(David Berger) Ein bisschen wird vielen Lesern die ganze Geschichte wie jene der biblischen Bekehrung vom Saulus zum Paulus vorkommen – nur dass wir es hier mit einer weiblichen Protagonistin zu tun haben:

Dunja Hayali ist zu einer Art anständigem „Cover-Girl“ der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit “ konvertiert – was offensichtlich ihrer Einstellung sehr gut getan hat.

In dem ganzseitigen Interview mit der Jungen Freiheit, das heute erscheint, hat ZDF-Moderatorin Dunja Hayali von Journalisten mehr Distanz bei der Berichterstattung angemahnt. Sie finde es „sehr befremdlich, wie viele Journalisten ihrer persönlichen Freude über die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz in ihrer Berichterstattung freien Lauf gelassen haben“, sagte Hayali gegenüber der Wochenzeitung Junge Freiheit.

Im Gespräch mit der JF forderte Hayali zudem einen unvoreingenommenen Dialog über die politischen Grenzen hinweg.

„Wir müssen die Meinung des anderen aushalten können, ohne sie sofort zu verunglimpfen oder persönlich zu werden.“

Zu einer Demokratie gehörten auch unterschiedliche Meinungen. „Demokratie kann nicht nur aus ‘Mitte’ bestehen, zu ihr gehören auch Links und Rechts – zumindest solange die Linie nicht überschritten wird, die die Grenze der Demokratie markiert.“

Interessant ist auch, wie sie von ihren Begegnungen bei einer AfD-Demo in Erfurt berichtet:

„Da war zum Beispiel „die Frau mit der Kerze“, die auf meine Frage, warum sie bei der AfD mitdemonstriere, sagte, weil sie das alles nicht mehr verstehe: Warum sie so wenig Rente bekommt. Wo das ganze Geld hingeht. Zudem sei sie verunsichert darüber, was der Islam eigentlich ist und will. Das sind in ihrer Wahrnehmung berechtigte Fragen …

… und sie hat den Eindruck, darauf von der Politik keine Antworten zu bekommen. Und diesen Mißstand, das muß man einräumen, hat die AfD erkannt und besetzt – Schwung in die Sache gebracht. Und das wiederum tut der Demokratie gut!“

In diesem Zusammenhang positioniert sie sich auch gegen das aggressive Verhalten, und zwar auch jenem gegenüber Konservativen: „Gewalt – auch nur ihre Androhung – muß geächtet werden! Ob gegenüber Bürgern, Politikern, Journalisten oder sonstwem. Natürlich auch gegenüber den Journalisten Ihrer Zeitung. Ebenso wie gegenüber den Mitgliedern der AfD oder jeder anderen demokratischen Partei oder Institution. Gewalt, Drohungen und Beleidigungen bringen uns doch immer weiter auseinander!“

Dieter Stein, der verdiente, sonst immer äußerst trocken sachlich wirkende Chefredakteur der „Jungen Freiheit“, konnte sich denn auch dem Charme Hayalis nicht ganz entziehen. In seinem Kommentar schreibt er in derselben Ausgabe der JF: „Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali plädiert im Gespräch mit der JF dafür, den Dialog über politische Grenzen hinweg offener zu führen. Sie kritisiert die eigene Journalistenzunft, zu häufig die Distanz zu verlieren und den eigenen Vorurteilen nachzugeben.

Ich meine, man sollte sie beim Wort nehmen, und ich will mir gerne an die eigene Nase fassen. Vielleicht bewegt sich ja doch etwas. Verlassen wir alle unsere Echokammern, in denen wir uns manchmal nur noch selbst bestätigen. Der politischen Kultur täte es gut.“

Wird Dieter Stein nun zum neuen Heribert Prantl und Dunja Hayali zur Nachfolgerin von Eva Herman?

Ich denke, da müssen wir uns keine Sorgen oder Hoffnungen machen. Beide plädieren für einen Dialog, der gerade durch Widersprüche und das Andersein des Anderen gewinnt. Wenn dieser auch noch durch den gegenseitigen Respekt getragen ist, könnte er mit zu einer Wende im derzeit virtuell ausgetragenen Bürgerkrieg beitragen.

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