(David Berger) Angesichts eines einfachen, mit einer Hassparole beschmierten Geldscheins sehen sich die Fakenewsjäger von Mimikama überfordert. Aber nur, weil ihnen zuvor eine juristische Überprüfung ihrer eigenen Aussagen angedroht wurde: So schnell können Jäger selbst zu Gejagten werden …

Am 22. Juni tauchte in den sozialen Netzwerken das Foto eines beschriftenen 50-Euro-Geldscheins auf. Auf ihm war die etwas unbeholfene, jedoch leider mit ernstem Hintergrund ausgestattete Botschaft zu lesen:

„All scheise – deutsh Frau Fiken dan ToT mahen“

Laut der AfD-Abgeordneten Christina Baum, die das Foto des Geldscheins ebenfalls bei Facebook postete, soll den Geldschein eine junge Frau aus einem Geldautoamten in Bad Mergentheim (andere Quellen: Kitzingen) erhalten haben. Laut „Kandel ist überall“ soll Frau Baum sogar im Besitz des Geldscheins sein.

Nun haben sich die Fakenewsjäger von mimikama.at der Sache angenommen. Wer nun von den Profis aus Österreich eine Antwort erwartet, ob es sich um ein Fake handelt oder nicht, der wird gleich anfangs enttäuscht:

„Da es im Vorfeld durch die Veröffentlichende bereits eine Androhung gab, juristisch gegen jegliche Titulierung dieses Geldscheines in Verbindung mit „Beleidigung, Verleumdung oder Verächtlichmachung” vorzugehen, werden wir diesen Schein definitiv NICHT als Fake bezeichnen. Wir werden lediglich einen wertungsfreien Faktencheck auf sachlicher Basis durchführen.“

… liest man auf der Internetseite der Fakenews-Profis. Nanu, sonst wissen unsere Fakenewsjäger über alles ganz genau und besser als alle übrigen Journalisten der Welt Bescheid. Und kaum droht eine juristische Überprüfung ihrer Überprüfung, knicken sie bereits vorab ein?

Großes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten scheinen die Mimikamer ja nicht zu haben.

Was dann im Faktenchek kommt, ist auch äußerst schwach: Es sei nicht nur ein 50-Euro- Geldschein mit dieser Beschriftung aufgetaucht, sondern Monate zuvor auch zwei 10-Euro-Scheine … (woraus die Netzaktivisten gar kein Geheimnis gemacht haben). Inwiefern das für oder gegen die „Echtheit“ (was wäre das in diesem Zusammenhang überhaupt?) sprechen könnte, bleibt rätselhaft.

Auch die stolz von Mimikama angeführte Zusicherung des „Social Media Teams der Sparkasse“, dass jeder Geldschein vor der Eingabe in den Geldautomaten geprüft werde, sagt nicht viel aus. Zumal im gleichen Atemzug von der Sparkasse betont wird, dass eine Beschriftung von Geldscheinen nicht illegal sei.

Bei so viel klugen Beweisen, die alle nahe legen sollen, dass die beschriftung von bösen Ausländerfeinde gefaket ist, fehlt eigentlich nur noch das Argument, dass die Reihenfolge der Untaten für Goldstücke, von denen die Beschriftung ja stammen soll, im Hinblick auf die Realität eher untypisch ist …

Aber das haben dann vermutlich sogar die Mimikamer gemerkt, dass das nach ihren eigenen Maßstäben wieder ein“rassistisches Argument“ wäre. Da hätte doch viel besser das Argument gepasst, dass die AfD – im Unterschied zu denen, die noch nicht so lange da sind – ja gegen den Euro ist und deshalb die wenigsten Hemmungen hat, solch einen Geldschein zu beschmieren …

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