(David Berger) Heute wird der „Papa emeritus“, Benedikt XVI. 90 Jahre alt. Außer Pius XII. wurde in den letzten 100 Jahren vermutlich keinem anderen Papst so viel ungerechte Einschätzung zuteil, wie diesem Papst. Wenn man Pius XII. als den letzten wahren Römer auf dem Stuhl Petri bezeichnet, so muss man wohl Papst Benedikt XVI. als den letzten echten Abendländer* in diesem Amt bezeichnen. In ihm kulminiert noch einmal die ganze Größe jener geistigen Heimat, die derzeit in Windeseile zu zerfallen droht.

Einer, der immer versucht hat, dem Missverstehen Benedikts gegenzusteuern, ist Peter Seewald. Wer dessen jüngst erschienenes Interview-Buch mit Benedikt XVI. „Letzte Gespräche“ liest, vor dem ensteht noch einmal ein Panorama des Lebens und der Amtszeit des ersten Bayern auf dem Thron Petri.

Die „Zeit“ hat anlässlich des 90.Jährigen mit Seewald gesprochen, Cathwalk stellt das Interview heute zur Verfügung.

Interessant ist dabei, was Seewald auf die Frage, wie es Benedikt heute geht, antwortet:

„Natürlich leidet er auch unter der gewaltigen Glaubenskrise, die selbst viele Verantwortliche in der Kirche noch nicht richtig erkannt haben.“

Ein einzige Satz aus dem Interview sei noch hervorgehoben, da er m.E. das wichtigste Leitmotiv des Pontifikats dieses Papsts unterstreicht: Benedikt XVI. als Stachel im Fleisch des Zeitgeists:

„Er hat sich immer mutig eingemischt, gegen Tendenzen gestellt, von denen er überzeugt war, dass sie den Menschen, der Welt oder der Kirche schaden. Ratzinger ist immer auch eine Art Widerstandskämpfer gewesen: Aus der Erfahrung der atheistischen Diktatur heraus hat er dafür eine besondere Sensibilität. Er hat es aber nie beim Widerspruch belassen, sondern immer auch Lösungen angeboten. Er hat sich in schwierigen Situationen als Knotenlöser erwiesen, der mit Kopf und Herz den Menschen Orientierung geben kann. Joseph Ratzinger träumte davon, als Professor ein theologisches Werk zu schaffen, das unserer Zeit wieder Christus zeigen kann. Aber er hat sein Lebensglück ganz dem Dienst für die Kirche geopfert. Die Berufungen zum Erzbischof und zum Präfekten waren alles andere als seine persönlichen Sternstunden.“

Wer an seine Regensburger Rede zum Thema Islam denkt, wer seinen Widerstand gegen die Diktatur des Relativismus, sein Eintreten für die große Tradition der klassischen Liturgie, wer seine tiefe Liebe zu dem kennt, was wir zurecht das Abendland nennen, der weiß dass die große Zeit dieses letzten Abendländers auf dem Stuhl Petri erst begonnen hat. Oder um es mit seinem Nachfolger Papst Franziskus zu sagen:

„Sein Geist wird von Generation zu Generation immer größer und mächtiger in Erscheinung treten.“

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*Abendländer ist etwas anderes als Europäer!