(David Berger) Es ist Sommerloch im Journalismus und weil unsere Qualitätsjournalisten auch da nicht einfach Fakten bieten wollen, sondern pädagogisch Wertvolles für die Anstalt betreuten Denkens, die die BRD geworden ist, finden Flüchtlinge nun wieder Geld. Diesen Sommer vor allem DM-Scheine.

Nachdem 2015/16 bereits mehrer Millionen Euros und ein ganze Goldschatz von Syreren gefunden wurde, ist jetzt die DM dran – vermutlich auch um der AfD, die ja bekanntlich hart gegen den Euro und für die DM kämpfte, ein Schnippchen zu schlagen. A la: „Jetzt kommst ganz dicke für euch – selbst um eure mark müssen sich jetzt schon Ausländer kümmern!“

14.000 Deutsche Mark in Bettzeug gefunden

Die „Hannoversche Allgemeine“ berichtete gestern Abend kurz vor Redaktionsschluss: „Eine Familie aus Syrien hat in Holzminden 14.000 Mark in altem Bettzeug entdeckt und sie zur Polizei gebracht. Noch nicht einmal einen Finderlohn hat sie bisher bekommen.“

Dabei ist diese Geschichte eigentlich schon etwas vom Vorvortag Aufgewärmtes, denn der Fund soll sich schon vor mehr als einem Jahr ereignet haben: „Vergangenes Jahr im Mai kaufte die Familie Hajji von der Holzmindener Tafel, die Bedürftige versorgt, Bettwäsche. Für zwei Euro. Beim Auspacken der Wäsche entdeckte Muhammeds Mutter einen Briefumschlag, darin 14 Geldscheine. Auf ihnen waren Abbildungen von Männern. Es muss sich um die Gebrüder Grimm gehandelt haben, denn die schmückten vor Jahren einen Schein, den auch Bundesbürger damals höchst selten zu Gesicht bekamen – den 1000-Mark-Schein. Die Familie, die 2015 aus dem zerbombten und zerschossenen Aleppo nach Deutschland gekommen war, überlegte, was jetzt zu tun sei.“

Journalistisches Genre offenbart tief sitzende Ausländerfeindlichkeit bei Journalisten

Und obwohl sie das Geld sehr gut hätten gebrauchen können, gingen sie zur Polizei und gaben es pflichtgemäß ab. Was in der Redaktion der „Hannoverschen Allgemeinen“ noch immer grenzenloses Erstaunen auszulösen scheint.

Dies Reaktion unserer schreibenden Volkspädagogen ist freilich wiederum nur erklärbar, wenn man vorher angenommen hatte, dass Ausländer per se sehr unehrlich sind und es eigentlich ausgeschlossen ist, dass sie Fundsachen auch abgeben. Wäre das etwas Normales, müsste man ja nicht so ausführlich darüber berichten.

Hier zeigt sich auch die Crux dieses journalistischen Genres, das seit 2015 eine vorher nicht gekannte Hochkonjunktur feiert: Gut gemeint und eifrig – nicht selten die Grenzen hin zur unfreiwilligen Satire überschreitend – gepflegt – Aber die ganze Logik dieser Geschichten durchzieht eine tief sitzende Xenophobie.

Update 27.07.18, 8h: Und der „Kölner Stadtanzeiger“ zieht sofort nach mit einem wunderbaren Geldbörsenfund: Mutter eine syrischen Großfamilie findet Geldbörse

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