(David Berger) Wie bereits vor einigen Wochen auf PP angekündigt, findet morgen das „Fest der Linken“ auf dem Rosa-Luxemburg-Fest statt. Da die Linken in der letzten Zeit mehr als 80 Prozent ihrer Energie dafür verbraucht haben, dagegen zu sein (Gegendemos), will ein junger aus Brasilien stammender Berliner die Linke auch mal mit einer Gegendemo beglücken. Wir sprachen mit Marcelo.

Morgen findet endlich das „Sommerfest der Linken“ in Berlin auf dem Rosa-Luxemburg-Platz statt, auf dem so bekannte Künstler wie Stefanie Sargnagel, bekannt durch ihren Song „Der Genitalbereich schmeckt nach Pisse“, auftreten. Nun hört man aus informierten Kreisen, dass Du dort mit einigen anderen eine Gegendemo machen willst. Wie kommst Du dazu, da das doch alles jetzt vielleicht nicht geschmackvoll, aber politisch nicht gefährlich zu sein scheint? 

Die Idee zu der „Gegendemo“, die eigentlich eher eine Art Begleit- oder Aufklärungsveranstaltung für sich selbst als politisch „links“ Bezeichnende werden soll, kam aus der Erfahrung, die ich mit vielen „Gegendemonstrationen“ gegen Veranstaltungen der AfD gemacht habe: letztere mussten jedes mal massiv mit Polizeieinsätzen vor lautstarken, aggressiven, störerischen Protesten von mobartigen, hasserfüllten, auch zur Anwendung von gewaltbereiten politisch „linken“ Menschen geschützt werden, bei denen die Einschüchterung von Veranstaltungsteilnehmern und deren Bedrohung mit Gewalt das gängige Mittel der Auseinandersetzung war.

Diese Art des Umgangs mit vermeintlich oder tatsächlich Andersdenkenden ist meiner Meinung nach in einem zivilen, demokratischen Gemeinwesen im Jahre 2018 nicht hinnehmbar und so kam die Idee, mit der angemeldeten „Begleitveranstaltung“ den Festteilnehmern, von denen wohl nicht wenige sich an solchen geschilderten Gegendemonstrationen beteiligen, zu zeigen, dass die vermeintlichen Unmenschen, die in der Sicht vieler „Linker“ einfach nur Nazis, Rassisten und sonstiger „Abschaum“ sind, auch nur ganz normale Menschen sind mit ihren eigenen Gefühlen und Vorstellungen und die mitnichten pauschal als Nazis, Rassisten, Faschisten, Rechtsextreme und dergleichen diffamiert werden dürfen.

Dabei möchte ich ganz klar stellen, dass ich weder „links“ noch „rechts“ bin und auch diese traditionelle Einteilung und Spaltung der politisch Handelnden für fragwürdig und überkommen halte, da damit über die sachbezogene Auseinandersetzung über Themen die Pauschalabwertung des Gegenübers gestellt wird.

Statt Hass und stumpfes Dagegenhalten ist daher unser Angebot an alle Festteilnehmer: kommt her, redet mit uns, wir sind weder Nazis noch Rassisten noch sonstwas und wir lassen uns gerne auf einen argumentativen Austausch ein, der einzig und allein das Ziel hat, den besten Weg zu finden um ein möglichst gutes Zusammenleben aller Menschen in unserem schönen Land zu ermöglichen.

Welche Reaktionen erwartest Du? Antifa-ähnliche Gewalt? Reine Provokation ohne Reaktion? Lächerlichmachen? Oder gar sinnvolle Diskussionen?

Leider sind meine Erwartungen, dass unser Gesprächs- oder Friedensangebot angenommen wird, nicht sehr hoch. Die Gräben sind zu tief, die Feindbilder sitzen zu tief in den Köpfen.

Aber es wäre vielleicht ein Anfang. Und vielleicht nimmt ja der eine oder andere Festteilnehmer die Gelegenheit wahr, mit uns ins Gespräch zu kommen.

Von unserer Seite wird es mit Sicherheit keine Gewalt oder Provokationen geben, auch wenn wir dort auch standhaft für unsere eigene Meinung stehen werden. Wir wollen eine sachliche, argumentative Auseinandersetzung und hoffen, dass es auch von Seiten den Festteilnnehmer friedlich bleibt. Die Erfahrung lehrt aber, dass durchaus leider auch mit antifa-ähnlicher Gewalt gerechnet werden muss.

Nun ist auch der den Linken sicher sehr willkommene Eindruck entstanden, der „Volkslehrer“ sei der Initiator der Veranstaltung. Viele, die Deine Aktion gut finden, würde das erheblich stören. Kannst du kurz klarstellen, was Sache ist?

Ja, da ich den Video-Kanal des Volkslehrers relativ regelmäßig verfolge und somit seine Interessenschwerpunkte kenne, habe ich ihn per E-Mail auf die Veranstaltung hingewiesen und erwähnt, dass aufgrund der Kürze der Zeit mit nur sehr wenigen Teilnehmern zu rechnen ist. Diese Idee hat ihm wohl so gut gefallen, dass er sofort ein Mobilisierungsvideo dazu gemacht hat, was allerdings nicht wirklich abgesprochen war. Aber das ist ok, denn er macht darin deutlich, dass es sich um eine Veranstaltung von mir handelt, deren Idee er lediglich unterstützt. Mein Ziel ist es jedenfalls, dass der Dialog zwischen den gesellschaftlichen Gruppen gefördert und das Misstrauen abgebaut wird. Meiner Meinung nach sollten wir alle an einem Strang ziehen.

Wer kann morgen dazukommen? Wann und wo trefft ihr euch?

Jeder, der für ein friedliches und möglichst menschliches und demokratisches Miteinander ist und die Sprachlosigkeit zwischen „Links“ und „Rechts“ durch den Austausch von Argumenten überwinden will, ist gerne willkommen.

Dabei interessiert es nicht, welcher politischen Farbe man sich zugehörig fühlt. Wir wollen zeigen, dass ein Dialog immer möglich ist.

Der Ort steht noch nicht sicher fest, aber irgendwo im Bereich des Rosa-Luxemburg-Platzes wird man uns sicher schon an den Deutschland-Fahnen erkennen.

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