Abyssus abyssum invocat – ein Abgrund ruft nach dem anderen Abgrund (Ps 41)

(David Berger) Warum, so war meine erste Frage, als ich die angeblich die AfD einnordende Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sah und hörte, wirken die Shootingstars der Union von ihrer Psychostruktur und ihrem Auftreten eigentlich alle wie kleine Peter Altmaiers?

Der lässt immer wieder, wenn seine Herrin Merkel angegriffen wird, mehr oder weniger eine Art unverarbeiteten politischen Ödipuskomplex heraushängen. Ödipus, Sie erinnern sich, war der junge Held der Antike, der mit seiner Mutter ein inzestuöses Verhältnis hatte.

Der Psychologe Freud hat nach ihm eine Reifestörung benannt, bei der im Unbewussten der Patienten ein sexuelles Begehren gegenüber der eigenen Mutter auftritt, das aber in der Regel verdrängt oder sublimiert wird: Etwa indem man sich Frauen sucht, die die eigenen Mütter sein könnte. Emanuel Macron dürfte der bekannteste Politiker sein, der für solch eine Devianz in Frage käme.

Noch zusätzlich verschärft wird dieser Komplex, wenn er sich mit einem Masochismus verbindet. Dann wird die Verdrängung des sexuellen Begehrens zu einer devoten Unterwerfung unter „Mutti“-Persönlichkeiten.

Jeder, der Mutti nicht gut findet, wird dann zum erklärten Feind. Dabei schreckt man auch nicht vor ganz in diesen infantilen Rahmen passenden Beschimpfungen zurück.

Da entfährt selbst „Spitzenpolitikern“ schon mal so etwas wie „Blöde Sau!“ – Erinnert sei hier nur an einen weiteren Shootingstar im System Merkel, Kai Whittaker.

Dieser „politische Ödipuskomplex“ nimmt bei Altmaier bisweilen so offensichtliche Formen an, dass man geneigt ist anzunehmen, er würde sich selbst karikieren. So etwa, als der gottgewollte Single die Kritik an der grenzöffnenden Merkel mit dem Diktum zurückwies:

„Deutschland ist so ein großartiges Land, weil wir in Deutschland nicht nur eine Angela Merkel haben, sondern zehntausende, hunderttausende Angela Merkels, in jedem Dorf, in jeder Stadt. Der Herr Landrat hat eine zuhause, der Herr Bürgermeister hat eine zuhause, …“

… nur Herr Altmaier nicht und deshalb braucht er ganz besonders Mutti.

Die bedingungslose Liebe zu „Mutti“ führt dann dazu, dass intellektuell halbwegs gebildete Politiker zu den kompliziertesten rationalen Verrenkungen greifen, um die Herrin zu verteidigen, um bei der Herrin und Mutter Gnade (Karriere machen) zu erlangen.

Diese intellektuellen Verbiegungen zeigt schön die Kritik Jaklin Chatschadorians an Amthors Rede:

„Seine Methode, zwei Beispiele:

1. Die Argumentation, die Entmenschlichung der Frau durch die Vollverschleierung würde einen Verstoß gegen Menschenwürde bedeuten,  das muss man Amthor eingestehen,  geht im Falle des freiwilligen Tragens fehl. Der Staat hat nicht Aufgabe, die Menschen vor sich selbst zu schützen. Geht es aber um die, etwa vom Ehemann oder von der eigenen Community aufgezwungene, nicht freiwillige Verschleierung, so ist das Argument mit Art. 1 GG goldrichtig.  Diese Differenzierung unterschlägt der Rhetoriker Amthor nur zu gern. 

2. Philipp Amthor redet über die Religionsfreiheit ohne Wissen über die hier betreffende Religion. Ein typischer Juristenfehler.  Die Vollverschleierung ist keine oder zumindest eine umstrittene islamische Vorgabe mit politischer Bedeutung. Anstatt hieran anzuknüpfen, um Wege zu einem Vollverschleierungsverbot zu eröffnen (das geht!), übernimmt er allgemein herrschendes Fehlwissen, um der von ihm behaupteten Verfassungswidrigkeit ein Fundament zu bieten.

Beide Beispiele demaskieren letztlich die von Amthor unüberhörbar herausgerufene Abneigung gegenüber der Vollverschleierung als taktische Schutzbehauptung.
Wer die Vollverschleierung ernsthaft, und nicht nur aus Gründen rhetorischer Spielchen, ablehnt, der behauptet nicht, alles „mögliche“ tun zu wollen, während er darlegt, wie „unmöglich“ das Vorhaben ist.

Amthor geht es offensichtlich nicht um die Sache, sondern nur um die parteipolitische Bekämpfung der Opposition. Ihm liegt weder etwas an der Werteordnung dieser Gesellschaft, die er als Abgeordneter zu vertreten hat, noch an dem Leid der unterdrückten Muslima, die zur eigenen Entmenschlichung und Freiheitsberaubung gezwungen wird.“

Wird dieser „politische Ödipuskomplex“ nun der Karriere dieser Politiker schaden, weil sie sich vor aller Welt und in der größtmöglichen Lächerlichkeit als Muttersöhnchen präsentieren?

Ganz im Gegenteil. Eine Gesellschaft, die weithin unter einer Art kollektivem Borderline-Komplex leidet, sucht geradezu nach solchen Politikern. Oder wie der Psalmist (Ps 41) in der Bibel so schön sagt: Abyssus abyssum invocat – ein Abgrund ruft nach dem anderen Abgrund.

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Das letzte Wort soll Anabel Schunke haben: 

anabel schunke