Die heutige Bayernwahl wurde von vielen Seiten zur Schicksalswahl für Deutschland bezeichnet.

Auf der einen Seite versuchte die AfD ihren Wähler den Wahlgang mittels einer Betonung der bundesdeutschen Bedeutung schmackhaft zu machen oder gar die Möglichkeit eines Dominoeffekts samt Sturzes von Angela Merkel an die Wand zu malen.

Auf der anderen Seite schrieben sich die Schreiberlinge von der Welt bis zur Süddeutsche Zeitung die Finger wund, bei dem Versuch die Grünen als die neue bürgerliche Volkspartei darzustellen. Während ständig vor einem „Rechtsruck“ in Deutschland gewarnt wird, wurde gleichzeitig mehr oder weniger wohlwollend von massiven Wählerwanderungen der CSU zu den Grünen berichtet. Der Subtext ist nicht schwer zu verstehen.

Grün wählen als Protest gegen die CSU ist „gut“. AfD wählen als Protest gegen die CSU ist „böse“.

Steht also Bayern vor einem Linksruck?

Mit Schließung der Wahllokale heute um 18 Uhr und dem Beginn der Veröffentlichungen von Prognosen und Hochrechnung zählen dann wieder die reinen Fakten. Dabei sollte man nicht auf Politiker und Linksjournalisten hören, sondern die Wahlergebnisse nüchtern analysieren.

Hilfreich dabei ist der Vergleich mit bisherigen Wahlergebnissen.

2013 bei der letzten Landtagswahl in Bayern kamen SPD, Grüne und Linkspartei zusammen auf  31,3 % der gültigen Stimmen. (SPD = 20,6; Grüne 8,6; Linkspartei (ehemals SED) 2,1%). Die Nachfolgepartei der SED verpasste dabei den Einzug in den Landtag.

Bei der Bundestagswahl 2017 erreichten die Rot-Rot-Grünen Parteien auf Landesebene in Bayern bei den Zweitstimmen zusammen 31,2 % (SPD 15,3; Grüne 9,8; Linkspartei (ehemals SED) 6,1). Bei zum Teil erheblichen Verschiebungen innerhalb des Links- bis Linksextremen Lagers sind die Gesamtwerte von Rot-Rot-Grün erstaunlich ähnlich.

Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn wir weitere Wahlergebnisse zusammenrechnen. So hatte ein fiktives Rot-Rot-Grünes Bündnis in Bayern bei der Bundestagswahl 2013 (32,2), bei der Bundestagswahl 2009 34,1 sowie bei der Landtagswahl 2008 32,4 Prozent der gültigen Stimmen (Alle Daten von Bundeswahlleiter.de sowie eigenen Berechnungen).

Links von FDP und CS stabiles linkes Mobilisierungsvnoveau von ca. 34 Prozent

Links von FDP und CSU gibt es in Bayern also ein sehr stabiles Mobilisierungsniveau von 31% bei landesweiten Wahlen, das in der Spitze auf knapp über 34 % anwachsen kann.

Dabei kann es selbstverständlich zu starken Wählerwanderungen zwischen Parteien und Politischen Lagern kommen. Die obigen Zahlen geben keine Auskunft darüber, wer diese Parteien gewählt hat, sondern nur das jemand sie gewählt hat. Falls es Wanderungsbewegungen gab, haben diese sich bisher immer mehr oder weniger ausgeglichen.

Wenn wir die obigen Rechnungen eines fiktiven Rot-Rot-Grünen Bündnisses auf die letzten Prognosen und Umfrage-Ergebnisse verschiedener Umfrageinstitute übertragen, erhalten wir folgendes Ergebnis:

  • GMS (27.09.2018; Wahlrecht.de): SPD 13%; Grüne  16%; Linkspartei 4% = 33%
  • Infratest Dimap (04.10.2018; Wahlrecht.de): SPD 11%; Grüne  18%; Linkspartei 4,5% = 33,54
  • INSA (09.10.2018; Wahlrecht.de): SPD 10%; Grüne  18%; Linkspartei 4,5% = 32,5
  • FG Wahlen (11.10.2018; Wahlrecht.de): SPD 12%; Grüne  19%; Linkspartei 4% = 35%

Drei von vier Umfragen Institute sehen kein fiktives regierungsfähiges rot-rot-grünes Bündnis trotz eines gigantischen Höhenflugs der Grünen und massiver medialer Aufmerksamkeit im bisherigen Korridor bei Bayern-weiten Wahlen der letzten 10 Jahre.

Das sehr zuverlässige Institut INSA prognostiziert keinerlei signifikante Veränderungen zu bisherigen Wahlergebnissen. Einzig die FG Wahlen sieht einen signifikanten Anstieg über das bisherige Mobilisierungspotential voraus.

Daraus können wir für heute Abend folgendes festhalten:

  • Die Grünen könnten durchaus zweitstärkste Kraft mit 17, 18 oder 19% werden, ohne dass in Bayern automatisch von einem Linksruck gesprochen werden sollte
  • Von einem Linksruck sollten nur dann objektiv gesprochen werden, falls das fiktive Linke Lager deutlich über 33% erhält, sagen wir 35, 36% oder mehr? Falls nicht ist der viel beschriebene Linksruck bei CSU Wählern eine Phantasie der Medien oder er wird durch gegenläufige Wählerwanderungen (z.B. von der SPD zur AfD) die keinen Eingang in die Berichterstattung finden, ausgeglichen
  • Falls es nicht zu einem Linksruck kommt, ist dies ein Armutszeugnis für die Süddeutsche Zeitung, die Welt und den Öffentlich-Rechtlichen Staatsfunk. Trotz enormer medialer Aufmerksamkeit, Angstmache und Naziphobie ist es nicht zu einer Netto-Wählerwanderung nach Links gekommen.

Daher mein Tipp für heute Abend. Ruhig Blut! Erschrecken sie nicht gleich bei einem hohen grünen Balken. Wahrscheinlich sind in erster Linie ehemalige SPD-Wähler zu den Grünen gewechselt. Rechnen Sie SPD, Grüne und Linkspartei zusammen und schlussfolgern Sie selber!

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