Ein Gastbeitrag von Johannes Gabriel*

Schwule & Lesben aller Länder: Besinnt Euch! – Was wollt ihr eigentlich mit der «Homo-Ehe» – und wozu? Ist die eingetragene Lebenspartnerschaft denn nicht die nahezu restlose Gleichstellung mit der Ehe, wie selbst der „Schwulen- und Lesbenverband Deutschlands“ bestätigt?

Handelt es sich also nur um die Kosmetik verbaler Bezeichnungen? – Ach ja, gut – ich verstehe: es geht um’s Adoptionsrecht. Was? – Ihr wollt nun auch noch Kinder? Ich fass es nicht, ich glaub es nicht! – Da haben wir jahrhundertelang um die Anerkennung unserer Differenz gekämpft, unserer Besonderheit und Auszeichnung nicht reproduktiver Sexualität; und da man sie uns endlich zugesteht, schmeißt ihr sie wieder weg!

Wir wollen so sein wie alle, heiraten wie Bravbürger Jedermann, Kinder haben & Familie gründen … Welch Selbstverrat! Welche Selbstverleugnung!

Was für eine Schwäche und Feigheit, die Besonderheit zu übernehmen, die wir sind, die Differenz zu leben, die uns ausmacht! – Seid ihr euch eigentlich klar darüber, wie sehr wir dadurch alles verraten, was wir sind? – Woher der Selbstverrat? – Hat man es uns also doch über die christlichen Jahrtausende ausgetrieben, zu unserer Differenz zu stehen, sie auch wirklich zu leben? So, daß wir gar kein Selbstvertrauen mehr zu uns haben – und allein deshalb so sein wollen wie alle, weil wir die monotheistische Diffamierung so gut geschluckt und verinnerlicht haben, daß wir uns sogleich wieder selbst negieren müssen, wo die allgemeine Öffentlichkeit dies nicht mehr tut?

Was scheren uns Kinder, wo unsere ganze Lust und Glückseligkeit nicht in biologischer Reproduktion, sondern in gleichgeschlechtlich verstärktem Schöpfertum besteht?

Was ist das überhaupt für ein «Kinderwunsch»? Wird euch das Kind nicht zur Ware narzisstischer Selbstbefriedigung? Oder eine soziale Verkleidung, hinter der wir uns nun wieder verstecken sollen? – Kinder kriegen – wie denn? Mit der Post aus der Gebär- und Besamungsmaschine? Ein bloßes «Ding», ein «Bio-Ding», wie eine Plastikpuppe, um daran Hetero-Papa-Mama zu spielen?

Habt Ihr noch Anstand, Charakter & Ethos im Leib? Oder meint ihr, das Unrecht, das uns widerfahren ist, gäbe uns nun das Recht, es ins Unrecht an anderen: eben den Kindern – umzukehren? Ist das nicht ein schändlicher «Wiedergutmachungskitsch»?

Hat denn das Kind, und d.h. jeder Mensch, nicht das Recht und vor allem die Sehnsucht, unter den emotionalen Bedingungen seiner heterogeschlechtlichen Erzeuger aufzuwachsen?

Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt, und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei, weil die sexuelle Outsider-Rolle eine habituelle Freizügigkeit erotischer Binnenverhältnisse ohne alle sexual-ethischen Normen ausgebildet habe?

Dazu noch eines: Und ich stelle euch jetzt und uns allen eine Frage, eine Frage, die ihr nicht öffentlich beantworten müsst – der Druck der «community» ist dazu viel zu groß. Nein, es ist eine Frage, die ihr euch in einsamster mitternächtlicher Stunde vorlegen sollt, mit äußerster Wahrhaftigkeit, nackt und unverhohlen, in letztem Ernst (wenn das überhaupt möglich ist):

Wer von uns – von allen emotionalen Problemen mit unseren Eltern abgesehen – würde sich denn wirklich wünschen, außerhalb der Geschlechterdifferenz aufgewachsen zu sein? Mit nur gleichgeschlechtlichen Eltern, seien sie nun von unserem eigenen oder dem anderen Geschlecht?

Ich auf jeden Fall wäre ungern mit zwei Vätern oder zwei Müttern aufgewachsen, eins von jedem reicht – und balanziert die andere Seite aus! Ist es nicht gerade die emotionale, affektive, charakterliche und lebendige Differenz des Männlichen und Weiblichen, was uns in den bunten Reichtum des Lebens eingeführt hat – und uns zu dem werden ließ, was wir sind – als Andere? Ist nicht die Auseinandersetzung mit dem eigen- und fremdgeschlechtlichen Elternteil für uns alle von tiefster Bedeutung?

Und das wollt ihr nun den anderen Menschen: jenen Kindern, die ihr adoptieren wollt – wegnehmen? Und wozu? – Um eure verinnerlichten Komplexe nicht reproduktiver Sexualität mit «Familie spielen» zu kompensieren?

Ist es nicht ein Verrat an just der Vielfalt des menschlichen Eros, für die ihr zu stehen vorgebt?

Und dazu wollt ihr unschuldiges Kindesleben missbrauchen? Besinnt euch! Man komme mir nicht mit dem Einwand, auch in Hetero-Familien & bei Alleinerziehenden etc. ginge so vieles schief für die Kinder, da komme es doch auf die Homo-Ehe nicht mehr an! Denn das kann ja für die staatliche Gesetzgebung kein Maßstab sein; sie muß an einem Ideal und Vorbild festhalten und kann nicht alles zum Teufel schicken, nur weil gesellschaftlich einiges aus dem Ruder läuft. Und kümmert euch nicht um die Heteros und ihren «Wiedergutma­chungs­kitsch»! Das sind alles Schuldgefühle, die wir nicht mit Homophobie-Geschrei mißbrauchen sollten. #

Die Homo-Ehe ist kein weltpolitisches Zentralproblem, wie die sich uns anbiedernden Parteien jetzt – vor der Bundestagswahl – weismachen wollen (vielleicht auch nur, um von anderen wirklichen Problemen abzulenken!). Besinnen wir uns – denn auch wir stehen in ethischer Verantwortung! Jenseits der Libido!

Ok, gut, ich habe verstanden – es geht nicht um’s Kinderkriegen, sondern um’s Erbrecht. Man adoptiert, um sein ganzes Lebenswerk weitergeben zu können, ohne dass es durch die Erbschaftssteuer verstümmelt oder gänzlich zertrümmert wird. Da haben wir es in der Tat mit einer Diskriminierung zu tun, wenn nur gesetzliche Kinder erbrechtlich privilegiert sind. Aber das ließe sich doch so lösen, dass man das Adoptionsrecht für Gleichgeschlechtliche beschränkt auf Erwachsene (ab Erreichen der Volljährigkeit), also umwillen des Kinderschutzes alle Kinder & Jugendliche davon ausnimmt (es sei denn, wie jetzt schon in der Lebenspartnerschaft vorgesehen, dass es leibliche Kinder von einem der beiden Gleichgeschlechtlichen sind). Dann wäre doch die Kuh vom Eis, die in Frankreich zu so vielen Massendemonstrationen geführt hat.

Wobei mich übrigens die immer wieder geäußerte Behauptung wundert, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sei für die Homo-Ehe: Warum macht man dann nicht einfach eine Volksabstimmung, da es sich doch um ein Thema allgemeiner ethischer Relevanz handelt? – Oder sind das alles nur Unterstellungen von Wünschbarkeiten, um Mehrheitsdruck auszulösen? Vielleicht, damit die Auftraggeber solcher Umfragen zufrieden gestellt werden?

Ich gehe jedenfalls von konträren Erwartungen aus und glaube, dass die Mehrheit deshalb und nur deshalb gegen die Homo-Ehe ist, weil sie gegen die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare ist.

Wobei übrigens die Rede vom «Kindeswohl» nicht unterstellt, Gleichgeschlechtliche seien weniger sorgsam, liebevoll etc. zu ihren Kindern, sondern, dass es zum Wohl des Menschen, seiner harmonischen Ausbildung gehört, innerhalb und an der Geschlechterdifferenz aufzuwachsen. Das habe ich oben schon so notiert.

Ich weiß nur zu gut, wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der gay-community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als «Verräter» gebrandmarkt. Aber wir sollten auch noch etwas anderes sein als ein Libido-Club – politisch verantwortliche Bürger. Die Grünen fanden das Sex mit Kindern in den siebziger Jahren eine tolle Sache – jetzt lecken sie sich reumütig die Wunden: aber der Schaden ist unwiederbringlich da. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind schon voll genug – machen wir uns nicht mitschuldig an der folgenden Generation!

Es ist auch unsere Verantwortung. Deshalb noch einmal: Besinnen wir uns – was ist sinnvoll und gerechtfertigt und was nicht? Denn der Mensch, das menschliche Leben ist kein Spielzeug!

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*Ein Portal „media.de“ behauptet, dass der Name ein Pseudonym ist. Das ist bei Gastbeiträgen auf PP nichts Außergewöhnliches. Mancher Redakteur einer großen Zeitung oder Zeitschrift kann es im gegenwärtigen Klima nicht riskieren, manche Fakten mit seinem Echtnamen zu benennen. Zumal wenn er im RRG-regierten Berlin lebt. Die Diskussion um diesen Beitrag zeigt dies sehr deutlich.

Dazu FAZ-Redakteur Reinhard Müller bei media.de: „Der Autorenname ist ein Pseudonym. Der tatsächliche Name ist der Redaktion bekannt. Der Autor verweist im Text darauf, ‚wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der Gay-Community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als ‚Verräter‘ gebrandmarkt‘. Diese Befürchtung scheint, wie einige Reaktionen zeigen, nicht unberechtigt gewesen zu sein.“

Besonders spannend ist es nun mit anzuschauen, wie sich die Nannymedien in den abstrusesten Verschwörungstheorien suhlen:

Vatikan, Rechtsradikale, Schwule, Geheimnamen und ein Blog, dessen Namen man nicht nennen darf. Fehlen eigentlich nur noch die BilderBERGER, liebe Kollegen!

Gegen diese Aluhüte, die sich da die Nannys der Nation aufsetzen, ist das „Wir impfen keine Ufos“-Magazin dagegen richtiger Qualitätsjournalismus!

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