachbuch der Weimarer Republik, es kann auch als das kulturphilosophische Werk des 20. Jahrhunderts schlechthin gelten. Und das nicht nur, weil Spengler darin zum ersten mal den Versuch wagt, Geschichte vorherzusagen.

Unsere Kultur hat keine Ewigkeitsgarantie

Viel wichtiger war das, was bereits im Titel angesprochen wird: Schonungslos machte Spengler den Menschen – im Widerspruch zu Hegel – klar, was sie bereits diffus ahnten. Nämlich dass Geschichte nie ein kontinuierlicher und geradezu notwendiger Fortschritt der Menschheitsgeschichte ist. Sondern dass unsere Kultur auch untergehen kann.

Diese wenn auch später von Spengler in den Diskussionen über den Titel seines Buches leicht gemilderte Einsicht ist es, die vor allem den bleibenden Wert dieses Werks ausmacht. Und dessen Aktualität:

Angesichts der Islamisierung ist die Einsicht, dass Europa, dass unsere Kultur, wie wir sie kannten und liebten, kurz vor ihrem Untergang steht, den Menschen zunehmend präsenter als vor hundert Jahren. Grundidee und Titel des Buches können so heutzutage nach wie vor als Analysemodell gegenwärtiger Entwicklungen sowie als dringender Mahnruf fungieren.

Preußentum und Sozialismus

Auch und gerade, wenn wir dabei die Begrenztheit der Thesen Spenglers aus unserer heutigen Sicht im Auge behalten. Und da denke ich gar nicht so sehr an sehr zeitgebundene und dann doch reichlich naiven Aussagen, wie sie vor allem in seiner Schrift „Preußentum und Sozialismus“ getroffen werden und die letztendlich sogar als Rechtfertigung des Systems Merkel herhalten würden (sozialistischer Cäsarismus).

Nein, es geht vor allem um die Spenglersche Idee, dass alle Kulturen untereinander gleichwertig und gleichberechtigt sein sollen. Das Abendland hat keinen Wert in sich: Sein Absterben werde eben durch etwas anderes ersetzt, das sei der ganz normale Weg der Geschichte.

Im Denksystem Spenglers ist diese These nicht weiter folgenreich, da es nach seiner Ansicht seltsamerweise ohnehin zwischen verschiedenen Kulturen keinen Austausch und keine gegenseitige Bereicherung geben kann.

Genau diese kulturrelativistische Haltung war aber die Grundhaltung, auf deren Basis die Multikulti-Ideologie mehr oder oft weniger bewusst ihr fatales Treiben durchzog. Und die so zum Auslöser für den Untergang unserer eigenen westlichen Kultur wurde, der bereits weit fortgeschritten ist.

Einer der Väter des Kulturrelativismus

Gunnar Kaiser stellt richtig fest: „Wenn man in seiner eigenen Kultur nicht mehr das Absolute sehen kann, wenn man seine Werte nicht für universell hält, dann kann man sie natürlich nicht mehr mit voller Überzeugung und ganzer Kraft vertreten.“

Ja man kann sie – wie Alexander Meschnig überzeugend nachgewiesen hat – nicht einmal mehr wehrhaft gegen ihre Zerstörer verteidigen, geschweige denn dort durchsetzen, wo sie – um die Würde des Menschen zu verteidigen – dringend benötigt werden.

Es scheint, als habe Spengler in seinen „Untergang des Abendlandes“ tragischerweise selbst den Sprengstoff eingebaut, der seine Vorhersage von der zerstörenden Sprengung unserer abendländischen Kultur Realität werden lassen kann.

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