Der russische Philosoph Iwan Iljin (1883-1954) ist im Westen immer noch wenig bekannt, obwohl er im Russland Wladimir Putins eine Renaissance der Rezeption erfahren hat. Er war ein unabhängiger Geist, wurde sechsmal von den Bolschewisten verhaftet, bevor er ausgewiesen wurde, nur um im Berliner Exil in Konflikt mit den Nationalsozialisten zu geraten, vor denen er in die Schweiz fliehen konnte.

Er war ein christlicher Denker, der von der Interpretation Hegels ausgehend besonders zur Rechtsphilosophie und politischen Ethik veröffentlichte. Dazu gehört auch seine berühmte Studie „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ (1925), mit der er den Kampf gegen die für die „Tragödie eines Volkes“ (Orlando Figes) verantwortliche kommunistische Ideologie unterstützen wollte und die nun endlich erstmals auf Deutsch erscheint.

Iljin argumentiert gegen die westliche Lehre vom gerechten Krieg, dass Gewaltanwendung manchmal „notwendig“, aber nie „gerecht“ ist. Dennoch kann es gelegentlich sein, dass zu kämpfen der einzige Weg ist, mit dem der Mensch seine Pflicht, dem Bösen zu widerstehen, erfüllen kann.

In solchen Fällen muss er es tun. Weil man aber immer wenigstens teilweise verantwortlich ist für die Situation, die Gewalt notwendig machte, muss man verstehen, dass das Handeln zwar notwendig, aber ungerecht ist. Ohne sich vor seiner Verantwortung zu drücken, muss der Kämpfer seiner Schuld ins Auge sehen, weil nur das verhindert, dass der Krieg sein seelisches Gleichgewicht unterminiert.

Iljin liefert mit seiner anspruchsvollen Gewaltethik vor allem Christen, die zu unverantwortlicher Selbstaufgabe neigen und einem sentimentalen Pazifismus frönen, der aber nur Verrat an den Schwachen und Teilnahme am Bösen ist, eine über die bloße Selbstverteidigung hinausgehende Begründung für den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse.

buchcoverIljin hilft durch die Exaktheit seiner Untersuchung, auch heute unter den neuen Bedrohungen das Böse zu erkennen, gegen das tatkräftig aufgetreten werden muss.

Prof. Iwan Iljin: Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Prof. Adorján Kovács. Aus dem Russischen übersetzt von Sascha Rudenko. 424 Seiten. Hardcover, Fadenbindung

Das Buch kann hier bestellt werden: Edition Hagia Sophia

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Antigone
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Antigone

Der heilige Georg kämpfte tapfer gegen heidnische Religionen, wo Menschenopfer und grausame Rituale an der Tagesordnung waren. Aber immer wieder schafft es der Mensch in seinem mörderischen Treiben, das Menschenopfer erbracht werden, selbst die friedvollen gezwungen werden zu kämpfen, um den Bluthunger des Bösen zu beenden. Wie viel Kummer, Elend und Leid muss es noch auf den Schlachtfeldern geben, angestachelt von einem Christus verräterischen Klerus, den wir auch vor der Haustür haben, Bedford Strohm und Co., die uns für ihren Größenwahn die Mörderbanden in das Land holen, damit sie ihre gläubige Herde wieder unterjochen können, anstatt den von Luther und… Mehr lesen »

Baldur
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Baldur

Die wahren Christen muss man in Deutschland heute mit der Lupe suchen. Die Kirchenfunktionäre verleugnen den Glauben an Jesus Christus jeden Tag neu. Die rund 50 Millionen Kirchenmitglieder haben sie mit in den Abgrund gerissen. Ihren Lohnen werden sie noch erhalten!
Diese Kirchenfunktionäre sind keine Hirten sondern reißende Wölfe die sich selbst mästen, anstatt die Schafe auf die gute Weide zu führen!

Inge
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Der evangelische und katholische Oberpfaffe Deutschlands haben in Israel ihre Kreuze abgelegt,um den Imam nicht zu brüskieren.Unterwerfen sich dem Islam und haben Jesus wieder verraten.

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„An die Nachgeborenen I Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende Hat die furchtbare Nachricht Nur noch nicht empfangen. Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! Der dort ruhig über die Straße geht Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde Die in Not sind? Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich… Mehr lesen »

Jürg Rückert
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Der Sämann Iljin säte, aber was viel auf fruchtbare Erde? Fast soviel wie wenig.

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