In der Tageszeitung „Kurier“ lautete jüngst die Headline: „Die Twitterfalle“.  Im  zugehörigen Leitartikel empfahl der Autor allen Ernstes den Politikern, nicht mehr zu twittern – und gab am Schluss seines Textes seinen Twitteraccount an. Ein Gastbeitrag von Marcus Franz

Anlass für dieses Medien-Thema war der Twitter-Unfall eines Politikers: Der nunmehr fraktionslose österreichische Nationalratsabgeordnete Efgani Dönmez ist vorläufig das letzte Opfer in einer Reihe von politisch tätigen Leuten, denen der zu lockere und zu authentische persönliche Umgang mit den SocialMedia zu einem medial hochstilisierten und im politkorrekten Empörium breitgetretenen „Verhängnis“ wurde.

Dönmez hatte in einem Tweet am 1.9. auf die Frage, warum die in heiklen politischen Themen (wie dem Islamismus) recht zweifelhaft agierende deutsche Staatssekretärin Chebli so eine Karriere gemacht hat, flapsig geantwortet: „Schau dir mal ihre Knie an, vielleicht findest du da die Antwort 😉 “

Zack, wumm, aus

Mehr hat er nicht gebraucht. Der feministisch und linksindoktrinierte digitale Lynchmob ist furios über ihn hergefallen und hat ihn mit Schaum vor dem Mund des Sexismus und der Frauenverachtung geziehen, weil der empfohlene Blick auf die Knie der Staatssekretärin als Hinweis darauf verstanden wurde, dass Frau Chebli durch bestimmte und delikate orale Handlungen ihren Posten erworben hätte. Dönmez hat sich zwar entschuldigt und stets beteuert, dass er seinen Tweet nicht sexistisch gemeint hätte, sondern dass er damit einfach auf die devote Haltung der Politikerin gegenüber verschiedenen, eher fundamental agierenden Muslimverbänden anspielen wollte – allein, es war zu spät, der Vernichtungsfeldzug war begonnen, die geifergefüllten Sprengköpfe waren abgefeuert und die Sache musste zu Ende geführt werden. Zwei Tage später schloss man ihn aus dem Parlamentsklub der ÖVP aus.

Welche Politiker wollen wir?

Für die Medien sind solche Ereignisse natürlich ein gefundenes Fressen, sie gieren förmlich danach und sie fühlen sich im Shitstorm, der durch einen sexuell konnotierten Sager ausgelöst wird, am allerwohlsten. Sex sells, auch und vor allem in der Politik. Gleichzeitig betont man aber lauthals, wie wichtig die Moral ist und dass gerade für Politiker die höchsten Moralansprüche zu gelten haben. Ein männlicher Politiker sollte heute am besten ein asexuelles sprechpuppenartiges Wesen sein, das zwar fesch sein muss, aber stets sachlich, freundlich lächelnd, überkorrekt und mit gedrechselten Phrasen ausgestattet ist. Also im besten Fall glatt wie ein Aal und geschmeidig wie ein Fischotter. Oder etwa doch nicht?

Dieselben Medienleute, die ständig schulmeisternd den idealen Politiker einfordern und auf jeden hindreschen, der irgendwo einmal etwas Provokantes von sich gibt, jammern im selben Atemzug darüber, wie elend es mit der permanenten Message-Control sei und wie unergiebig Interviews mit rhetorisch perfekt trainierten Politikern wären, denen man keine klare Aussagen entlocken kann, weil sie vor lauter Stehsätzen und Überschriften oft selber gar nicht mehr wissen, wie ihre politischen Inhalte aussehen.

Was jetzt?

Na was denn nun, liebe Reporter? Wie hätten wir`s denn gern? Seien wir ehrlich: Wollen wir nicht alle miteinander politisch Tätige, die aus unserer Mitte und aus dem realen Leben kommen und die auch mal was „Falsches“, Aneckendes oder politisch Inkorrektes sagen dürfen? Glaubt ihr nicht, dass der authentische Mann, der auf Twitter oder Facebook hin und wieder auch eine Zote abgibt oder einen „Schmäh“ platziert, derjenige ist, den die Bürger lieber haben als die lackierten Polit-Automaten, die nur eingelernte Berater-Phrasen wiedergeben?

Über was schreibt ihr dann?

Und im Übrigen frage ich Euch: Über was oder wen würdet Ihr Euch denn in Euren Medien mokieren, wenn die Politiker nun alle aus lauter Angst vor dem Shitstorm ihr Handy und ihr Tablet weglegen und nur mehr das sagen, was die dauerempörte Medien-Meute samt den linkstotalitären Meinungsträgern gerade noch politisch erlauben wollen? Merkt ihr nicht, wie abgrundtief unsinnig es ist, Politikern eine Twitter- bzw. SM-Karenz zu empfehlen? Der Verdacht liegt nahe: Ihr verbalisiert nur die Angst der institutionalisierten Medien, irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen zu werden, weil ohnehin alles über Twitter, Facebook und Whatsapp kommuniziert wird…

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors The Daily Franz