Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

„Es is’ hoit a Graitz“ ( Es ist halt ein Kreuz, d.h. ein lästiges Problem) sagen die Bayern, wenn etwas schwierig ist. Auch ein Franke, wie der Markus Söder, kennt diesen Spruch. Und er überlegt schon lange und heftig-kurzfristig, weil unter Zeitdruck wegen der Landtagswahlen im Herbst, wie er die absolute Mehrheit im Maximilianeum in „Minger“ (=München) wieder erringen kann.

Super-Einfall: Die Kruzifix-Debatte im Rückwärtsgang neu auflegen und das Verbot der Öffentlichmachung christlichen Glaubens, wieder aufzuheben (Hat nichts mit dem „Kruzifix-Fluch“ des Urbayern zu tun, den dieser ausstößt, wenn etwas nicht funktioniert). Kruzifix noamoi- das Kreuz muss wieder in die Amts-Stuum (=Stube)! Also hat man beschlossen, es ab 1. Juni wieder in jede staatliche Behörde zu hängen – sicherlich in der light-Version, d.h. ohne Corpus, damit nicht wieder ein Sensibelchen von Lehrer wegen seelischer Belastung angesichts einer angenagelten Leiche den Psychiater aufsuchen muss. Also nur als angeschraubtes „X“ mit ungleich langen Seiten und um 45 Grad gedreht.

Mich als bekennenden Katholiken sollte die Re-Installation von Kreuzen in der Öffentlichkeit freuen. Wenn, ja wenn, ich das dem Ministerpräsidenten als etwas Katholisches im Wahlkampf abnehmen könnte. „No, I cannot!“ muss ich leider sagen. Das ist schließlich wieder einer der CSU-Taschenspieler-Tricks, perfekt inszeniert von dem Markus. Der listige Franke weiß: Es kommt jetzt drauf an, den abtrünnigen CSU-Wählern, die mehr auf das „C“ schauten als auf das „S“, das „C“ zurückzugeben. Und das „C“ steht halt nun mal, ob einem das passt oder nicht, für das christliche Kreuz. Dass man das so christlich meint, nimmt man dem Hoffnungsträger leider nicht wirklich ab.

Deswegen kommentierte der Kabarettist Django Asül ( mit „ü“) die Wiederaufhängung christlicher Kreuze in den Amtsstuben beim traditionellen Maibock-Anstich in München (=Bayerisches Spezialbier, stark alkoholisch, in Klöstern besonders gepflegt) mit folgenden Worten:

„Damit man weiß, wo man am 14. Oktober sein Kreuz zu machen hat.“

Der Django hörte die Nachtigall trapsen. Und die Zuhörer auch. Deswegen hat auch niemand, Faktencheck bitteschön, gelacht, obwohl man sich sonst durchwegs höchst amüsiert beim „Derblecken“ ( = Lächerlich machen) gab.

Ja,ja, das Christliche. Natürlich hat es so schöne Bräuche, gerade in Bayern, hervorgebracht, die man nicht vermissen möchte: Umzüge mit der Geistlichkeit auf stattlichen, rausgeputzten Kaltblütern, Kirchweih, Fronleichnamsprozession, Christkindlesmarkt, Osterbrunnen und und und. Kein Zweifel: Das Christentum gehört zu Deutschland, zumindest zu Bayern.

Mit einer kleinen Einschränkung des erwachten politischen Bekenntnisses dazu. Die offizielle Ministerpräsidenten-Verkündigung zur Re-Kruzifizierung von Amtsgebäuden lässt das bunte Bayern auch wissen, dass die Installation der Kruzifixe keine religiöse, sondern eine kulturelle Demonstration ist. Also nix mit dem religiösen Background von Kreuzigung und Blut und dem ganzen unbequemen Theologen-Kram!

Das Kreuz im öffentlichen Raum, bei ausdrücklicher Absage an den impliziten religiösen Anspruch, nämlich die dazugehörige Kreuzes-Theologie – dies reduziert das christliche Symbol zu einem zweidimensionalen, abendländischen Kultur-Logo.

Wären Muslime damit einverstanden, die Moschee als lediglich soziale Einrichtung, als Begegnungs-Zentrum mit Einkaufsmöglichkeit zu definieren?

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