Ein Gastbeitrag von Marcus Franz

Der Grüne Fraktions-Chef im Deutschen Bundestag, Anton Hofreiter, vertritt die Überzeugung, dass die Fixierung auf Nationalstaaten etwas Irrtümliches sei. Diese Meinung tat er dieser Tage in einem Interview mit der Wochenzeitung Junge Freiheit kund. 

Als Begründung für seine Zweifel am Nationalstaat meinte Hofreiter, das Identitätsgefühl der Bürger hänge vor allem mit der jeweiligen heimatlichen Region zusammen (in seinem Fall Bayern), aber nicht mit dem Nationalstaat.

Nur noch Kopfschütteln

Dass diese Argumentation haarsträubend unlogisch und völlig inkonsistent ist, wird sofort klar: Wer die Region oder das Heimatbundesland für identitätsstiftend hält, kann nicht gleichzeitig gegen die Nation sein. Die Nation als Gemeinschaft von ähnlich denkenden und kulturell geistesverwandten Bürgern gibt erst jenen Rahmen vor, in dem sich überhaupt eine Region oder ein Bundesland fest verorten kann. Würde es keine größere rahmenbildende Nation geben, dann wäre eben das jeweilige Bundesland oder die Heimatregion die entsprechende Nation.

Herr Hofreiter säße also, würde er seine fehlgeleitete Fantasie zu Ende denken und dieselbe zur Realität werden, in einem vollständig souveränen Freistaat Bayern fest und wäre seinen Job als Mandatar im Berliner Bundestag los. 

Jeder Staat ist Nation

Wie man es dreht oder wendet, man kommt  immer auf die Nation als notwendige Grundstruktur der bürgerlichen und individuellen Existenz zurück. Die kleinste funktionierende Einheit jeder „Nation“ ist die Familie und ganz am Anfang steht dabei das von seiner Nation kulturell geprägte Individuum: Der Staatsbürger. Individuen, Familien, Freundeskreise, soziale Gruppen, Interessensverbände, Vereine, Parteien usw. bilden die jeweiligen regionalen Strukturen und aus diesen heraus wachsen die kulturellen, soziologischen und rechtlichen Merkmale, welche die Fundamente der Nation und des Staates bilden.  Diese wirken wieder auf die Regionen zurück und es entsteht dadurch eine nutzbringende Feedback-Schleife, die den Regionen ihre Eigenheiten lässt und die Nation stärkt.

Anders gesagt: Es kann entgegen der Meinung des oben zitierten Fraktions-Chefs keinen gültigen Regionsbegriff geben, wenn man gleichzeitig den Begriff der Nation leugnen will oder ihn als Irrtum bezeichnet. Diese Argumentation hält keiner Widerrede stand.

„No border“ als verdrehte Philosophie

Und doch wird von den stets international und grenzenlos gesinnten Linken die Nation als der Quell allen Übels bezeichnet, denn dort sei das Reaktionäre, Rückwärtsgewandte, Ausgrenzende und Konservative zu Hause. Man fühlt sich als Linker immer ganz modern und aufgeschlossen, wenn man den Nationsbegriff als überkommen und vorgestrig bezeichnet.

Dabei braucht man, wie oben zu beweisen war,  nur drei oder vier Sätze, um den tiefsitzenden Irrtum der Linken aufzuklären. Stichwort Ausgrenzen: Natürlich braucht jede Nation und auch jede Region das Pouvoir, ausgrenzen zu dürfen. Es kann keine Nation geben, die Fremden ohne Ansehen von Herkunft und Identität grenzenlos Zutritt gewährt. So eine Haltung zerstört am Ende jede Struktur und mündet ins Chaos.

Die Jugend ist verführbar

Speziell junge Leute lassen sich aber durch internationalistische Fantastereien und marxistische Visionen von einer Welt ohne Grenzen vom grundsätzlichen und fundamental notwendigen Nationsbegriff ablenken und sind beispielsweise schnell für ein Europa ohne Nationen zu begeistern. Alle, die für diese Vision sind, können aber nicht erklären, wie man kulturell so verschiedene Völker wie z.B. Spanier und Dänen unter einen Hut bringen soll, ohne vorher ihre Eigenheiten weitestgehend abzuschleifen.

Und siehe da, das Hofreiter`sche Modell der Abschaffung der Nationen ist schon wieder an seinen Grenzen angelangt: Will man den Völkern und Regionen ihre Eigenheiten zugestehen (wozu jeder immer ja sagt), so müssen zwangsläufig nationsähnliche Regelungen in den Regionen geschaffen werden. Auf diese Weise würde sich Europa letztlich in einen Flickenteppich unzähliger Kleinstaaten aufsplittern. Tendenzen dazu gibt es ja bereits.

Fantasien, nichts als Fantasien

Die Fantasten der Vereinigten Staaten von Europa haben auch noch nie wirklich erklären können, wie sie mit den Außengrenzen ihres Modells Europa umgehen möchten. Selbst wenn alle Staaten der EU fusionierten, verschieben sich eben die Grenzen an die jetzigen Ränder Europas und sind wie bei jeder Nation zu schützen und zu sichern, denn auch ein Moloch wie dieses hoffentlich nie Realität werdende Produkt der linken Weltanschauung muss definiert, bewahrt und begrenzt sein. Was tun mit den Außengrenzen, die schon jetzt so löchrig sind wie der berühmte Schweizer Käse?

Da lassen wir doch lieber die Grenzen wie sie sind, stärken die bestehenden Nationen in ihren Identitäten und entwicklen eine „EU 2.0“ auf dem Boden des rationalen und nationalen Denkens zu einem starken Verband namens „Europa der Vaterländer.“

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Der Beitrag erschien zuerst auf dem äußerst empfehlenswerten Blog von Marcus Franz: THE DAILY FRANZ

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