(David Berger) Der bekannte Blog „Tapfer im Nirgendwo“ stellte vor einigen Tagen das neue Buch des weltbekannten jüdischen Autors Tuvia Tenenbom vor. Dieser hatte im vergangenen Jahr den „Preis für ehrlichen Journalismus“ der „Jüdischen Rundschau“ verliehen bekommen.

Runde
Kleine Runde im Hotel Adlon – Tenenbom (Mitte hinten) und Pirincci (mit dem Rücken zum Fotografen) (c) David Berger

Nach der Preisverleihung traf ich in kleiner Runde im Berliner Hotel Adlon mit Akif Pirinçci, dem Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, Alexander Wendt vom „Focus“ und Tuvia Tenenbom, dessen wunderbarer Frau und einigen anderen interessanten Persönlichkeiten zusammen.

Und ich – verdorben durch den Konsum unserer Nannymedien und deren Kampagne gegen Pirinçci – war zunächst ganz erstaunt, wie gut sich der angeblich rechtspopulistische und homophobe Pirinçci  mit Tenenboom und dem schwulen Zaungast (mir) unterhielt und wie viele gemeinsame politische Positionen, aber auch Sorgen um die freie Welt uns verbinden.

Erneut bestätigt sah ich diese erstaunliche Gesinnungsverwandtschaft nun angesichts einer Buchbesprechung des neuen Tenenboom-Buches durch Gerd Buurmann, ais der ich hier eine längere Passage zitieren möchte:

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„Sie und ich mögen seine Worte nicht gut heißen, doch ich finde, er hat das Recht, sie zu äußern. Hätte er sich entsprechend über Juden geäußert, dann würde ich ihm genau dasselbe Recht zubilligen, obwohl ich schließlich selbst jüdisch bin. Denn, hey, lieber weiß ich, was die Leute über mich denken, als meine Zeit mit ‚Liberalen‘ zu vergeuden, die mir Liebe schwören, mich und andere Juden aber in Wahrheit nicht ausstehen können.“

Diese Worten stammen von Tuvia Tenenbom. Sie finden sich im 21. Kapitel seines neuen Buchs „Allein unter Flüchtlingen“. Allein schon für dieses Kapitel lohnt sich die Lektüre des Buchs. Während des Lesens des Kapitels sind mir mehrfach Schauer über den Rücken gelaufen. Das Kapitel trägt den Titel: „Der Volksfeind“.

Tuvia Tenenbom schildert in diesem Kapitel sein Treffen mit dem deutschen Autor Akif Pirinçci.

Man muss diesen Mann nicht mögen, um zu erkennen, wie viel Unrecht und Gewalt ihm in Deutschland angetan wird. Man muss jedoch ein sehr selbstgerechter Deutscher sein, um die Gewalt, die ihm alltäglich angetan wird, zu rechtfertigen oder achselzuckend hinzunehmen.

Es ist egal, was Akif Pirinçci geschrieben hat, es ist falsch, was ihm alltäglich in Deutschland angetan wird; falsch, weil die Taten gegen seine Würde gerichtet sind, die eigentlich unantastbar sein sollte. Im Grundgesetz heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dort steht nicht:

„Die Würde des Menschen, der sich gut benimmt, ist unantastbar.“

Als Tuvia Tenenbom Akif Pirinçci besucht, fällt ihm zunächst auf, dass seine Wohnungstür mit diversen Farbanschlägen attackiert wurde.

In der Wohnung erfährt Tuvia dann, dass Amazon seine Bücher nicht mehr direkt verkauft, ausgerechnet Amazon, wo Bücher des Ku-Klux-Klans, „Mein Kampf“ und der Koran feilgeboten werden.

Als Tuvia mit Akif spazieren gehen, wird Tuvia Zeuge, wie ein junger Mann auf Akif zustürmt und ihn böse beschimpft.

Einige Zeit später wird Akif von einem älteren Herrn beschimpft. Als Tuvia ihn auf diese Verbalangiffe anspricht, erzählt Akif, dass es auch schon mal vorgekommen ist, dass jemand eine Flasche Cola über seinen Kopf entleert hat.

Als die in ein Restaurant gehen wollen, erfährt Tuvia, dass es mehrere Restaurants gibt, die sich weigern, Akif Pirinçci zu bedienen. Tuvia Tenenbom beschreibt seine Erfahrungen wie folgt:

„Junge und alte Deutsche haben nichts Besseres zu tun, als diesen Mann zu verletzten. Als Akif, den Volksfeind, zu verletzen. Gib den Leuten die Gelegenheit, andere zu verletzen und zu demütigen, sage ihnen, Grausamkeit sei eine Tugend, und sie werden zu Tieren.“

Und Buurmann ergänzt, was viele Gastautoren dieses Blogs, viele Leser dieses Beitrags und auch ich mitfühlend, weil selbst ähnlich betroffen, aufnehmen werden:

„Ich kenne die Grausamkeiten nur zu gut. Was bin ich schon angegriffen, nur weil ich schreibe, was mir gerade so durch den Kopf geht. Dabei wird mir immer vorgeworfen, ich würde mich mit den Menschen gemein mache, deren Würde ich verteidige. „Du solltest Dir echt überlegen, ob Du diesen Bericht veröffentlichen möchtest“, riet mir eine gute Freundin, mit der ich mich in der Zeit der Entstehung über diesen Artikel sprach und fügte hinzu: „Du unterstützt damit Akif Pirinçci und solltest Dich fragen, ob Du das willst.“