(Patrizia von Berlin) „Ist das eine Fangfrage?“ war mein erster Gedanke.

Aber nein, das stand da und -das erschloss sich aus dem leicht verschwurbelten Text, mit dem der Autor um eine simple Tatsacheherumeierte – er meinte es so.

Und doch wiederum nicht, denn in seiner Blase scheint es undenkbar zu sein, auch nur Sex mit jemandem zu haben, der nicht korrekt ist, politisch korrekt, versteht sich.

Was wiederum den zwingenden Schluss nahelegt, dass es eigentlich keine Frage war, die da gestellt wurde. Sondern eher ein rhetorischer Kniff, um die Abschottung der eigenen Welt etwas weniger plump dastehen zu lassen.

Und diese eigene Welt des Autors, sie ist eine eng umfasste und von eisernen Grenzen behütete Welt, die es unbedingt vor fremden Kulturen zu behüten gilt.

Was wiederum zu den seltsamen Phänomenen dieser Zeit gehört, dass diejenigen, die sich für offen halten, gleichzeitig um den eigenen Schrebergarten die engsten Grenzen ziehen.

Für den Autor scheint Politik ja alles überragend zu sein, fällt mir auf. Die Essenz des Menschen neu gedacht? Ich habe eine politische Meinung, also bin ich? Politische Nähe als Ersatz für menschliche Nähe?

Ein gegenseitiges Lächeln, ein verschmitztes Grinsen, der gewisse Ton in der Stimme – alles nur wirksam, wenn das politische Klima stimmt? Der Tod der Kosmetikindustrie, weil sie in der Wirkung nicht mit der sinnlichen Erotik eines dem oder der Liebsten hingehauchten „Das sind eh alles Nazis“ mithalten kann?

Man würde auch gerne wissen: Ist der Autor nicht offen für andere Meinungen? Ist nicht gerade der Gegensatz viel spannender als Eintönigkeit? Oder gehört er vielleicht zur Minderheit, die nach dem Sex überhaupt nicht redet?

Was aber – genau betrachtet – das Problem doch lösen würde. Außer für ihn sind Gedanken per Hautkontakt übertragbar. Sind dann solche Menschen einfach nur Parias, Unberührbare für ihn?

Wie lauten dafür eigentlich die Regeln? Dürfen heilige Brahmanen Sex mit Parias haben? Gäbe es im Fall einer superattraktiven Paria keine hilfreichen Reinigungsrituale? 10x um eine Windkraftanlage herumwandern vielleicht?
Ich muss mal googlen…

… aber wir sind ja nicht in Indien und selbst da ist das mit den Kasten, zumindest offiziell, nicht mehr so gerne gesehen. Man sagt ja immer, alles wird besser, speziell seit Angela M. Kanzlerin ist.

Aber wenn ich so zurückdenke, …
…Politik hatten wir auch schon.

Ja, das gab’s. Und jede Menge kontroverser Themen. Angst vor Atomkraft, Angst vor Nachrüstung, Angst vor Waldsterben. Besorgte Bürger war allerdings noch kein Schimpfwort, damals in der guten alten Zeit.

Und wir wären nicht verrückt genug gewesen, dass wir unser Leben und Lieben davon hätten bestimmen lassen.  Nicht mit Grünen schlafen? Äh? Die Frage wäre wahrscheinlich gar nicht verstanden worden.

Na gut, vielleicht außer jemand hätte „Jute statt Plastik“ bei der Kondomwahl etwas zu wörtlich genommen. Aber so verrückt waren nicht mal die Anfangsgrünen.

Nur einer meiner Freunde, der allerdings schon die Anfangssiebziger als Student erlebte, konnte Ähnliches berichten:

Da musste man auch damit rechnen, mittendrin gefragt zu werden: „wie hältst Du‘s eigentlich mit der Weltrevolution?“

Ob also die Kommune 1 auch so strikte Regelungen kannte, wer mit wem? Ganz begehrte Männer wurden schon mal ausgeschlossen, liest man. Ein Vorläufer moderner Quoten also. Verteilungsgerechtigkeit sozusagen.

Ist der Autor mit seiner Frage also vielleicht ein geistiger Erbe der Kommune 1?
Nur dass bei ihm aus „jeder mit jedem“ ein „keiner mit niemand“ wird? Man weiß es nicht.

Ich aber frage mich: Wieso hat sich die schöne, entspannte und bunte Welt der 70er und 80er in so ein spießiges, kleinbürgerliches Pankow-Idyll verwandelt? Und wie wird das weiter gehen?

Wird die nächste Generation bald nur noch Zugang zu den (Flirt)Clubs erhalten, wenn sie am Eingang einen Nachweis vorlegen kann? Deutsche können ja recht konsequent sein, wenn sie sich mal in etwas verbissen haben. Und sie merken es oft erst zu spät, wenn sie es überziehen.

Vielleicht läuft es aber auch ganz andersherum. So wie die 70er und 80er ein bisschen mit dem ererbten Mief aufräumten und die Wohnung ordentlich durchlüfteten.

Wenn der Autor dieser Frage also den aktuellen Zeitgeist darstellt, was kommt danach? Eine Freundin von mir, denke ich, zog das richtige Resumée:

Weiter so! Die Jugend wird sich freuen, neue Feindbilder zu bekommen und endlich wieder einen echten Grund zur Rebellion zu haben.

Jetzt wollen wir’s aber wissen:

Wie halten es AfD Wähler?
Sind diese auch so zeitgeistig?

Darf man als AfD Wähler mit Wählern linker Parteien schlafen?

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