Ein Gastbeitrag von Wolfgang Przewieslik

Erinnern Sie sich noch an Muhammad as-Sahhaf? Der „Baghdadi Bob“ oder auch „Comical Ali“ Genannte, war unter Saddam Hussein irakischer Außenminister und später Informationsminister seines Landes.

Comical Ali

Das war dieser joviale Mützen- und Brillenträger, der im Laufe des Jahres 2003 die militärischen Erfolge des Regimes von Saddam Hussein der internationalen Presse näherbringen sollte.

Als man im Hintergrund des TV-Bildes die amerikanischen Panzer bereits hörte, verkündete BB voller Pathos, dass man die Amerikaner gerade vernichtend geschlagen habe und dass niemals feindliche Panzer nach Bagdad kommen werden. BB war immer ein Abendvergnügen – bis es dann vorbei war.

Donald Trump

In Washington wurde gerade Donald Trump vereidigt. Der lebt nun mit der Presse auf Kriegsfuß. Auf die Meldung, bei seiner Inauguration seien sehr viel weniger Zuschauer im weiten Areal der Mall gewesen als bei Obamas Inauguration, trat sein neuer Pressesprecher Spicer erstmals vor das Mikrofon und verkündete, es habe noch niemals so viele Zuschauer gegeben wie bei Trump.

Bei CNN gezeigte Bilder, auf denen ganz eindeutig eine große Differenz zu sehen war, erklärte er für falsch. Dieser Hinweis sei uns gestattet, ohne dass wir in die politische Auseinandersetzung mit einsteigen wollen. Eine weitere Pressesprecherin sagte hierzu, es gebe eben „Alternative Facts“.

BER

Bei dem Ausdruck „Alternative Facts“ werden wir in Berlin hellwach und fühlen uns sofort an den BER erinnert. Auch da gibt es einen Pressesprecher, der am Wochenende erklärte, man stehe sehr wohl mit allen Beteiligten im Gespräch, auch mit der Flugsicherung.

Grund hierfür waren Presseberichte, dass Flughafenchef Mühlendfeld in den vergangenen Monaten – auch mal abends im TV – erklärt hatte, es werde „enger und enger“, aber es gebe noch eine Chance, den BER in 2017 zu eröffnen, und zwar auch, wenn die Bauarbeiten erst im Frühjahr abgeschlossen würden. Früher geht es ja nicht, weil nicht einmal die letzte Baugenehmigung da ist und der Baufortschritt im Dezember erst bei 80% stand.

Die Flugsicherung DFS hatte gefordert, dass man einen Vorlauf von mindestens 13 Monaten bis zur Eröffnung des BER brauche. Also gab es da einen kalendarischen Konflikt, eben „Alternative Facts“.

Nicht in diese neue Kategorie fällt indes, was GF Mühlenfeld am 23.1.2017 vor einem parlamentarischen Ausschuss in Potsdam sagte, nämlich dass einige Firmen nach Stunden bezahlt würden.

Moment mal: Je langsamer die arbeiten, umso mehr Geld kriegen die? Dann ist es ja kein Wunder, dass die Chose nicht fertig wird und der Baufortschritt im Dezember gegenüber dem Vormonat bei Null lag.

Auch kein „Alternative Fact“ ist das, was Brandenburgs Ministerpräsident Woidke zum erneuten Verzug des Projekts BER sagte: „Wir planen doch keine Mondlandung“. Das ist leider nicht alternativ, sondern die bittere Wahrheit.

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de

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