(David Berger) Nachdem gestern Abend das legendäre Festival „Rock am Ring“ wegen konkreter Terrorgefahr unterbrochen werden musste, soll heute um 11 Uhr verkündet werden, ob man die Veranstaltung fortsetzt oder sie ganz abbricht. Zuständig ist dafür federführend der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Ich bin kein Sicherheitsfachmann, aber wenn ich es einmal rein strategisch und ebenso zynisch machtpolitisch betrachten würde, wie das unsere Politiker für gewöhnlich tun, würde ich sagen: natürlich muss es heute weitergehen.

Wir können doch nicht über die Jahre die Devise ausgeben, dass wir den Terroristen nicht die Freude machen sollten, irgendetwas zu verändern. Und dann schon bei der ersten Terrorgefahr, von der wir nicht einmal wissen, wie konkret sie ist, zu Tausenden einfach davon laufen.

Ebenso verkünden wir seit Jahren, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass wir zuhause beim Abspülen von einem Blitz getroffen werden oder bei einem Autounfall ums Leben kommen, als von einem Allahu-Akbar-Terroristen getötet zu werden.

Nach dieser Logik kann Lewentz, zumal als SPD-Mann mit einer Genossin wie Özoguz an seiner Seite, jetzt nicht ein ganzes Festival stoppen, wenn er kurz zuvor trotz Unfallgefahr die Autobahnen hin zum Festivalgelände nicht auch hat sperren lassen. Man fragt sich auch, was die ganzen Polizisten bei dem Festival machen. Wenn ich abspüle, wird ja neben mir auch kein Blitzableiter aufgebaut.

Die Besucher des Festivals scheinen ähnlich zu denken. Liest man die zahlreichen Kommentare zum aktuellen Geschehen auf der Seite des Festivals durch, votieren ca. 90 % für eine unbekümmerte Fortsetzung. Grundtenor bei fast allen:

„Die Freude das ganze jetzt zu stoppen, machen wir weder der AfD noch den Terroristen“.

So wird man da etwa belehrt: „Wie viele Menschen sind in den letzten beiden Jahren in Deutschland durch Terroranschläge getötet oder verletzt worden? Mach dir lieber Sorgen um Haushaltsunfälle, Verkehrsunfälle, Badeunfälle, multiresistente Keime oder lückenhaften Impfschutz. Gib den Terroristen nicht was sie wollen: deine Angst und deinen Hass.“

Oder eine andere Besucherin schreibt: „Das ist das erste was einen in den Kopf kommt, “wie tief steckt die AfD da mit drin‘?“

Und ein weiterer pflichtet ihr bei: „Einfach mal ein bisschen alternative News verbreiten: wem nützt so ein (nicht stattfindender/stattgefundener) Anschlag auf ein großes Festival?? Natürlich den Alten Naiven für Deutschland. Die haben’s schon immer gewusst. Und dass jetzt keine Bombe hochgegangen ist und wahrscheinlich überreagiert wurde –> ist doch egal, wir wissen, dass die Muslime schlechte Menschen sind; dann schlagen sie halt nächstes Mal zu. Billiger Wahlkampf (irgendeine Wahl ist doch bestimmt bald) auf Kosten der Festivalbesucher?“

Diese Kommentare zeigen recht deutlich: Bei so viel Lernbedarf auch auf Seiten der Besucher ist der zynische Sadismus mit dem unsere Politiker die Devise ausgegeben haben „Einfach weiter so!“ durchaus angebracht.

Vielleicht sollten wir als beeindruckenden Beweis unseres festen, echt deutschen Willens zum „Unbekümmert weiter so“ auch die ganzen Polizisten dort abziehen. So können wir den Terroristen doch noch deutlicher zeigen, dass wir uns von ihren Drohungen nicht beeindrucken lassen.

Wie auch immer: Am Nürburgring sollte es heute weite gehen!