Ein Gastbeitrag von Udo Hildenbrand

In regelmäßigen Abständen und mit eigenartigem Nachdruck, gelegentlich auch unter heftigsten Protesten und sogar unter Strafandrohung, fordern Muslime von Nichtmuslimen Respekt ein gegenüber ihrer Religion, gegenüber dem Propheten Mohammed und dem Koran, auch gegenüber den (religiösen) Gefühlen, der spezifischen Sensibilität der Muslime, dem muslimischen Brauchtum usw. Wie aber können Hinweise auf Fakten, die in islamischen Basistexten z. B. über den Koran und über Mohammed „schwarz auf weiß“ nachlesbar sind, eine Herabwürdigung des Islam sein?

Die muslimische Forderung nach Respekt – so die Tageszeitung „Die Welt“ (19.Sept. 2015) beruht auf dem Prinzip, dass die Muslime nicht wie die anderen seien … Im Namen des ‚Respekts‘ werden … in den demokratischen Ländern besondere Gesetze für die ‚muslimische Gemeinschaft‘ gefordert.

Man bräuchte ein Recht für Muslime, Lehrpläne für Muslime, Krankenhäuser für Muslime, Schwimmbäder für Muslime. Es fehlt nur noch die Forderung nach Bussen für Muslime und Straßen für Muslime.“

Hinter der Forderung nach Respekt dem Islam gegenüber steht auch der Anspruch dieser Religion, dass ihre Gesetze und Regeln für die gesamte Gesellschaft zu gelten haben, wie es in islamisch dominierten Ländern nach dem koranischen Motto „Der Islam gebietet und verbietet“ auch praktiziert wird.

So bedeutet „Respekt“ nach islamischem Verständnis „nichts anderes als Unterwerfung – wie auch das Wort ‚Islam‘ im Wortsinn ‚Unterwerfung‘ und ‚Hingabe‘ bedeutet. ‚Respekt haben‘ beinhaltet, … auch das Prinzip, diese Religion zu akzeptieren.“(Necla Kelek).

Dieser islamische Anspruch dürfte auch einer der Gründe dafür sein, dass auffallend viele Kinder und Jugendliche muslimischer Migranten keinerlei Respekt zeigen z. B. gegenüber Polizei, Lehrerinnen und Frauen allgemein. „Respekt“ fordern Muslime für ihre Religion auch im Blick auf die ca. 1,6 Milliarden Muslime. Doch die numerische Größe kann niemals ein Kriterium sein beim Beurteilen und Werten einer Sache.

Die muslimische Forderung nach Respekt ist darüber hinaus auch der Versuch, jegliche Kritik am Islam zu blockieren und dadurch die gesellschaftlichen Verhältnisse durch islamische Vorgaben zu beeinflussen bzw. möglichst zu bestimmen.

Doch von den Muslimen ist wie von allen Zuwanderern zunächst einmal und grundlegend Respekt vor unserem Wertesystem und unserer Kultur, Achtung vor unseren freiheitlichen Verfassungswerten zu fordern.

Es ist eine muslimische Gewohnheit, unter den Etiketten „Respekt“ und „Toleranz“ nicht nur Sonderrechte für sich einzufordern, sondern sich ebenso auch über die Benachteiligung des Islam zu beschweren.

Gekränkt- und Beleidigtsein sind Teil des Islam, weil sie die logische Folge des islamischen Überlegenheitsdenkens sind.

So hat sich nach Necla Kelek im Islam regelrecht „eine Beleidigungskultur entwickelt“. Mit Rücksicht auf muslimische Empfindlichkeiten bzw. Befindlichkeiten werden dann von „toleranten“ Verantwortungsträgern in der Haltung „vorauseilender Entchristlichung“ sogar Kreuze aus öffentlichen Gebäuden entfernt.

Dazu Bestseller-Autorin Ayaan Hirsi Ali:

„Im Besonderen müssen wir gekränkten Muslimen (und ihren liberalen Unterstützern) sagen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, uns ihren Glaubensvorstellungen anzupassen und Rücksicht auf ihre Empfindlichkeiten zunehmen, sondern das sie es lernen müssen, mit unserem Bekenntnis zur Redefreiheit zu leben.“

Eine Wertschätzung, gar eine „Hochachtung“ kann man nicht gebieten oder gar zwanghaft einfordern.

Niemand muss eine andere Religion oder Weltanschauung „hochachten“ und wertschätzen. Er muss sie freilich akzeptieren, tolerieren, und auf sie Rücksicht nehmen, ohne sie gutzuheißen.

Es gilt hier wie überall, wo es um Überzeugungen von Menschen geht, zu unterscheiden zwischen dem Respekt, der Achtung vor dem einzelnen Muslim und seinem religiösen Engagement einerseits und dem Inhalt seines Glaubens, der islamischen Lehre andererseits.

Wer aber im Sinne der Wertschätzung respektiert werden will, muss den Respekt zuvor erwerben und verdienen. Lediglich die Achtung und Wertschätzung, der Respekt vor der Würde eines jeden Menschen ist allen Menschen gemeinsam aufgetragen.

Muslime müssen sich jedoch fragen lassen, ob der Islam gerade in islamisch geprägten Ländern die Würde Andersglaubender und Andersdenkender „respektiert“, aber auch, ob sie, die Muslime, in nichtislamischen Ländern auf die Gefühle und Werte der nichtmuslimischen Mehrheitsbevölkerung genügend Rücksicht nehmen. Letztlich kann nur der für sich selbst und seine Überzeugung Respekt erwarten, der seinerseits Respekt hat vor dem gleichberechtigten Leben der anderen, so z. B. auch vor dem Leben der Islam-Apostaten und der sogenannten „Ungläubigen“.

Bei ihrem Einfordern von Respekt von der nichtmuslimischen Welt sind die Muslime vor allen auch zu fragen nach dem innerislamisch gelebten Respekt angesichts der blutigen islamischen „Bruder-Kämpfe“ seit Anbeginn dieser Religion bis auf den heutigen Tag.

Die Problematik der Spannung zwischen „Respekt vor dem Koran“ und „Respekt vor dem Leben des Menschen“ illustriert A. Hirsi Ali mit folgenden Worten: „Wenn ein Muslim sieht, wie jemand dieses Buch liest und behauptet, dieses wurde ihn kränken und seine religiösen Gefühle verletzen, dann sollte die Antwort lauten: ‚Was ist wichtiger? Deine heilige Schrift? Oder das Leben des Autors dieses Buches? Deine heilige Schrift? Oder der Rechtsstaat? Menschenleben, menschliche Freiheit, menschliche Würde: Sie sind alle wichtiger als jeder heilige Text‘.“

Auch die islamische Vorstellung vom Martyrium ist das pure Gegenteil dessen, was „Respekt“ vor der Würde und erst recht vor dem Leben Andersdenkender/-glaubender bedeutet.

„Im Abendland gibt es die Tradition, den eigenen Tod in Kauf zu nehmen, um das Leben anderer zu retten. Dagegen lehrt der Islam, dass es nichts Ruhmreicheres gebe, als Ungläubigen das Leben zu rauben, und wenn die Mordtat das eigene Leben kostet, umso besser“ (A. Hirsi Ali).

Wo ist da der Respekt vor dem menschlichen Leben? Nur wer im umfassenden Sinn des Wortes Respekt hat, hat auch entsprechenden Respekt verdient.

Wo bleibt übrigens der Respekt und die Sensibilität der hiesigen muslimischen Verbände vor Deutschland, wenn sie ausgerechnet den „Tag der deutschen Einheit“, 3. Oktober, in den „Tag der offenen Moschee“ umzufunktionieren und damit den an die deutsche Wiedervereinigung erinnernde Nationalfeiertag zu instrumentalisieren versuchen? Mit welchen Folgen müssten christliche Kirchen etwa in der Türkei rechnen, wurden sie den türkischen Nationalfeiertag zum „Tag der offenen Kirchen“ deklarieren? Wo blieb auch der Respekt vor der christlich geprägten Kultur des Gastgeberlandes, wenn Kurden ausgerechnet am 2. Weihnachtsfeiertag 2015 eine Großdemonstration in Düsseldorf durchführten?

„Respekt kann man nicht verlangen, man muss ihn sich erwerben… Und diejenigen, die am lautesten beklagen, nicht respektvoll behandelt zu werden, sind selbst am respektlosesten.“ (C. Hofmann)

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PP-Gastautor Dr. Udo Hildenbrand aus Bühl in Baden ist katholischer Priester und Spiritual eines Klosters

Zuletzt ist von ihm erschienen: “Wortmeldungen zum Islam”; es ist für € 11.80 portofrei über seine Adresse erhältlich: Dr. Udo Hildenbrand, Josef-Bäder-Weg 4 in 77815 Bühl.

Kontakt zum Autor können sie hier aufnehmen: e-mail