„Wenn ich nicht schreie, ersticke ich!“

Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Indonesien stand einmal für einen toleranten Islam, heute regiert die Scharia. Am härtesten trifft es Frauen. 340 Menschen wurden im letzten Jahr in Banda Aceh ausgepeitscht.

Während in der ARD der Zweiteiler „Die Puppenspieler“ das Mittelalter [bzw. die frühe Neuzeit, Anm. DB] von seiner dunklen Seite mit einer Hexenverbrennung zeigt, diesmal eine zum Christentum konvertierte Muslima mit „heilerischen“ Fähigkeiten, erreicht die sozialen Netzwerke die Nachricht, dass in Kandel, in pfälzischer Idylle, eine 15jährige in einem Drogeriemarkt von einem Gleichaltrigen Jungen afghanischer Herkunft getötet wurde. Gemessert.

Herzliches und aufrichtiges Beileid Ihren Eltern und Angehörigen, Freunden.

Im Mittelalter waren es oft freie Frauen, Hebammen, Kräuterkundige, die der Hexenverbrennung anheim fielen. Und auch heute sind es wieder freie Frauen, die unterdrückt, wo das nicht reicht, getötet werden. Ich habe noch von keiner einzigen Muslima, die von einem deutschen Mann gemessert oder verbrannt wurde, gehört. Auch wenn wir über ein Gewaltpotential an deutschen Tätern verfügen. Doch nun geschieht unübersehbar mehr, als ein Gewissen erträgt. Über unsere Frauen, die hier frei leben wollen und die hier umgebracht werden von gewaltbereiten, frauenverachtenden Männern, erfahren wir nichts.

Ob diese, unsere vergewaltigten und getöteten freien Frauen, in Filmen später ein Gesicht bekommen werden? Oder landen sie gesichtslos in Baumwolltücher eingewickelt, malträtiert auf dem Geschichtshaufen des gesellschaftlich verordneten Vergessens?

Warum geht diese Nachricht einer 15jährigen, die in einem Drogeriemarkt erstochen wird, ans Herz, wo es doch in Deutschland während der Weihnachtszeit völlig normal ist, dass es bei Streitereien zu tödlichen Auseinandersetzungen kommt: Hier wird die Herkunft der Täter außen vor gelassen, ist doch egal. Und ob nun Muslim oder dunkelhäutig, deutsch, spielt doch keine Rolle. Oder doch? Der Focus Artikel bringts: Auseinandersetzungen enden oft tödlich.

Kümmern wir uns mehr um die Täter, kreisen um sie herum und die Opfer veschwinden in fluiden Gehirnwindungen, weil wir uns nicht wagen die Täter zu benennen, ihren sozialen Kontext und ihre Einbindung in ein kulturelles System von Tyrannen, die sich die Frau als billiges Arbeitsobjekt und williges Sexualobjekt auserkoren haben und daran festhalten, sich versteckend hinter einem Glauben, einer Religion.

Ausreden vor einer Gesellschaft, die diese Ausreden braucht, um weiterhin „gut und tolerant“ gelangweilt und emotionslos bleiben zu können.

Angeblich. Denn Wegschauen gleicht einer Lüge. Dass sie damit die Schwächeren ausgrenzt, sogar freigibt zum Abschlachten, ist der Gesellschaft nicht bewusst, geistern doch die Schlachtwörter Nazi, Rassist in ihren Köpfen ungefiltert herum. Jedoch, was können die Deutschen dafür, wenn die Täter, die das Land in ein Unglück hineinziehen in der Hauptsache muslimisch, dunkelhäutig aus einem Patriarchat entspringen, das wir in einem Jahrhunderte dauernden aufopfernden Kampf um Gleichstellung, Augenhöhe mit dem anderen Geschlecht glaubten, hinter uns gelassen zu haben. Nichts. Scheuen wir uns weiter, dort genau hinzuschauen und eine rote Linie zu setzen, werden noch mehr Jugendliche und Mädchen, Frauen, unserer aufgeklärten Gesellschaft vor die Hunde gehen. Bitterlich.

Auseinandersetzung im Drogeriemarkt in irgendeinem beliebigen kleinen Ort in Deutschland auch. Ganz normal. Ich war nicht dabei. Doch, könnte es sein, daß der Täter nicht tolerieren konnte, dass er ein Mädchen im Drogeriemarkt trifft, das ihm selbstbewusst nicht aus dem Weg gegangen ist, sich nicht demütig bewegt, weggeschaut hat, sie hat sich getrennt. Na und? Durch welches Verhalten oder Sprechen, durch welches Streiten sollte sie ihn zum Mord an ihr gereizt haben. Zum Messer zücken und zustechen? Hat sie ihn tollwütig gemacht, ihn gedemütigt in irgendeiner Ehre? Oder ist diese Art von Tollwut, zuzustechen, reinzustechen in ein junges Mädchen ganz normal?

Was zum Teufel hat dieses 15 jährige Mädchen diesem Jungen oder Jugendlichen oder Mann angetan, damit es in Ordnung ist, zuzustechen, sie zu töten. Er hat es ja angekündigt. Es will mir beim besten Willen nicht in den Kopf.

Welche Schuld haben Frauen oder Mädchen auf sich geladen, damit sie getötet werden? Es öffentlich einen Streit zu nennen, das klingt ja so, als wäre das Mädchen mit Schuld, dass sie jetzt tot ist. Ich verstehe das nicht. Niemand, der ermordet oder vergewaltigt wird, begrapscht, trägt jemals eine Schuld in sich. Nicht ein Jugendlicher, der umringt und zu Tode gemessert wird. Nicht ein Homosexueller, der wegen seiner Neigung, getötet werden sollte.

Was ist nur über uns gekommen? Dass wir uns dem beugen? Mit Wegschauen und Schweigen. Vielleicht mit Glitzern in den Augen, so wie die Zuschauer von Stierkämpfen?

Was hat dieses Mädchen verbrochen? Einen Streit?

Sich nicht der erstbesten männlichen Dominanz zu beugen? Damit meine ich keine Witze an Filmsets oder am Arbeitsplatz, darüber habe ich schon geschrieben, nein, ich meine die Straße. Oder den Drogeriemarkt. Oder Deutschland. Eine Auseinandersetzung endet tödlich, das ist das Ende der Zivilisation.

Es gingen hilflos gutgemeinte Ideen in den Netzwerken um, Messer zu verbieten, zum Beispiel.

Ja, Messer, Anhängerkupplungen, Stricke, Koffer, Baumwolle, in die man Frauen nach Misshandlung wickeln kann, Feuer, Feuerzeuge, Anzünder, Autos, Alkohol, Hände, die einen ertränken wollen. Ein Afghane wollte vor ein paar Tagen seine Freundin in Berlin ertränken, bei einem „Streit“. Da hilft auch kein Messerverbot.

Zu guter Letzt verbieten wir doch, weil es am Sichersten ist, Frauen und Mädchen! In Deutschland! Und wenn sie es wagen sollten, eine eigene Meinung zu haben, sich trennen zu wollen oder einkaufen zu gehen ohne Kopfbedeckung und sich auch noch „streitlustig“ zwischen die Regale begeben, noch nicht ganz offiziell freigegeben zur Menschenjagd, dann sind sie selbst schuld. Streit hervorrufend in den Köpfen mordlüsterner Männer durch ihre bloße Existenz.

Wie in Indonesien, wo die Bestrafungen nach der Scharia ein Fest sind! Dabei fing das mal so friedlich an mit dem Islam! Jetzt filmen die Männer lüstern die Frauen, die bestraft werden!

Damit sie schonmal wissen, wie sie Frauen zu behandeln haben, die nicht brav sind und die Männer es auch ihren Söhnen beibringen können. Schlagt sie! Messert sie! Bringt sie um! Diese Männer leben unter uns. Hier. Es ist nicht nur der Islam, es ist die soziale Herkunft, das Patriarchat von Tyrannen, das einer Frau für ihre Arbeit oder für die Liebe, für den Sex, nicht im Geringsten etwas zurückzugeben bereit ist, zum Beispiel Respekt! Wertschätzung! Sondern sie noch dafür bestraft.

Das Gesetz des Stärkeren auf unseren Straßen bricht der Exekutive wie der Judikative in unserem Land das Genick. Und damit unserer hart erkämpften Freiheit, den Menschenrechten, den Frauenrechten. Romantisch ist anders.

Die Geschichte einer in Deutschland aufgewachsenen Pakistani: Sie hat ihre Möglichkeiten zur Ausbildung genutzt, fügte sich zwar der Zwangsheirat, verweigert aber ihrem Mann den Geschlechtsverkehr. Der eigene Vater rät dem Mann, sie umzubringen, erklärt, wenn er zu weich sei, erledigt er es. In letzter Sekunde entkommt die junge Frau, lebt seitdem in einem Schutzprogramm, hat keinen Namen, kein Bankkonto, keine offizielle Wohnung, musste alle ihre sozialen Kontakte beenden. Die Männer, die ihr dieses Leben bescheren, schon seit Jahren hier in Deutschland, angekündigt haben, sie umzubringen, leben hier in Deutschland unbehelligt unter uns. Diese Geschichte ist eine von vielen, sie ist wahr. Wie es so viele wahre Geschichten gibt hinter den Türen. Fangen wir doch mal an, diese Geschichten zu erzählen! Sie sind hochaktuell! Und das Problem ist bekannt. Schon lange.

Eine andere Geschichte: Eine Jesidin flieht mit ihrem Vater nach Deutschland, sie wurde auch zwangsverheiratet, sogar entführt. Gewalterfahrung. Jetzt hat sie hier in Deutschland eine Wohnung, sucht Arbeit. Das ist Unterstützung wert. Und sie kommt auch von Männern aus dem eigenen Kulturkreis, ihrem Vater… Der Geschichten unzählige.

Gleichzeitig lassen wir viele Männer in unser Land, denen wir nicht ansehen, sind sie frauenfeindlich? Sind sie homophob? Sie brauchen keine Papiere, keinen Namen. Wir verlangen von ihnen nicht, wie es sich gehört, sich vorzustellen, mit Namen.

Sie können sich alles ausdenken. Wer sie sind, wie alt sie sind, wie sie heißen. Es ist nicht nur der Islam, es ist viel mehr. Der Islam ist für manche eine Rechtfertigung, um das Leben nicht als das kostbarste Gut anzusehen, etwas, was man anderen nicht nehmen darf. Niemals! Kostet das in unserem Land weitere Leben, zusätzlich zu unserem eigenen Gewaltpotential? Zum Schutz unserer Frauen und unserer Menschenrechte, unserer Freiheit müssen wir das herausfinden.

Und diese Menschen dürfen hier keinen Schutzstatus erhalten, diese Männer sind nicht verfolgt, die hier Frauen unterdrücken und umbringen, wenn sie sich nicht unterwerfen.

Wollen wir hier untergebene unterwürfige Frauen, die nur mit ihrem Mann zusammen sind, weil er sie tötet, wenn sie nicht bleibt. Können wir hinter die Türen schauen?

Eine Flüchtlingsfamilie wird aufgrund einer Familienzusammenführung in Deutschland zusammengeführt. Der Vater durfte als Erster kommen, Frau und Kinder mussten noch in Afghanistan verharren. Das ist mit unseren Behörden so abgesprochen worden Den Vorrang vor dem Krieg oder einem desolaten Zustand in Afghanistan zu entfliehen, hat der Mann.

Wieso durfte zuerst der Vater nach Deutschland kommen? Wieso lebt der junge Mann heute nicht mit seiner Familie zusammen? Es heißt doch Familienzusammenführung.

Ich steh auf auktoriale Erzählweise: „Noman fühlt sich mittlerweile in Deutschland so angekommen, dass die Bindung zu seiner eigentlichen Familie eine andere ist. Er zeigt sich willig, Deutsch zu lernen. „Ich habe meiner Familie zwei Jahre voraus“, sagt Noman. Inzwischen sei er auch ein erwachsener Mann. Noman will bei den Reuls bleiben. Sehr oft besucht er das Pfarrhaus und versucht, seiner afghanischen Familie zu helfen.“

Ja, das leuchtet total ein, die glückliche Familienzusammenführung und hier in Deutschland wurde eine Familie auseinandergerissen,- eine 15jährige erstochen in einem Drogeriemarkt.

Wenn eigenwillige Menschen, die außerhalb des sozialistischen Mainstreams denken, eine größere Gefahr darstellen, als Männer und Jungen, die bereit sind, mit Messern auf uns freie Menschen, egal welcher Hintergrund, einzustechen, dann wird diese Gesellschaft verloren sein. Und ein „Es wird noch schlimmer werden“ bedeutet Aufgabe sehenden Auges! Und wenn man sich die folgende Seite anschaut, dann wird es noch schlimmer werden.

Täglich erreichen uns Meldungen von Mord und Totschlag und Messerstechereien. Sollte das der Preis sein, für ein „friedliches Europa oder ist es gewolltes Politikversagen? Im Krieg schweigt das Recht. Und um Karl Kraus zu zitieren: Als zum erstenmal das Wort „Friede“ ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz. Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient!“

Eine Facebook Userin auf FB (gesperrt) schreibt:

„Ich halte es für bedenklich, wenn Vorfälle, die menschliches Leid verursachen, keine Empörung und keinen Zorn mehr hervorrufen.

Eine Gesellschaft, die zum Mitgefühl für Opfer und zum Hass auf Täter nicht mehr fähig ist, ist abgestumpft, ihrerseits verroht und zivilisatorisch gescheitert.

Sie ist zu allem fähig, aber nicht zu ethischem Handeln. Denn wo das Sprechverbot wütet, ist das Denkverbot nie weit. Es bleibt gewiss nicht dabei, dass man sich bestimmte Wörter und Formulierungen nur verkneift, sie aber weiterhin denkt. Irgendwann verflacht diesbezüglich auch das Denken und Fühlen. Und die Vorstellung einer nicht mehr empörungsfähigen Gesellschaft macht mir Angst. Tausendfach mehr Angst als ein paar dreckige Wörter.“

Das Messern geht fröhlich weiter:

https://m.focus.de/regional/bonn/bonn-messer-attacke-in-der-bonner-city_id_8123897.html

https://www.tag24.de/nachrichten/mann-ersticht-frau-in-shopping-center-in-halle-saale-409297

http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/17-jaehrige-lebensgefaehrlich-von-16-jaehrigem-ex-freund-verletzt_18411317.htm

Am Brandenburger Tor zu Silvester 2017 im 21. Jahrhundert gibt es jetzt eine Schutzzone für Frauen gegen sexuelle Übergriffe. Oder ist die andere Zone, die Außerhalb-Zone eine Schutzzone für Täter?

„Wenn ich nicht schreie, ersticke ich!“ FB Userin

Ich schließe mich an.

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andrea berwing

Von der Autorin ist nun die Neuausgabe ihres Buches „Die Wahrheit ist anders“ erschienen. es kann hier bestellt werden: Amazon

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