Horst Seehofer und Markus Söder, die Doppelspitze der CSU haben zwei Probleme. Die Landtagswahl in Bayern und Kanzlerin Merkel. Eines dieser Probleme wäre schon schlimm genug, aber beide Probleme hängen zusammen und drohen in Kombination zur Katastrophe für die CSU zu werden.

Die CSU ist weit weg von einer absoluten Mehrheit. Von Februar bis April so aus, als ob die Übernahme des Amtes des Ministerpräsidenten durch Markus Söder ein Befreiungsschlag gewesen wäre. Söder war von Anfang an in einer Zwickmühle. Endlich am Ziel, nach vielen Jahren. Ein Sieg mit ein paar bösen Haken. Ilse Aigner, die durch Votum der Landtagsfraktion aus dem Rennen geworfene Chefin des stärksten Bezirksverbandes ist ein Problem Söders. Das viel größere Problem heißt Seehofer. Der Parteichef ist eingebunden in die Kabinettsdisziplin und verbindet dadurch sehr sichtbar die Münchner Staatskanzlei mit der Politik der Kanzlerin.
Söder startete sehr offensiv. Der FDP gab er vorsorglich eine Korb in Sachen Koalition, obwohl diese gar nicht angefragt hatte. Nach links zog er, im Gegensatz zur Kanzlerin, eine Grenze zu den Grünen. Und die AfD beschimpfe er als „unbairisch“. Was auf Deutschland angewandt blanker Rassismus und Nazisprache wäre, schien ihm passabel. Die CSU führte eine „brauner Schmutz“ Kampagne in Richtung der Blauen.

Die Umfragewerte stiegen von 40% im Januar über 42% im Februar und 43% im März bis zum vorläufigen Spitzenwert Anfang April mit 44,5%. Bis Juni war man wieder bei 41%.

Die Folge: eine absolute Mehrheit war deutlich außer Sicht geraten, Söders Angriffsstrategie mit der „braunen Socken“ Kampagne gescheitert. Linke mit rund 3% ohne große Chancen auf den Einzug und die Sonstigen bei rund 6% bedeuten, dass rund 45% nötig wären, um ohne Partner regieren zu können.
Was im März und April erreichbar schien, ist jetzt wieder weg, Selbst wenn die FDP scheitern würde, wäre die CSU vermutlich noch auf einen Partner angewiesen. Für Söder die erste Niederlage.

Also Koalitionsoption mit den Freien Wählern, verkürzt gesagt: einer Art CSU, von Bürgern, die bewusst einen Abstand zur CSU wollen, auch wenn die Inhalte ähnlich bürgerlich sind.

Inhalte scheinen aber derzeit keine große, tatsächliche Rolle zu spielen. Inhaltlich wären die meisten AfD Positionen für eingefleischte CSUler überhaupt kein Problem. Zu Zeiten von Strauß, also im Zeitalter des 60+X%, liess die offizielle CSU Programmatik die AfD wie einen Ableger der SPD aussehen, so weit „rechts“ von der AfD war die CSU und erzielte Traumergebnisse.

Es geht also um die Macht, nicht um Inhalte oder Verantwortung für das Land.

Und damit sind wir zurück bei der Frage, welche Optionen die CSU hat. Hält sie die derzeitigen 40%, dann kommt Söder mit einem blauen Auge davon. Ein Rezept um aus eigener Kraft Richtung 45%, Ziel Alleinregierung, zu kommen scheint nicht in Sicht.

Der GAU wäre jedoch wenn es noch weiter runter gehen würde. Die FDP auch noch ins Regierungsboot holen?

CSU bundesweit?

Als 1976 die CSU den Trennungsbeschluss verbunden mit der Drohung einer bundesweiten „4. Partei“ verkündete, strotzte sie vor Kraft.
Strauß, unangefochtener Alleinherrscher, bei der Bundestagswahl 1976 mit 60,0% ein Traumergebnis erzielt – die CSU auf dem Höhepunkt.

Heute hat die CSU eine Doppelspitze, die seit Jahren einen Guerillakrieg gegeneinander führt und eine bereitstehende Ilse Aigner, die einem Straucheln von Söder sicher nicht tatenlos zusehen würde. Die CSU um die 40%.
Selbst wenn sie sich trauen würde, sie könnte gar nicht.

Die Trennung der Fraktionsgemeinschaft wäre ein Signal, sicherlich ein Starkes, aber zum weiteren Schritt, der bundesweiten Ausdehnung, fehlt einfach die Kraft. 1976 wäre die CSU in vielen Bundesländern eine inhaltliche Alternative zu linken CDU Landesverbänden gewesen. Heute würde sie auf eine Partei stoßen, die diese alternativen Inhalte bereits vertritt. Und sie würde natürlich die Gründung eines CDU Landesverbands Bayern erleben. Was 1976 schon ein Hauptgrund war, Kreuth rückgängig zu machen. Damals hätte eine CDU Bayern mit ca. 20% den Verlust der absoluten Mehrheit bedeutet.

Heute würde es bedeuten, dass die meisten CSU Direktmandate für den Landtag in größter Gefahr wären. Und das sind häufig die Kreisverbandsvorsitzenden. Die Landtagsfraktion ist das Machtzentrum der CSU, nicht der Ableger im fernen Berlin. Sah man gut daran, wie die Entscheidung für Söder gegen Aigner fiel. Interessant finde ich, wie wenig Beachtung der Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer in der Presse findet. Ein Indiz dafür, wie schlecht man die innerparteilichen Machtverhältnisse kennt. München, nicht Berlin. Der Landtag, nicht der Bundestag bestimmen was die CSU tut. Und die Macht in München ist das Ziel, danach kommt lange nichts.

Und deshalb war klar, dass Seehofer blufft. Auch der Kanzlerin.
Denn ein Riesenkrach in Berlin ist das Letzte, was die CSU jetzt auch noch braucht.

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Friedrich P.
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Friedrich P.

Meine Güte, wenn man im Leben nur tun würde was man gedurft hätte. Entweder man hat Rückgrat oder nicht. Mach den Sarg zu oder gürte dich wie ein Mann.

L.E.M
Gast
L.E.M

Seehofer argumentiert und stellt Ultimaten. Setzt er das nicht durch wird er Unglaubwürdig.Schon 2016 hätte er gegen das Unrecht der gesetzlosen unkontrollierten Einwanderung klagen sollen vor dem Verfassungsgericht.Vielleicht hätte Merkel von dort einen Dämpfer bekommen und wäre zurückgetreten.Horst geh in die Schmiede zu Ruhla -das du gehärtet wirst.

Hans Schafranek
Gast
Hans Schafranek

Karl Valentin muss mit prophetischen Gaben gesegnet gewesen sein. Denn er hatte wohl schon vor 100 Jahren Seehofer vor seinem geistigen Auge, als er den wunderbaren Satz sprach: „Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut“.

Cassandra
Gast
Cassandra

Ich bin auch relativ sicher, das er schon ausgelotet hat, wer von der CDU noch wirklich hinter Merkel steht.Und das dürften nur die am Freßnapf sein,der Rest rennt mit fliegenden Fahnen ins gegnerische Lager.

Hasenfuss
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Hasenfuss

Und wenn Seehofer Ende des Monats UMFÄLLT, und die Grenzen bestenfalls „kosmetisch schließt“, ist das gut für die AfD, weil sie einen weiteren Beleg im Wahlkampf dafür hat, dass die CSU eine Bayern-Verarschungs-Partei ist, der nicht das Landes-und-Bürger-WOHL, sondern die MACHT am nächsten liegt.

Cassandra
Gast
Cassandra

Ich glaube schon, das Seehofer genau weiß was er macht. Der ist viel zu erfahren auch in der großen Politik, das er nicht kalkulieren würde, was passieren kann.Ist das alles nur die ganz große Show?Dann kann die CSU in Bayern abdanken

Cassandra
Gast
Cassandra

Ich meine, fernab aller Emotionen-sehen wir uns die Linie an:
Seehofer hat ermahnt-hat geblubbert-hat gedroht-hat das Gutachten in Auftrag gegeben-noch als Ministerpräsident.Er hat sie getrieben und die Verringerung der Zugangszahlen sind auch sein Verdienst.Heute als Innenminister-die Aufforderung, der Plan-den niemand kennt-und das Ultimatum.Er läßt Ihr 2 Möglichkeiten-mach oder gehe.

Cassandra
Gast
Cassandra

MMH. Es ei denn, sie haben die ganz große Revolte im Sinn.Stürzen sie Merkel und schaffen einen Politikwechsel hin zur Vernunft, dürften sie auch die wahl in Bayern haushoch gewinnen.Mehr als die Hälfte der gesamten Bürger wartet drauf.Die Frage wird nur sein, wie weit sind sie bereit zu gehen?

Familienname
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Berger dient dem System Merkel !!!

PeWi
Gast
PeWi

Die Merkel-CDU hätte in Bayern sicherlich wenig Chancen. Bayern wählen i.d.R. nicht links.

Ketzerlehrling
Gast
Ketzerlehrling

Der Drehhorst in seiner angestammten Rolle. Wie sieht dies alles das Wahlvieh in Bayern? Wir werden es in 4 Monaten erleben. Dieses Wahlkrampf-Schmierentheater wird nicht allen den Rest Verstand vernebeln und 40% wären, zumindest derzeit, für die CSU ein Erfolg. Aber nicht für die Wähler, nicht für Bayern, nicht für DE und letztlich nicht für Europa.

Hajo
Gast
Hajo

Er landet erneut als Bettvorleger, aber der Versuch der bayerischen Landtagswahlen war es wert und wenn es sein muß zieht man das ganze Prozedere noch 2 – 3 Monate hin um dann wieder ein williger Begleiter von Merkel zu sein, wenn sie nicht schon vorher stürzt, aus welchen Gründen auch immer.

Wolff Wieland
Gast
Wolff Wieland

Gut gedacht.Aber, die Schwäche der AfD ist ganz klar die Personalie. Und, irgend ein Typ, aus der mittleren Ebene, wird schon so einen ewigen Nazi-Kalauer ausspucken! das sich sehr viele der Leute die wegen der Linkslastigkeit der Merkel-CDU. die AfD wählten, dann liebe das Original wählen.
Und , ich bin ganz sicher dass die AfD viele Aktive BND Agenden „beherbergt“!

Tom - Patriot
Gast
Tom - Patriot

Wenn die CSU einknicken sollte, wären das 20%+ für die AfD in Bayern, aber auch Hessen etc. Die Menschen im Westen sind durch die Massen an Morde an ihren Töchtern erwacht. Die AfD holt nun zum Osten auf. Bei den Bundestagswahlen gab es schon Landkreise in Bayern, wie Deggendorf oder im Bayerischen Wald, wo die AfD ganz knapp vor 20% war. Jetzt können solche Landkreise auch über 20% erreichen.

Jan aus Köln
Gast
Jan aus Köln

Na philosphia schon davon gehoert?:

Sophie Lösche politikerin der SPD und Asylantenaktivistin in ganz Europa u. a. auf Lesbos, Tochter eines grünen Politikers, steigt in den LKW eines Marokkaners in Leipzig um nach Hause zu kommen und man findet ihre Leiche in Alicante samt Mörder aus Marokko.

Johann Hermann
Gast
Johann Hermann

UND Da vor KURZEM das Bufassu Gericht Alle gro Parteien der Sogenannten Bu Regie als ILLEGAL
Erklärt hat, u somit auch INDIREKT d der Länder, ist sowieso alles Geklärt.

frankenberger10
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Wir können uns nur bei Kanzler #Kurz und den Österreichern entschuldigen, dass der #BND #Österreich ausspioniert. Falls Kanzler Kurz dazu Infos hat, sollte er der deutschen Öffentlichkeit mitteilen, wer dahinter steckt, oder ob die Chausseestraße völlige Narrenfreiheit hat?