(David Berger) Wie wir alle wissen, gilt 2017 als richtungsweisendes Wahljahr. Das heißt auch, dass die Politiker uns nicht verunsichern wollen und Medien dazu aufgerufen sind, „verantwortungsvoll“ mit den Informationen umzugehen, die sie erreichen.

Aber wir alle sind gefragt. Mit der gefühlten, aber von allen ZDF-Statistiken widerlegten Zunahme von Menschen, die mit Äxten durch Züge laufen, mit Autos in Menschenmassen fahren oder einfach mal ein Messer zücken, um es Spaziergängern in den Rücken zu rammen, müssen wir auch immer öfter Stellung zu dem Geschehenen nehmen:

Selten vor der Kamera, aber fast immer an unserer Arbeitsstelle, im Freundeskreis oder den sozialen Netzwerken. Damit ihr nicht lange nachdenken müsst, was ihr sagt oder welche Gefühle ihr zum Ausdruck bringt, haben wir für euch – mit Unterstützung der San-Antonio-Stiftung – eine Liste mit angemessenen Antworten zusammen gestellt:

1. Verrückte gibt es überall und gab es schon immer
2. Die größte Gefahr ist doch, dass die Rechten das instrumentalisieren und Stimmen gewinnen
3. Im Autoverkehr gibt es wesentlich mehr Tote und Verletzte
4. Jährlich sterben der Statistik zufolge mehr Menschen in der Badewanne als an Bahnhöfen
5. Das hat mit dem Islam nichts zu tun
6. Amokläufe gab es doch schon immer
7. Er hatte einen deutschen Pass
8. Wir müssen uns an sowas gewöhnen (wenn möglich in zuversichtlichem Ton)
9. Wenn wir das jetzt schlimm finden, haben die Islamisten doch ihr Ziel erreicht
10. Ihr habt nen Aluhut auf

Selbstverständlich werden wir weiter an dieser Liste arbeiten – für weitere Tipps sind wir dankbar!

Update 10.03.17, 14.45: Und hier gibt’s schon die nächsten Tipps unserer Leser:

  1. Vielleicht hätten sie mehr Weihnachtslieder singen sollen (Merkel)
  2. Es kann auch aus Versehen passiert sein (FAZ zu Amokfahrer von Heidelberg)
  3. Er war unauffällig und wurde blitz-radikalisiert
  4. Selbst schuld, wenn die keine Axtbreit Abstand halten
  5. Katholiken sind auch nicht besser (Papst Franziskus)
  6. Deutsche tun das auch

16 Kommentare

  1. Hoch ein paar:

    „Er hatte eine schwere Kindheit“
    „Er war durch seine Flucht traumatisiert“
    „Das ist dort Brauchtum“
    „Nicht alle sind radikal“
    „Man darf da nicht pauschalisieren“
    „Das sind leider bedauerliche Einzelfälle“
    „Man kann da nicht gleich auf einen Terrorakt schließen“
    „Er befand sich in einer psychischen Ausnahmesituation“
    „Die Herkunft des Attentäters ist hier nicht von Bedeutung“
    „Warum denken immer alle sofort, es wäre ein Moslem?“
    „Man muß auf jeden Fall unterscheiden zwischen dem radikalen und gemäßigten Islam“
    „Christen töten auch“
    „Moslems haben da eine andere Mentalität“
    „Trotzalldem ist der Attentäter auch ein Mensch“
    „Er wurde radikalisiert“
    „Er stand unter kulturellen Schock“
    „Das sind alles nur Vorurteile“
    „Wer so denkt, ist rechtsradikal / Nazi“
    „Wer gegen Moslems ist, kann kein deutscher Mitbürger sein“
    „Würdest Du auch so reden, wenn Dein Bruder der Täter wäre?“
    „Es darf nicht vorverurteilt werden“
    „Geh` doch zu deinen Pegida-Freunden“

  2. „Man hat eher einen Sechser im Lotto, als daß man Opfer eines Terroranschlags wird“
    „Der Islam ist friedfertig, wer Terroranschläge verübt, kann kein Islamist sein“
    „Nein nein, Mustafa war deutscher, hier geboren“
    „Alluh Akbar ist doch nur ein Ausruf der Freude“
    „Mittelfristig werden die Anschläge weniger, bis sie ganz aufhören“

  3. Köstlich, lieber David! Absolut köstlich! Und das hilft tatsächlich, wenn man ein wenig darüber lachen kann, obschon es ja todtraurig ist. Aber das entlastet irgendwie die Seele. Insofern vielen Dank für deinen wunderbaren Text, indem die Bitterkeit, die Traurigkeit und das Entsetzen über diese ganze Entwicklung zu spüren sind und auch die beißende Kritik an denen, die all das zu verantworten haben, das aber auf so feine, kultivierte Art, daß es einem gut tut. Genau das müssen wir dieser ganzen schrecklichen Entwicklung entgegensetzen: unsere Entschiedenheit, das nicht länger hinnehmen zu wollen in Verbindung mit unserer Zivilisiertheit.

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