Die Diskussionen in der AfD rund um eine AfD-nahe Stiftung halten an und werden auf dem kommenden Parteitag ein wichtiges Thema sein. Noch immer gibt es einige AfDler, die am liebsten gar keine Stiftung hätten und dafür sogar in Kauf nehmen, dass das Geld, das für eine AfD-Stiftung aus Bundesmitteln bereitsteht, dann den anderen Stiftungen – etwas von Linkspartei, SPD und Grünen – z u s ä t z l i c h zur Verfügung gestellt wird.

Aber auch bei der Zustimmung zu einer parteinahen Stiftung stellt sich noch die Frage, welche der zu Verfügung stehenden Stiftungen es denn sein soll. Derzeit am besten aufgestellt zeigt sich die Desiderius- Ersamus-Stiftung.

Gründungsmitglied und Schriftführer der Desiderius-Erasmus-Stiftung e.V., Dr. Stefan Sellschopp, im Interview

Herr Dr. Sellschopp, Zwei Gründungs- und Vorstandsmitglieder der Stiftung kommen aus Schleswig-Holstein. Was war das Motiv, knappe und wertvolle Zeit auf ein solches Stiftungsprojekt zu verwenden?

Stefan Sellschopp: Schleswig-Holstein ist für die AfD nicht gerade ein leichtes Pflaster. Die Vorurteile sitzen tief, linksextremer Terror, der uns behindert, ist weit verbreitet. Und mit doppelter Anstrengung kommt man bei uns oft nur halb so weit, wie in anderen Bundesländern. Da denkt man natürlich darüber nach, ob es für eine alternative politische Wende nicht ergänzende Ansätze mit einer größeren Tiefenwirkung braucht. Deshalb war der Stiftungsgedanke und die Möglichkeiten, die er eröffnet, bei uns schon recht früh präsent.

Die Gründungsmitglieder wollten damit aber auch über den breiten Strom der Ideen eine verbindende und einigende Hand legen, die nicht führt, sondern vermittelnd, ausgleichend und zukunftsorientiert wirkt. Und daß dies unser Landesverband in seiner ganzen Breite -und zwar über alle Strömungen hinweg- so sieht, erkennen Sie daran, daß den aktuellen Antrag zur Anerkennung der Desiderius-Erasmus-Stiftung auf dem Augsburger Parteitag nicht nur viele Delegierte unterschrieben haben. Auch ganze Kreisvorstände haben sich dem Antrag bereits angeschlossen.

In ihrem Bundesland haben Sie ja neben der Bundesstiftung auch noch eine eigene von der Partei bereits anerkannte Landesstiftung, die „Desiderius-Erasmus-Stiftung Schleswig-Holstein e.V.“. Machen Sie sich damit nicht selbst Konkurrenz?

Stefan Sellschopp: Die Landesstiftung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit landesspezifischen Themen. Das ist keine Konkurrenz zur Bundesstiftung. Es ist im Gegenteil so, daß die Landesstiftung unsere Bundestiftung für gemeinsame Projekte dringend braucht. Denn Politische Stiftungen erhalten in Schleswig-Holstein nur geringfügige Fördermittel. Um also auf der eher lokalen Kreis- sowie Landesebene effektiv wirken zu können, bedarf es einer Bundesstiftung, die mit der Landesstiftung kooperiert.

Unsere Landesstiftung führt u.a. das Parteiarchiv und hat z.B. erst jüngst anlässlich einer Veranstaltung des Landesverbandes mit dem Bundessprecher Prof. Dr. Jörg Meuthen zahlreiche Exponate für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt. Das Archiv belegt die einmalige Erfolgsgeschichte der AfD-Wahlkämpfe der letzten fünf Jahre und (ganz aktueller Fall!) die langjährige Nutzung der Farbe „Blau“ durch die AfD. Ein Parteiarchiv führt dazu, daß erfolgreiche Wahlkampfideen wie das in 19 Folgen verfilmte Handpuppenspiel „Lucky und die Kanzelette“ nicht nur über „youtube“ der Nachwelt erhalten bleiben.

Worin sehen Sie den Nutzen einer parteinahen Stiftung für die AfD?

Stefan Sellschopp: Ich sehe allein schon in den Seminarangeboten einer solchen Stiftung einen dreifachen Nutzen. Es gibt erstens ein starkes Interesse der Bürger, sich über alternative Positionen aus erster Hand zu informieren. Darüber lassen sich Vorurteile, eingefahrene Meinungen und politische Denkblockaden auflösen. Es gibt zweitens bei denen, die bereits im Sinne einer alternativen Politik aktiv sind, ein großes Interesse an politischer Fort- und Weiterbildung. Denken Sie nur an die Kommunalpolitik. Und drittens haben solche Seminare gerade beim Aufeinandertreffen auseinanderstrebender Vorstellungswelten auch einen durchaus befriedenden Effekt. (Foto: Konstituierende Sitzung der Stiftung in Frankfurt/Main)

Daß man unter Klausurbedingungen zwangsläufig miteinander ins Gespräch kommt, wirkt auf die Teilnehmer insprierend, teambildend und konsensstiftend. Wir haben als Stiftung wiederholt festgestellt, daß Teilnehmer mit scheinbar unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten anreisten, und am Ende nach einem intensiven politischen Diskurs und Gedankenaustausch versöhnt und mit wechselseitigem Respekt nach Hause fuhren. Ist das für das Umfeld einer jungen und streitfreudigen Partei nicht schon ein unglaublicher Nutzen?

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