Ein Gastbeitrag von A.R. Göhring

Die evangelische Kirche in Deutschland, also die Gründung Luthers, ist in ihrer Version als EKD seit Jahrzehnten als politisiert und zeitgeistig bekannt. Der Journalist Dieter Stein, Protestant, meinte einmal, er könne seine Kirchensteuer eigentlich auch gleich an Grün*innen und SPD überweisen.

Und in der Tat: An einem mir bekannten EKD-Gemeindehaus prangt ein trendiges „Gegen Rechtsextremismus“-Plakat; das Pendant gegen Linksextremismus und muslimische Intoleranz und Islamterror vermisst man natürlich.

Im Inneren dieses Gebäudes werden zuzeiten Genderseminare abgehalten, in denen die Bibel im Sinne der sexuellen Vielfalt oder so was uminterpretiert wird.

„Seid in der Welt, aber nicht von der Welt“

Da war die katholische Kirche bis vor kurzem glücklicherweise ein Hort zeitl(geist)loser Religiosität. Nach dem Jesus-Wort „Seid IN der Welt, aber nicht VON der Welt“ wurde weitgehend parteipolitikfrei Nächstenliebe und Engagement in der Gemeinde gepredigt. Das einzige, was doch sehr störte, waren die unverblümten Aufrufe nach der Messe, „eine christliche Partei“ (Union) zu wählen.

Diese Zeiten sind vorbei. Der neue Politkatholizismus, der sich im Jahre 2015 im Rahmen der merkelschen Asylkatastrophe entwickelte, ist mittlerweile Legion.
Die Bischöfe Overbeck und Woelki fordern Gefolgschaft gegenüber der Regierungspolitik und verleihen den rotgrünen Multikultifantasien der Kanzlerin religiöse Weihen mit Bootsaltären und ähnlichem Nippes .

In den Messen landauf, landab muss der Gläubige sich von teils sogar sehr alten Priestern belehren lassen, dass Jesus auch Flüchtling gewesen sei und dass Pegida und die AfD-Partei satanisch seien (die SED-Linkspartei und die klerus-hassenden Grün*innen seltsamerweise nie). – Instrumentalisierung des Christentums für Tagespolitik

Gefallene Katholiken

Auch ehemals traditionelle Katholiken, die sonst jeden linken Unfug wie Gender oder Sozialismus ablehnen, sind seit 2014/15 plötzlich zu Politgläubigen mutiert. Den Vogel schoss ein Bekannter von mir ab, der sich allen Ernstes vom Islam die Rettung des Christentums in Deutschland erhofft.

Erstens spekuliert er dabei auf zahlreiche Konvertiten, was angesichts der zunehmenden islamischen Orthodoxie noch halbwegs realistisch sein dürfte. Zweitens seien ihm zahlreiche gottgläubige Menschen lieber als zahlreiche Atheisten im Lande lieber. Dass der heutige Islam allerdings eine nur noch schwach ausgeprägte spirituelle Seite hat und dafür im Rahmen der Radikalisierung verstärkt auf religiöse Gesetze, Zwang, Unterdrückung, Rituale und politische Macht setzt, wird beflissentlich ignoriert.

Die Motive der Grünchristen?

Dem konservativen Katholiken oder dem Außenstehenden drängt sich die Frage auf, was denn eigentlich diesen Umschwung bewirkt hat.

Oberhirten wie Woelki und Overbeck waren früher bekannt für ihren Konservatismus. Welche Vorteile bringt ihnen die Politisierung? Die Antwort ist einfach: Geld!

Die schwindenden Zahlen der Kirchensteuerzahler werden mittel- bis langfristig den Bankrott einiger Bistümer zur Folge haben. Da die katholische Kirche mit ihren zahlreichen sozialen Werken (Caritas etc) ein Großprofiteur der Asylindustrie ist, lässt sich nachvollziehen, warum Overbeck verlangt, dass wir unseren Wohlstand mit den angeblichen Flüchtlingen teilen sollen: Das Geld landet in seinem Säckel.

Wenn außerdem linke Parteien wie CDU, SPD oder Grün*innen immer mehr öffentliche Gelder in die Versorgung und Förderung der muslimischen Organisationen pumpen, kann kaum ein Kritiker der zahlreicher werdenden Atheisten verlangen, die Kirchensteuer abzuschaffen.

Bei den Oberklerikern liegen die Gründe für den zeitgeistigen Kotau also auf der Hand. Aber was bewegt katholische Laien, die den Irrsinn letztlich bezahlen müssen, den ideologischen Zirkus mitzumachen?

Der wichtigste Aspekt dürfte moralische Korruption sein. Seit Anfang 2015 die Mehrheit der Medien das Märchen von den hungernden, hilflosen, kriegsverfolgten muslimischen Flüchtlingen in die Welt setzten, sprachen sie damit nicht nur statusorientierte Linke, sondern auch zu Nächstenliebe erzogene Christen an.

Hier bot sich die Möglichkeit, ohne großen Aufwand die eigene christlich-moralische Identität zu leben oder wenigstens zu simulieren. Alice Schwarzer sprach in diesem Zusammenhang davon, dass die Asylunterstützer „sich in einer bestimmten Attitüde“ gefielen.

Dieses Phänomen erklärt wahrscheinlich die bis heute andauernde kognitive Resistenz gegenüber der Immigranten-Realität, die auch von Gewalt und Unterdrückung echter, christlicher, Flüchtlinge durch die absolute Mehrheit der mohammedanischen Sozialmigranten geprägt ist.

In der Tat höre ich nie etwas über unsere verfolgten christlichen Glaubensgeschwister, wenn ich mich mit katholischen Freunden über die Asylkrise unterhalte. Es geht immer nur um Muslime, Muslime und nochmals Muslime. Die Christen in den Heimen würden doch mitversorgt.

Diese gewollte Unwissenheit entbindet den Gläubigen, sich seinen Fehler einzugestehen und seine falsche „christliche“ Moral damit offen zu legen.

Wir können nur hoffen, dass aufrechte konservative Bischöfe wie Rudolf Voderholzer, die ihren Glauben nicht dem Zeitgeist opfern wollen, als Vorbilder für die einfachen katholischen Gläubigen in Deutschland dienen und unsere Kirche so wieder ent-politisiert wird.