(David Berger) Die TV-Duelle, in denen Politiker danach beurteilt werden, wer sie denn gerne als Nachbar hätte, zu denen Angela Merkel mehr oder weniger das Drehbuch in ihrem Sinne schreiben lässt, Moderatorinnen sich schamlos auf eine bestimmte Seite schlagen und zuvor handverlesene, anscheinend ganz zufällig aus dem Publikum ausgewählte Gäste vorher abgesegnete Fragen stellen dürfen, haben den letzte Rest des Vertrauens der Bundesbürger in die Nannymedien endgültig zerstört.

Im Strudel dieses Abgrunds hat es das ZDF nun mit einer geschmacklos-perfiden Aktion hingekriegt, sich noch tiefer in den morastigen Bodensatz der bis in die letzte Pore ideologisierten Hofberichterstattung vorzuwühlen.

Es geht um Astri­d Passin. Sie fungiert als die Sprecherin der Hinterbliebenen der Opfer des LKW-Massakers auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Und wurde ursprünglich als Gast in die am vergangenen Donnerstag gesendete ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ eingeladen.

Wie die „Berliner Morgenpost“ nun berichtet, wurde ihr vom ZDF wenige Stunden vorher am Telefon abgesagt:

„Ich denke, meine Fragen wären denen zu unbequem gewesen“,

so Passin zur „Morgenpost“.

Das ZDF begründete die Absage damit, dass man sie vor eventuellen Attacken der Zuschauer bewahren wolle. Um welche Zuschauer soll es sich da handeln, um deren Attacken man fürchtet? Fans der Al Kaida oder der Isis, die sich darüber aufregen, dass ihren Opfern ein Gesicht gegeben wird?

In Wahrheit dürften ganz andere Dinge eine Rolle gespielt haben: Passin ist dafür bekannt, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt und auch Politiker für ihre Versäumnisse vor und nach dem Massaker sowie ihr pietätloses Verhalten kritisiert.

Sie wollte sich gegenüber dem ZDF auch nicht vorab auf den genauen Wortlaut ihrer Frage festlegen. Das war dann wohl für die Sprechpuppen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu viel des journalistischen Ethos …

An diesem Fall zeigt sich in extremer Anschaulichkeit die komplette Perversion der Nannymedien:

Im Wertesystem unsere Medien und Politiker scheinen die Verbrechen des Islam-Terrors inzwischen weniger kriminell zu sein als das kritische oder nicht beschönigende Reden.

Dass man dabei in einer pietätlosen Weise die Opfer und deren Angehörige erneut zu Opfern macht, scheint keinen zu stören:

„Wenn man in dieser schwierigen Zeit dann auch noch das Gefühl hat, von Politik und Behörden allein gelassen zu werden, wird das Leid wohl noch viel größer.“

– so Passin zu der Ausladung.

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