(David Berger) Nun durften wir also bei der angekündigten „Missgeburt“ (Nikolaus Brender) dabei sein. Und bekamen gestern Abend ein TV-Duell zu sehen, das die diesbezüglichen Erwartungen voll erfüllte.

Wolfram Weimer von The European schreibt dazu: „SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trafen sich zum großen TV-Duell – es wurden 90 Minuten biederer Langeweile. Die beiden Duellanten wagten kein Duell – sie tanzten ein Menuett der großkoalitionär-knorrigen Einigkeit.

Schulz warf Merkel zwar Fehler in der Flüchtlingskrise vor und markierte in der Türkeifrage den starken Mann. Umgekehrt hielt Merkel der SPD vor, bei der Rückführung von illegalen Migranten die deutsche Politik zu blockieren. Es gab ein kurzes taktisch-rhetorisches Mikado-Spielchen beim Thema Maut und bei er Rente mit 70 – das war es. Schon beim Dieselskandal flogen wieder die Wattebäuschchen der Einigkeit durch das Fernsehstudio.

Doch in der Substanz der Politik, in fast allen wesentlichen Sachfragen sind die Meinungsunterschiede der beiden winzig.

Zuweilen gewann man den Eindruck, Schulz bewerbe sich nicht um das Kanzleramt sondern um den Posten des Außenminister im neuen Kabinett Merkel.“

(Hier geht es weiter: THE EUROPEAN)

Karl-Theodor zu Guttenberg sieht das ähnlich wie Weimer. Schon kurz nach der Sendung gab er eine Analyse zum TV-Duell ab. Patrick Mayer berichtet darüber: „Bei der vermeintlich einzigen Chance Schulz‘, dem Thema Rente, sei „kaum ein Spannungsfeld sichtbar“ gewesen, sagte er weiter. „Die Kanzlerin hat das Thema abgeräumt. Ihm blieb nur, sich zu bedanken. Man hatte das Gefühl: Da finden sich zwei.“

Der bekannte Alternativ-Blogger Jürgen Fritz bemerkte schon gestern Abend:

„1.Sowohl inhaltlich als auch in der Inszenierung total langweilig.

2. Merkel war m.E. noch nichtssagender als Schulz. Ein einziges Wischi-Waschi, ohne jeden Esprit, ohne jede Vision, ohne jede Begeisterungsfähigkeit. Aber Schulz konnte abgesehen von ganz winzigen kleinen Pünktchen nichts daraus machen. Er konnte nicht klar machen, warum ein Wechsel zur SPD nötig ist. Diejenigen, die sich nach einem Wechsel sehnen, wollen noch weniger die SPD als die CDU. Die Parteien sind sich viel zu ähnlich. Das hat Merkel geschickt eingefädelt. Es gibt keinen wirklichen Grund, SPD zu wählen, weil Merkel nahezu alle SPD-Positionen schon abdeckt.

3. Fazit: Merkel hat heute nichts verloren und Schulz hat für die SPD nichts Nennenswertes gewinnen können. Das „TV-Duell“ wird für die Wahl kaum eine Rolle spielen.“

Eine ganz andere Sendung haben offensichtlich die Macher von Spiegel-Online gesehen, die ihre Resümee mit „Überraschung“ betiteln und wieder einmal Martin Schulz zum Helden des Tages bzw. des Abends erklären: „Martin Schulz tut, was er tun muss: Im TV-Duell greift er an, irritiert die Kanzlerin ... Es war ein munteres Duell, lebendiger als die vergangenen Aufeinandertreffen unter Merkel-Beteiligung. Das lag am SPD-Chef. Schulz wusste, dass er angreifen musste. Und das tat er. Schulz versuchte, die Amtsinhaberin in die Defensive zu drängen, bisweilen gelang ihm das auch.“

Zugleich übt SPON harte Kritik am Verhalten des in letzter Zeit wegen kräftiger Pannen ohnehin in die Kritik gerateten Sat 1-Moderator Claus Strunz: „Beim TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz hat Moderator Claus Strunz mit populistischen Formulierungen gespielt und ist nicht bei der Wahrheit geblieben – unter den Zuschauern sorgte er damit für Empörung.“

Mir bleibt es da nur noch meinen eigenen Eindruck kurz zu formulieren, der schon im Vorfeld durch die Diskussionen um die Einflussnahme Merkels auf die Redaktion der Sendung geprägt wurde:

So laufen eben TV-Duelle ab in einem Land mit Staatsrundfunk und ohne eine echte Opposition im Bundestag. In einem Land, dessen liebster Spruch die fatale Aussage „Es gibt keine Alternative“ geworden ist.

Wenn dieses Duell eines klar gemacht hat, dann, wie wichtig es für unseren demokratischen Rechtsstaat ist, dass dieser desolate Zustand am 24. September beendet wird.

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karen
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karen

Teile des „Duells“ Merkel/Schulz gestern abend im franz. Fernsehen gezeigt. Was die beiden “ Spitzenpolitiker“ von sich gaben war „Catering“ aber gewiss kein Duell wie wir Franzosen es von unseren Politikern gewöhnt sind. Kein noch so brennendes Thema wurde ausgeloten, geschweige denn mit Resolutionen bedacht. Mir kam der Verdacht eine Muppet Show zu sehen ( Piggy und Kermet berieseln sich) Im Anschluss dann eine Talkshow in der die Merkel als das was sie war, ist und bleibt zerredet wurde: eine linentreue SED/FDJ’lerin, Die Kunst mit der sie sich alle bemerkungswerte politische Gegner aus dem Weg schaffte war besonders erschreckend. Dass… Mehr lesen »

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[…] Deutschland: Pest oder Cholera? […]

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[…] Quelle: David Berger […]

Herzschmerz
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Herzschmerz

Zur „Spiegel“(-Online) – Meldung fällt mir nur noch Jürgen Elsässer ein:
„SPIEGELST DU NOCH – ODER REFLEKTIERST DU SCHON?“

Anja Faber
Gast
Anja Faber

Ich habe mir das Duell nicht angeschaut. Ich ertrage sie nicht mehr. Aber nun, beide erklärten nochmals, das der Islam zu Deutschland gehört. Das reicht mir schon. NEIN, er gehört nicht hierzu-nicht in Frankreich- nicht in Großbritannien- nicht in Schweden- nicht in Österreich- überhaupt nicht in EUROPA. Auch gehört hier nach Europa keine ZWANGSMIGRATION, bzw. Zwangsumsiedlung. Das UNHCR hat durch einen deutschen Vertreter offiziell über eine weitere Anzahl von Siedler, ja so werden sie genannt denn die Katze ist aus dem Sack, in Höhe von knapp 375.000 aus Nord,-Süd – und Westafrika verkünden lassen. Leider ist mir der Name entfallen.… Mehr lesen »

Hans Adler
Gast
Hans Adler

Vereint im Geist des politisch „Unfassbaren“ suhlten sich zwei Polit-Gladiatoren vor Millionen von Zuschauern jämmerlich im Sumpf des politischen Einheitsbreis, beide allerdings selbstsüchtig versehen mit dem Willen, der Kraft und der Stärke Deutschland weiterhin völlig abwirtschaften und umvolken zu wollen. Wer CDU/CSU oder SPD wählt, bekommt längst überfällige Auslaufmodelle politisch abgehalfterter Konstrukte gleich im Doppelpack. Hart kontrovers geführte Debatten waren nicht erkennbar, Merkel und Schulz gaben eine billige Vorstellung mit der Erkenntnis, wer Merkel will ist ebenso mit Schulz bestens bedient. Kein „Duell“, dieser spannend erwartete Auftritt. Vielmehr verstärkte sich der Eindruck, es handelt sich um eine TV-Götterdämmerung von bestens… Mehr lesen »

Edeltraut
Gast
Edeltraut

Das gestrige TV – Duell, das kein Duell war, hat sehr eindrücklich vor Augen geführt, dass es es zwischen der SPD und der CDU merkelscher Prägung keinen Unterschied mehr gibt.

Man war sich einig und hat sich gegenseitig durch Kopfnicken zugestimmt. Insofern gäbe Herr Schulz einen prima Vizekanzler unter Frau Merkel ab.

luisman
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Hat dies auf Nicht-Linke Blogs rebloggt.

Anna Lyse
Gast
Anna Lyse

Zwei xxx bei ihrem Kommentkampf. Wer sich so etwas anschaut, dem kann man nicht mehr helfen. Sehe ich diese Figuren, überkommt mich der Brechreiz.

merkel.muss.weg.sofort
Gast
merkel.muss.weg.sofort

An beide Schwafler einen Griff ranschrauben und wegwerfen.

Mareli S.
Gast
Mareli S.

Der CDU Wahl-Slogan lautet: Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben??????? Alleine für diesen hohlen Wahl-Spruch gehört diese Partei schon abgewatscht. Es wundert einem sowieso, dass darin noch das Un-Wort „Deutschland “ vorkommen darf! Ist das nicht etwa rassistisch? Richtig müsste es heißen: Für ein Deutschland in dem wir „wieder“ gut, gerne und gefahrlos leben würden! Ansonsten war dieses groß angekündigte Wahl-Duell-Spektakel eine leere Farce, inhaltslos und bis auf wenige Ausnahmen gleichgeschaltet. Von der absoluten Willkommenspartei SPD war zu Flüchtlings- und Migration Fragen nicht anderes zu erwarten, als das diese Probleme wieder klein und schön geredet wurden.… Mehr lesen »

Kerstin
Gast
Kerstin

Früher ist nach einem „Duell“ einer vom Platz getragen worden…….heute trifft man dabei Absprachen für die nächste Koalition!
Habe im Kindergarten schon „härtere“ Auseinandersetzungen erlebt.
Am schlimmsten fand ich persönlich die Äusserungen von Schulz: die Aussengrenzen können und sollen seiner Meinung nach nicht geschützt werden und das Zitat des schiitischen „Gelehrten“, das er sich eigentlich als „Höhepunkt“ aufheben wollte……
Tja, das können wir also erwarten, wenn er Kanzler würde: Keinen Grenzschutz und moslemische Zitate.
Was wir bei Frau Merkel erwarten können, wissen wir ja schon.

Heinz Maier
Gast
Heinz Maier

Deutschland befindet sich weiter in Geiselhaft dieser Frau, die partout keine Fehler zugeben kann. Also weiter unbegrenzte Einwanderung, kein Einwanderungsgesetz mit klaren Regeln,
europäischer Zentralstaat unter deutschem Diktat. Nichtmal über die Forderungen von Macron,
Geld für Frankreich, wurden gesprochen. Man(n) und Frau spielten sich die Bälle zu.

Joachim Kortner
Gast
Joachim Kortner

Meine Frau und ich haben nebenher Kreuzworträtsel gelöst…..

Giselle
Gast

Gestern beim Duell könnte man deutlich erkennen, dass Sie uns das Volk überhaupt nicht vertreten. Frau Merkel wird ihre Migrantenpolitik nicht ändern das hat sie nicht vor. Im Gegenteil sie sagte die Welt verändert sich jeden Tag und wir müssen uns neu orientieren und der Situation anpassen. Es gibt keine Obergrenze keine feste Zahlen zum Familiennachzug keine klare Kante. Herr Schulz spricht davon was ihm nicht gefällt aber Lösungen dazu hat er nicht, reden kann man viel aber für mich zählen die Taten. Über gestiegene Kriminalität wenig geredet und weiter hin sagte Merkel der Islam gehört zu Deutschland. Sie sagte… Mehr lesen »

Achim van Staa
Gast

Die laufen sich nur warm um wieder miteinander ins bett zu gehen am 24.9. —sprudelnde Langeweile und maskierte Unterschiede — ich glaube, dass war das langweiligste Fernsehduell ever ever ever

Kai Knut Werner
Gast
Kai Knut Werner

Eine kleine Anmerkung zum „Duell“!

„Jenseits von richtig oder falsch gibt es einen Ort, dort treffen wir uns.“
Martin Schulz zitiert den persischen Dichter, Philosophen, Religionsgelehrten und Mystiker Dschlauddin Rumi (1207-1273).

Der Mystiker Dschlauddin Rumi sagte auch:

Binde zwei Vögel zusammen; sie werden nicht fliegen können obwohl sie nun vier Flügel haben.

So könnte man auch den Wert des Duells sehen!

http://www.denkschatz.de/images/autoren/240/dschalal_ad_din_ar_rumi.jpg

ist nicht meine Wahl
Gast
ist nicht meine Wahl

Hab gestern ein interessantes Argument für die Wahl von Merkel gehört.
Deutschland geht so wie so unter. Mit Merkel kontinuierlicher und sicherer, so kann man sich noch besser 4 Jahre darauf vorbereiten. Nach der Methode der EZB, Zeit kaufen bis zum Untergang.

MoshPit
Gast

Hat dies auf MoshPit's Corner rebloggt.

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[…] TV-Duell zur Bundestagswahl: „Wattebäuschchen der Einheit“ […]