(Ed Piper) Gestern wollte ich die aktuelle Online-Petition zur „Erklärung 2018“ auf der dafür vorgesehenen Internetseite des deutschen Bundestag zeichnen. Zwar hatte die Petition, die u.a. auch von prominenten Kritikern wie Henryk M. Broder und Vera Lengsfeld gezeichnet wurde, über ein freies Petitions-Portal bereits über 165.000 Unterschriften erreicht – doch damit es nun tatsächlich zu einer öffentlichen Anhörung zum Thema im Bundestag kommt, müssen davon mindestens 50.000 Unterschriften über die offizielle Online-Plattform des Bundestages bestätigt werden.

Das, so dachte ich naiv, sollte eigentlich kein Problem sein. Doch hatte ich dabei ganz offenkundig die digitale Kompetenz des Bundestag weit überschätzt. Denn im Bestreben, sich die lieben kleinen Bürgerchen so weit als möglich vom Halse zu halten, ist man dort anscheinend um keine Spitzfindigkeit verlegen.

So gelang es Computer-Experten der Petitionsseite des Deutschen Bundestag, diese genau so zu programmieren, dass sie für jeden Bürger, der dort zu zeichnen gedenkt, etliche Hürden bereit hält:

Mal dauert das Laden der Seite ewig, dann werden die Bestätigungslinks nicht verschickt oder – auch eine nette Idee – es wird zwischendurch angezeigt, dass sich die Seite plötzlich im Wartungsmodus befände. Kurzum, mit sehr viel Geduld und immer wieder neuem Laden der Seite hat das Zeichnen der Petition bei mir gefühlt rund 20 Minuten gedauert. Und ich dachte mir „Alle Achtung, das muss man wirklich wollen!

Normalerweise, das muss ich zugeben, gehöre auch ich zu den Personen, die bei einer nicht funktionierenden Seite nach dem dritten Versuch wegklicken. Doch hier machte mich die Sache stutzig. Denn immerhin wird hier über die Disfunktionalität der Seite ja eine – mir unzulässig erscheinende – Hürde zur Partizipation der Bürger aufgebaut.

Nachdem ich mein Erlebnis kurz über den Nachrichtendienst twitter skizzierte, bekam ich dort die Rückmeldung, dass es auch anderen Personen wie mir ergangen war. Deshalb stellt sich nun die folgerichtige Frage, wie viele potentielle Zeichner die Petition auf diese Art vielleicht schon verloren hat? Wer nur eine etwas langsamere Netzverbindung als ich oder schlicht nicht so viel Zeit hat, muss – vermutlich entnervt – aufgeben.

Und, schrieb ich eingangs, in einem eventuell etwas zu angestrengt wirkenden Versuch, der Situation noch etwas Komik abgewinnen zu können davon, dass die Petitionsseite des Deutschen Bundestag bewusst auf eingeschränkte Funktionalität hin programmiert wurde, so wäre die Alternative tragisch:
Denn dies hieße, dass für das Super-Duper-Medienkompetenzland Deutschland das Programmieren einer funktionierenden Netzseite noch immer etwas mit dem Betreten von „Neuland “ zu tun hat.

Abschließend noch ein freundlicher Hinweis, der PP via mail erreichte:

Habe gerade die o.g. Erklärung gezeichnet. Meine Frau wollte dies auch, es wurde ihr aber verwehrt, weil wir beide dieselbe Internetadresse haben ..

Anscheinend ist für jede Zeichnung der Petition auf der Seite des Deutschen Bundestag eine eigene email-Adresse erforderlich. Ehepaare, denen privat bisher eine gemeinsame „Familienadresse“ genügte, müssen sich nun – sofern beide Ehepartner partizipieren wollen – eine zweite Mailadresse zulegen.

Angesichts der bestehenden technischen Hürden finde ich es bemerkenswert, dass es bereits am ersten Tag der Veröffentlichung über 15.000 Personen gelang, die #Erklärung2018 auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestag zu zeichnen.

Ich gehe davon aus, dass bis zum Ende der Laufzeit, am 20.06.2018, noch einige Unterschriften hinzukommen werden.

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38 Kommentare

  1. Bestätigungslink und Bestätigungsemail habe ich auch nicht erhalten. In der Liste der Zeichner tauche ich nicht auf. Neu zeichnen geht nicht, weil statt dem Zeichnen-Button, die Meldung „Sie haben diese Petition bereits mitgezeichnet. Die Mitzeichnung ist nur einmal möglich.“ erscheint. Was ist zu tun?

  2. Gemach, gemach. Solche Artikel und solch Gezwitschere sind willkommenes Wasser auf die Mühlen der Kämpfer gegen Aluhüte. Bei mir lief gestern nachmittag alles glatt und flott. Ein gewisses Vertrauen in die Funktionalität und grundsätzliche Sinnhaftigkeit unserer Institutionen ist, meine ich, gerechtfertigt. Mutmaßlich überlastete Technik hat ja wohl kaum etwas mit finsteren Absichten zu tun.

  3. Weit wahrscheinlicher: Der Server ist da gerade in die Knie gegangen. Warum? Man gucke, wer in der Frist die meisten Unterschriften hat. Rang 1: Die Erklärug 2018 – nach nur einem Tag! Gefolgt von einer Petition mit kapp 1.700 Unterschriften.
    Die Rechenkapazität wird auf den niedrigen Level ausgerichtet sein. Kostet ja auch Geld. Und wenn man dann Pech hat mit dem Zeitpunkt …

  4. >sich die lieben kleinen Bürgerchen so weit als möglich vom Halse zu halten, <

    Der Autor verwechselt Korrelation mit Kausalität: Daß etwas nicht wie gewünscht fuktioniert, heißt nicht, daß das so gewollt ist. Es heißt erstmal nur, daß es nicht ordentlich funktioniert. Was bei der Gammel-Infrastruktur auch bei der Behörden-IT kein Wunder ist (sollte sich herumgesprochen haben).

    • Klar, mit unserer Staatsratsvorsitzenden Mutti, alias BK Merkel, die aus der totalitären DDR kommt, dort gelernt hat, dass die westliche Demokratie gefährlich ist, kann die Reise nur in ein totalitäres, autokratisches Deutschland gehen.
      Und die EU wird die neue UdSSR.

  5. Wenn man erlaubt, dass ohne Ausweis unterschrieben wird, kann es sein, dass jemand, der meinen Namen und meine Postadresse kennt, für mich unterschreibt.
    So etwas lädt doch dazu ein, sich ein paar Emailadressen zu besorgen, und dann die Mitgliederliste des Bundestags abzuklappern.

    Das Ganze untergräbt das Fundament der Demokratie.
    Gibt es schon eine Petition zur Abschaffung der Petitionen?

  6. Solche Online-Petitionen haben Probleme, die man nicht technisch lösen kann.
    Es soll theoretisch jeder Wahlberechtigte höchstens einmal unterschreiben können. Dazu müsste man ihn mit seinem Ausweis identifizieren, und hoffen, dass kein anderer mit seinem Ausweis unterschrieben hat.
    Weiterhin können Außenstehende nicht überprüfen, ob da gemauschelt wird.

  7. Auch uns als Ehepaar werden dort Steine in den Weg gelegt! Wir werden nun den Text ausdrucken und ein paarmal per Fax rüberjagen!! Mal sehen ob was ankommt. Die Annahme meiner Einzelpetition vor über 35 Jahren ging da sehr viel schneller, obwohl die Umsetzung dann auch noch ein paar Jahre gedauert hat.

  8. Das Regime versucht eben alles, um den Widerstand zu behindern.
    Mich überrascht in diesem totalitären Unrechtsstaat gar nichts mehr.
    Wer hier zeichnet gibt ja auch seine komplette Identität preis. Somit weiß das Regime genau, wo die kritischen Bürger wohnen und plötzlich steht dort womöglich die SA(ntifa) vor der Tür.

  9. Eine Alternative wäre, dass man per Brief daran teilnimmt. Da scheint keine Mailadresse erforderlich zu sein.
    Der Nachteil ist, dass man nicht genau weiss, ob der Name bei der händischen Eintragung durch die Mitarbeiter öffentlich einsehbar sein wird. Das kann man ja bei der Online-Teilnahme explizit ausschließen (da ist unten in der Eingabemaske ein Feld, das man an-/ausklicken kann).

  10. Ich habe das per Post gemacht; die 70ct hatte ich noch. Siehe auch die Homepage von Vera Lengsfeld. Was in der BRD alles vertuscht, getrickst, manipuliert und gefälscht wird, geht inzwischen auf keine Kuhhaut mehr.

    Aber das ist halt so, in dem Land in dem wir gut und gerne leben und uns der Merkel- Junta in die islamistische DDR2.0 zu beugen haben.

  11. Jetzt verstehe ich endlich, warum die Grenzen partout nicht geschlossen werden können. Die an den Landesgrenzen fehlenden Hürden, Blockaden und Hindernisse werden für die Online-Plattform des Bundestages und für all die unliebsamen Demonstrationen im Lande zweckentfremdet eingesetzt und verbraucht. Ach sooo, ja dann…

  12. bei mir hat die Unterzeichnung heute Nacht gut funktioniert. Sicherheitshalber habe ich aber zusätzlich auch einen frankierten Brief per Post geschickt. Ja, man muß es wirklich wollen! Das heißt, a) die Petition macht den Regierenden wirklich Angst & b) Diktatur-„bestrebungen“ sind offensichtlich.

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