Ein Offener Brief an Christian Stöcker (SPON) von Akif Pirinçci

LIEBER CHRISTIAN STÖCKER VON SPIEGEL ONLINE,

in deiner Kolumne vom 7. Mai verrätst du, welch widerliche Haß-Mails du auf deine islamophilen Texte bekommst, auf die du dann in deinem unnachahmlichen Kaltblüter-Stil rational eingehst. Zum Beispiel solcherart:

„In dieser jüngsten erklärte mir der Autor, er `hoffe´ ich werde – nicht würde – auch dann noch `so schön rational´ bleiben, wenn, `ihre Tochter von einem muslimischen Migranten vergewaltigt und ermordet wird. Oder wenn ihr Sohn von einem Islamisten in Stücke gerissen wird. Oder ihre Frau vor Ihren Augen enthauptet wird´. Der Indikativ `wird´ ist hier wichtig, denn er zeigt an, dass es sich bei den geschilderten Ereignissen in der Fantasie des Autors nicht um Möglichkeiten handelt, sondern um Dinge, die definitiv geschehen werden. Er scheint sich geradezu auf diese fiktive Zukunft zu freuen.“

Das ist natürlich nicht schön, sowas, aber einem tapferen und vom Staat alimentierten Multikulti-Soldaten wie dir (Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) gehen solche Hyperventilationen in Wahrheit am Arsch vorbei.

Weißt du doch ganz genau, daß deine Tochter nicht von einem muslimischen Migranten vergewaltigt und ermordet, dein Sohn nicht von einem Islamisten in Stücke gerissen und deine Frau nicht vor deinen Augen enthauptet werden wird. Das passiert nämlich stets den anderen, jenen, von denen wir manchmal in der Zeitung lesen, mehr aber im Internet, nie und nimmer aber uns.

Selbstverständlich ist das nicht die feine englische Art, einen Autor so rüde anzugehen, und du hast vollkommen recht, daß dieser Schreiberling sich solche Zustände herbeisehnt, um recht zu behalten.

Es gibt jedoch einen anderen Grund für derlei fatalistische Denke: Nicht wenige Menschen in diesem Land sind verzweifelt, sei es, weil ihr Grundbesitz durch die Einquartierung der Eindringlinge vor ihre Nase an Wert verliert; sei es, weil sie sich um ihre eigene Sicherheit und um die ihrer Familie sorgen; und sei es, weil sie einfach ihr altes Deutschland wiederhaben möchten, das Land, das von Kindesbeinen an ihre Heimat gewesen war und das sich dieser Tage so rasant und unübersichtlich verändert.

Mit sehr ungewissem Ausgang. Deshalb erbrechen sie ihre Ängste, ihre Wut und ihre Verzweiflung in Haßbriefen, adressiert an solche wie dich, von denen sie annehmen, diese redeten die Lage schön.

Und was soll ich sagen, Christian, so unrecht haben sie nicht, wenn ich mir deine absonderlichen Argumente für den Gegenbeweis so betrachte:

„Jedes Mal, wenn ich eine dieser E-Mails bekomme, frage ich mich, was genau diese Leute an- und umtreibt. Ich persönlich halte es für ausgeschlossen, dass in Deutschland demnächst das Grundgesetz durch Scharia und Schreckensherrschaft ersetzt wird. Menschen wie der Mailschreiber behandeln diese Entwicklung dagegen als Gewissheit.“

Richtig, Christian, der Meinung bin ich auch: Da wird nicht bald ein/e Bundeskanzler/in überraschend eine Ansprache an das Volk halten und verkünden, daß nun das Grundgesetz durch die die Scharia ersetzt worden sei.

Deine Argumentation ist dennoch arg durchsichtig – und dämlich. Es gibt nämlich eine prima Alternative zu dem Brachialschnitt, ein Zwischending sozusagen.

Das Grundgesetz kann auch bis zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt werden, wenn niemand dagegen etwas unternimmt. Durch falsche Toleranz, Rücksichtnahme auf bestimmte (Un-)Kulturen und Religionen, Verleugnung der eigenen Identität und beharrliches Stillschweigen über den täglichen Rechtsbruch.

Nur ein Beispiel: Seit drei Jahren erscheint eine 16jährige Schülerin aus Belm (Landkreis Osnabrück) vollverschleiert zum Unterricht. Das ist eigentlich verboten. Auf Strafmaßnahmen gegen das Mädchen und ihre Eltern wurde bisher aber verzichtet, die Schule tolerierte die Verschleierung. Nun hat der Kultusausschuß des Landtags sich eingeschaltet und entschieden: Die junge Frau darf ihren Niqab, der nur einen Schlitz für die Augen frei läßt, weiter tragen.

Kannst du mir mal verraten, was das mit dem Grundgesetz und der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu tun hat? Und komm mir jetzt nicht damit, daß das Mädchen sich ja schließlich freiwillig verschleiere. Du als schlauer Professor kannst dir ausmalen, welche Signalwirkung an andere muslimische Mädchen von solch einem Akt ausgeht. Gruppenzwangmäßig, meine ich.

Übrigens argumentieren auch „südländische“ Männer, die ihre Frauen oder Töchter wegen der „Ehre“ entsorgt haben, mit der Fremdkultur- und Religionsmasche vor Gerichten und bekommen so nicht selten milde Urteile. Was, wenn derartiger Wahnsinn sich zu einem ungeschriebenen Gesetz für ganz Deutschland ausgeweitet?

Werden dann unsere ach so mutigen Grundgesetzhüter wie ein Mann aufstehen und den Moslems „Stop!“ entgegenrufen? Oder werden sie die Zumutungen nicht relativieren, umdeuten, verharmlosen und schließlich dulden, so wie das Schweinefleisch-Verbot in den Kindergärten inzwischen zum Gesunde-Ernährung-Tralala umgelogen wird?

Hinzu kommt, daß der Moslem im öffentlichen Diskurs schon längst zu einem Unberührbaren gesalbt worden ist, dessen freiheitsfeindliches, mittelalterliches, machohaftes, immer öfter gewalttätiges, insbesondere jedoch frauenfeindliches Gebaren wenn überhaupt mit spitzen Lippen und hinter vorgehaltener Hand kritisiert werden darf.

Der Verweis auf die gesetzlich garantierte Religionsfreiheit läuft ins Leere. Erstens entstand dieses Gesetz zu einer Zeit, als Deutschland bereits säkularisiert war und man nicht einmal im Traum daran dachte, daß eine sehr große Bevölkerungsgruppe ihre Lebensweise nach einem religiösen Diktat richten würde.

Zweitens ist der heutige Islam keine Religion im spirituellen Sinne, sondern eine absolut diesseitige und detaillierte Handlungsanweisung für den Gläubigen, die er im gesellschaftlichen, politischen, zwischenmenschlichen sowie sexuellen Bereich unter Intoleranz anderer Weltanschauungen anzuwenden hat.

Und drittens endet jede Religion, die mit Hingabe und nach den Buchstaben eines sogenannten heiligen Buches ausgeübt wird, über kurz oder lang in unermeßlichem menschlichen Leid, da sinistere, geschäftstüchtige oder schlicht und einfach irre Cliquen sie stets zu ihren verderblichen Zwecken instrumentalisieren. Das kennen wir aus unserer eigenen Geschichte.

Deshalb, lieber Christian, ist es völlig wurscht, ob man in ein paar Jahren die vollständige Knebelung der Gesellschaft und die Abschaffung des Individuums samt seiner freiheitlichen Rechte durch den Islam Scharia nennen wird oder weiß der Teufel was.

Im Ergebnis kommt das Gleiche heraus. Im übrigen sind sowohl das Grundgesetz als auch der Koran bloß gedruckte Bücher. Es sind die Menschen, die das, was darin geschrieben steht, für voll nehmen oder eben nicht. Ob solcher Gedanken, die auch dir wohl durch den Kopf gewandert sind, wirst du prophylaktisch mathematisch:

„Erstens muss derjenige, der diese Zukunft für eine reale Bedrohung hält, die beobachtbare Realität sehr effektiv ausblenden. Derzeit stammen von 100 in Deutschland lebenden Menschen ungefähr fünf oder sechs aus muslimisch geprägten Kulturen. Die allermeisten davon möchten selbstverständlich nicht unter einem IS-ähnlichen Regime leben, ein gewisser Anteil ist davor ja sogar unter Lebensgefahr geflohen. Etwa die Hälfte der Muslime in Deutschland hat türkische Wurzeln […]. Befragt man die Deutschen, wie hoch der Anteil wohl ist, bekommt man aber ganz andere Zahlen zu hören. Im Mittel auf 21 Prozent schätzen Deutsche den Bevölkerungsanteil von Muslimen, also viermal so hoch wie in der Realität.“

Die Zahlen hast du vom „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, Christian, also einem Saftladen, der nicht mal genau beziffern kann, wer Flüchtling, Asylbetrüger, Migrant, Paß-Deutscher, Tourist oder Außerirdischer ist. Ungefähr fünf oder sechs unter Hundert der im Lande lebenden Menschen sollen muslimisch geprägten Kulturen entstammen? Wo lebst du eigentlich?

Selbst in der Provinz und im letzten Dorf ist inzwischen jeder Fünfte, der einem entgegenkommt, dunkelhäutig und vermutlich muslimischen Glaubens. Aber egal, ich will es dir mal abnehmen. Weil du dich nämlich durch diese Aussage selbst ad absurdum führst. Mit der möchtest du uns zeigen, wie klein und vernachlässigbar diese Glaubensgemeinschaft im Vergleich zu der Bevölkerungsmehrheit ist.

Netter Versuch, aber ganz und gar lächerlich. Vielleicht sind deine Augen in den letzten 30 Jahren immer schlechter geworden und deine Wahrnehmungsfähigkeit ebenso.

Hast du im Ernst nicht mitgekriegt, wie diese putzige Mini-Gruppe inzwischen die Republik umgekrempelt hat? Siehst du nicht auf Schritt und Tritt Bekopftuchte und Verschleierte auf der Straße, insbesondere in den Großstädten?

♦ Registrierst du nicht, daß sogar in einer Kleinstadt heutzutage mindestens eine Moschee steht?

♦ Guckst du dir keine Kriminalstatistiken an und konstatierst, welcher Schlag Übeltäter die meisten Verbrechen fabriziert und vorherrschend im Knast einsitzt?

♦ Ist es dir entgangen, daß selbst der dem Deutschen so heilige Tierschutz zugunsten ekelhafter Rituale eines Aberglaubens (Schächtung) geopfert wird?

♦ Liest du nie etwas darüber, wer mehrheitlich die Sozial- und Krankenkassen bis zum Anschlag belastet?

♦ Spürst du nicht, wie weit so etwas Überholtes wie der Gotteswahn, der für uns nur noch eine Art Folklore, im gewichtigsten Falle Seelen-Wellness darstellt, die Meinungsfreiheit Schritt um Schritt stranguliert?

♦ Bist du wirklich so blind, zu glauben, daß diese fünf oder sechs Leute unter Hundert hätten keinen sukzessiven Schwenk Deutschlands hin zur Vorzivilisation bewerkstelligt?

Ach, noch etwas, Christian: Diese Fünf-oder-sechs-zu-Hundert-Formel mag vielleicht für die Erwachsenen gelten, aber mitnichten für Kinder und Jugendliche. Geh doch mal in die Kreißsäle, in die Kindergärten, in die Schulen und schau, welcher Religion die junge Generation mittlerweile fast hälftig angehört. Deshalb frage ich dich:

Wenn solch ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung bereits jetzt derartige Umwälzungen und Veränderungen in unserem Land auslöst, wie sieht es dann aus, wenn dieser Prozentsatz sich künftig verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht oder verfünffacht?

Derlei Furcht begegnest du mit abgedroschenem One-world-Geschwurbel. Nicht alle Moslems strebten eine religiös-fundamentalistische Herrschaft an, wollten ein blutiges Regime, in dem Kinder vergewaltigt und Frauen geköpft werden, und favorisierten eine muslimische Terrorherrschaft.

„Dass es tatsächlich Orte gibt, an denen muslimische und nichtmuslimische Kinder einträchtig miteinander Fußball spielen, kann und darf in der dunklen Welt von Menschen wie dem Mailschreiber nicht wahr sein“,

schreibst du. Das glaube ich dir aufs Wort. Auch in muslimischen Ländern gibt es mit absoluter Sicherheit jede Menge fabelhafter Menschen, die völlig friedlich leben und nichts als ein bißchen Spaß im Leben haben wollen.

Viele von ihnen sind bestimmt total tolerant, von der Gleichwertigkeit der Frau mit dem Manne überzeugt, wissensdurstig, modern im Geiste, und ihr Glaube spielt für sie keine große Geige.

Sind ja nicht alle Terroristen, ist dein Schlußtenor. Alles schön und gut. Bloß sehen die muslimischen Länder halt so aus wie sie aussehen, und die muslimischen Enklaven hier bei uns ebenso, eben weil es einen islamischen Kollektivcharakter gibt.

Und der gebiert nicht nur in der Regel, sondern stets unausweichlich Destruktives. Selbst in der seinerzeit durch Atatürk mit brutalen Methoden modernisierten Türkei hat sich dieser Islam-Geist nur ein paar Jahrzehnte im Untergrund gehalten, bis er schließlich um so vehementer eruptierte.

Ich will mit alldem sagen, Christian, daß dein Bild von den muslimischen und nichtmuslimischen Kindern, die einträchtig miteinander Fußball spielen, ganz rührend und hoffnungsspendend ist. Allerdings ist es gleichzeitig auch ein schiefes Bild.

Daß diese Kinder in der Zukunft eine gemeinsame deutsche, meinetwegen westliche Identität entwickeln werden, kann ich daraus nicht herauslesen. Eher macht ein jeder sein eigenes Ding und kommt nur zum Fußballspielen mit anderen Gruppen zusammen.

Es existiert kein muslimisches Land auf der Erde, in dem nicht die allseits bekannten islamtypischen Häßlichkeiten, Bestialitäten, Deformationen und kuriosen Blüten der Geschlechterapartheit vorkommen. Wieso sollte es im immer islamischer werdenden Deutschland anders werden? Über eine Antwort würde ich mich freuen, Herr Professor.

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Von dem Autor ist soeben neu erschienen:

DER ÜBERGANG – Bericht aus einem verlorenen Land 

(224 S., brosch., 14,00 €)