(David Berger) … oder: Warum deutsche Politiker den neuen Präsidenten der USA nicht verstehen können und sich nun tatsächlich „warm anziehen“ müssen.

Das Entsetzen bei bundesdeutschen Politikern von den Grünen bis zur CDU ist groß. SPD-Mann Gabriel fasste gestern die Sorgen noch einmal in einem Satz zusammen, die vermutlich nun alle umtreiben: Dass sie sich in „Zukunft warm anzuziehen hätten“.

Denn das, was Donald Trump da in seiner Antrittsrede als sein Programm umriss, steht im konträren Gegensatz zu jenen Leitmotiven, mit denen unser Land seit geraumer Zeit regiert wird.

Am bittersten ist deutschen Politikern vermutlich Trumps entschlossener Wille, den urdemokratischen Gedanken umzusetzen, aufgestoßen:

„Die heutige Zeremonie hat eine ganz besondere Bedeutung. Denn heute übergeben wir die Macht nicht nur von einer Regierung an die andere oder von einer Partei an die andere, sondern wir nehmen die Macht von Washington D.C. und geben sie an euch, das Volk, zurück. Zu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt unseres Landes von der Regierung profitiert und das Volk hat nur die Kosten getragen.“

Und weiter:

„Worauf es in Wirklichkeit ankommt, ist nicht, welche Partei unser Land regiert, sondern ob unsere Regierung vom Volk geführt wird. Der 20. Januar 2017 wird als der Tag in der Erinnerung bleiben, an dem das Volk wieder zu den Herrschern dieser Nation wurde. Im Zentrum dieser Bewegung steht die entscheidende Überzeugung, dass die Nation da ist, um ihren Bürgern zu dienen.“

Man kann sich bildlich ausmalen, wie Angela Merkel vor dem Fernseher saß, die Worte hörte und sich mit niederfallenden Mundwinkeln vorstellte, dass sie ihre Macht vom Kanzleramt und aus den Chefredakteursstuben von ARD und ZDF nun an das Volk auf der Straße, wie es ihr etwa zuletzt besonders eindrucksvoll in Dresden begegnete, abzugeben habe – So ernst haben wir es mit der Demokratie nun wirklich nicht gemeint …

Und was soll das überhaupt heißen, dass es nicht darauf ankomme, ob die Macht von einer Partei zur anderen übergehe?

In einem Land, in dem die erste Sorge nach Terrorakten nicht den umgekommenen Mitbürgern gilt, sondern der darauf folgenden Sonntagsfrage und der Gefahr, dass man gegenüber der AfD ins Hintertreffen geraten könne, müssen solche Worte eines Politikers notgedrungen mit Kopfschütteln quittiert werden.

Und dann auch noch der Patriotismus, mit dem Trump da ganz offen seine Liebe zu Amerika eingestand:

„Vom heutigen Tag an wird eine neue Vision unser Land regieren. Vom heutigen Tag an wird es nur noch Amerika zuerst heißen, Amerika zuerst. Wir werden uns bei den Nationen der Welt um Freundschaft und Wohlwollen bemühen, aber wir tun dies mit dem Verständnis, dass es das Recht aller Nationen ist, ihre eigenen Interessen vorneanzustellen.“

Auch solche Worte müssen notgedrungen in einem Land bitter aufstoßen, in dem Politiker auch schon mal aggressiv reagieren, wenn Kollegen es sich erlauben, die Deutschlandfahne zu schwenken; aber dazu schweigen wenn Bundestagsabgeordnete auf Demos hinter Bannern laufen, auf denen „Deutschland verrecke!“ steht.

Oder können Sie sich vorstellen, dass Angela Merkel dem Rat und Vorbild Trumps folgt und ihre nächste Regierungserklärung unter das Motte „Germany first“ stellt?

Und dann folgte schließlich noch ein ganz schwerer Faux pas, der Trump auch für deutsche Talkshows im Nanny-TV endgültig disqualifiziert hat. Er sagte ganz klar:

„We will bring back our borders“.

Und was er wie selbstverständlich damit auch meinte: die Gültigkeit dieser Grenzen wird notfalls mit Schusswaffen verteidigt, so dass man diese nicht mehr auf Weihnachtsmärkten einzusetzen braucht!

Im Hintergrund dieser Aussage steht noch ein strategisches Vorgehen Trumps, das deutschen Politikern ebenso unverständlich bleiben muss: Statt Migranten großzügiger als Bundesbürgern LKW-Führerscheine auszustellen, hat er ganz Washington während der Zeeremonie für LKWs sperren lassen – Will er sich etwa nicht an den Terror gewöhnen? Den Islamismus stattdessen komplett ausmerzen? Kopfschütteln nun auch im Innenministerium …

Ja, liebe Politiker und liebe Fakenewsexperten, ihr werdet euch tatsächlich warm anziehen müssen. Denn ob ihr es realisiert habt oder nicht: Die USA ist kein kleines Bundesland, das ihr mal eben zu Dunkeldeutschland und seine Menschen – mit einem seltsamen Rassismus, der Trump denkbar fremd ist – zu „Pack“ erklären könnt. Und das ist auch gut so.

***

Foto (c) White House (YouTube) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Kurt Wolf
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Ach wie schön…..das linke Pack hat wieder einen neuen Feind. Na Gott sei Dank. Jetzt ist die Welt der Unfähigen und Bequemen wieder in Ordnung.

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[…] Føj. […]

Peter Friedrich
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Peter Friedrich

Ich schätze die humanitären Errungenschaften der Bundesrepublik Deutschland hoch ein. Umso mehr gilt: Deutschland verrecke!!!

Trump kümmert sich so liebevoll um den kleinen Mann, weiß man ja. Deswegen zerstört er ja auch die Gesundheitsversicherung für die einfachen Leute, dann dürfen die ihre Krankenhausrechnung von ihrem nicht vorhandenen Geld bezahlen. Genau das wollen die!!!

Seeräuberjens
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Seeräuberjens

Öhm, nur mal so, weil das immer wieder herumgeistert. Niemand hat ein Bundesland oder seine Menschen als „Pack“ bezeichnet. Sigmar Gabriel, und zwar der Sigmar Gabriel, der gegen heftige Stimmen in seiner eigenen Partei den Dialog mit Pegida-Teilnehmern in Dresden gesucht hat, hat mit „Pack“ speziell den marodierenden Mob in Heidenau bezeichnet. Und mit dem sollte sich wirklich niemand gemein machen. „Nach wiederholten rechtsradikalen Krawallen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Heidenau hat Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) eine konsequente Bestrafung der Täter gefordert. „Wir müssen Klarheit schaffen, man darf diesen Typen, diesem braunen Mob keinen Millimeter Raum geben“, sagte der SPD-Chef, als… Mehr lesen »

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[…] Agieren zeigt doch: wenn ihm das Wohlergehen seines Volkes so wichtig ist, wie er in seiner Antrittsrede beteuerte, hat er doch gar keine andere Wahl als diese Seiten auch gut versteckt dort zu […]

Old-Man
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Old-Man

Auweia ihr armen „Volksvertreter??“! Wie kann sich der neue Präsident denn dazu verleiten lassen auf einmal ein echter Demokrat zu sein,einer der sein Land und seine Bürger liebt,einer der meint was er sagt : Amerika zuerst! Auf das gejauele und geheule unserer“Eliten??“in Berlin freue Ich jetzt schon!! Unsere sogenannten“Volksvertreter??“werden sich daran gewöhnen müssen das ihnen der Wind jetzt ins Gesicht bläst ,und das ist gut und richtig so!Und wenn diese unnützen Gestalten nicht wollen das daraus ein Sturm wird sollten sie verdammt noch mal tun wofür sie gewählt wurden,nämlich dem deutschen Volk zu dienen und Schaden von im abzuwehren,nicht mehr… Mehr lesen »

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[…] Donald Trump: Zu demokratisch, zu sehr um das Wohl der eigenen Bürger bemüht […]

Harald Schlatter
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Harald Schlatter

Man hat die Befürchtung, den Rechtskonservativen geht in ihren feuchten Träumen ob der neuen globalen Galionsfigur Trump nicht nur einer ab, sondern gleichzeitig auch jedes Differenzierungsvermögen und jeder „reality check“. „America first“ ist und war schon immer die Prämisse einer jeden amerikanischen Administration. Obamas „Yes we can“ sagt defacto das gleiche, nur in anderen Worten. Ganz zu schweigen von George W. Bushs „Coaliton of the willing“ oder „if you’re not with us, you’re against us.“ Und welche Interessen hat denn die von Trump im gleichen statement sogleich gescholtene („obsolete“) als auch als „very important“ bezeichnete Nato über die vergangenen Jahrzehnte… Mehr lesen »

Christian
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Christian

Ich war baff, als ich die Inaugurationsrede das erste mal las.
Mein erster Gedanke: das hat er von der Merkel abgekupfert.
Dann aber kam die Ernüchterung, nein die Merkel kann es nicht gewesen sein.

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[…] Donald Trump: Zu demokratisch, zu sehr um das Wohl der eigenen Bürger bemüht – Philosophia perennis […]