(David Berger) Sowohl von der „Zeit“ wie der „Jungen Freiheit“ wurde ich eingeladen, einen Text zum anstehenden Reformationstag und Lutherjahr zu verfassen.

Die „Zeit“ sammelte unter dem Titel „Was ist christlich?“ knapp 100 Thesen von Prominenten, teilweise auch als Videobotschaft. Im Einleitungstext heißt es: „Im Oktober 1517 schlug Martin Luther 95 Thesen ans Kirchenportal in Wittenberg. Zum Reformationsjahr baten wir 95 Autoren um ihre Antwort auf die Frage, was für sie der Kern des Glaubens sei. Hier drucken wir, was Theologen und Politiker, Dichter und Kabarettisten, Wirtschaftsbosse und Journalisten sagen“.

Hier ein Screenshoot meines Statements

zeit-62

Für viele werden diese wenigen kurzen Sätze vielleicht etwas rätselhaft bleiben. Und so konnte ich in einem Leitartikel für die JF noch einmal sehr weit ausholen: Dabei gehe ich von dem aus, was wir derzeit in der evangelischen Kirche erleben:

„Wieder einmal, wie so oft schon in der Geschichte des Protestantismus wird man sich auf diese Weise bis zum Hexenschuss verbiegend auf die Suche nach der heutigen Relevanz des Reformators machen: Luther ist modern, wir sind wie ihr und bei der ganz großen aktuellen Politik als Pfarrerstöchterinnen oder Ex-Pfarrer mittendrin dabei.“ Doch nichts widerspricht dem historischen Luther so sehr:

Denn Luther war antimodern, geradezu reaktionär:   Alles, was Luther zurecht hart geißelte, war damals gerade absolut „in“ oder „modern“. Wer da nicht mitmachen wollte und das zu sagen wagte, musste damit rechnen, als Ketzer bezeichnet und bestraft zu werden.

„Ketzer“ ist ein Ausdruck, den viele nicht mehr verstehen und den man heute vielleicht am besten mit „Pack“ übersetzt.

Der deutsche Reformator scheute dabei auch nicht vor „Hassrede“ (hatespeech“) zurück: Den Papst nannte er wiederholte male bei seinen berühmten Tischreden „unverschämtes Lügenmaul“, „verrückten Esel“ und „Sau“; ja, forderte gar dazu auf, alle seine Gegner abzustechen.“

Die, die heute Luther feiern, hätten seine heutige Version längst ins gesellschaftliche und finanzielle Ausseits geschossen: Und das nicht nur weil er aus „Dunkeldeutschland“ kommt.

Er wäre auch bei facebook gesperrt, sein Twitteraccount aufgelöst, hätte seinen Job bei der evangelischen Kirche verloren, weil er keinen interreligiösen Gottesdienst in der Moschee mitgefeiert hätte. Seine Wohnung wäre mehrmals unter Beifall von Grünenpolitikern durchsucht und er wegen Volksverhetzung angeklagt worden. Von daher ist er vermutlich mehr ein Mann von morgen als von dem ihn feiernden Heute.

Hier geht es zur aktuellen Ausgabe der „Jungen Freiheit“ 

***

Foto: Luther auf dem Reichstag zu Worms (1521), Julius Schnorr von Carolsfeld 1869, Foto Unbekannt | © Studienstiftung Maximilianeum

6
Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
400
6 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
4 Comment authors
ThomasJuleKai Knut WernerSchlagzeilen des Tages vom 28. Oktober 2016 | Opposition 24gebenhoeh Recent comment authors
  Abonnieren (alle Kommentare oder nur meine Kommentare)  
neueste älteste beste Bewertung
Ich möchte benachrichtigt werden zu:
Thomas
Gast
Thomas

Leider beachten sie nicht den umgebenden Kontext der Zeit – sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Das Luther ein Freund markiger Worte war ist unbestritten, allerdings war die Sprache auch insgesamt wesentlich derber; ein einheitliches Hochdeutsch und eine für alle verbindliche Grammatik noch nicht verfügbar. Ein einfacher Vergleich der verwendeten Worte greift daher viel zu kurz. Und nein, Luther war nicht reaktionär („an nicht mehr zeitgemäßen politischen Verhältnissen festhaltend“) – er wollte einzelne Dinge verändern weil er sie für falsch hielt. Schwerpunkt waren der Ablasshandel (die Grundfinanzierung für Kirche und etliche Adlige schlechthin) und das Amtsverständnis was für katholische Priester vorgesehen… Mehr lesen »

Jule
Gast
Jule

Ich denke das es schon immer Menschen gegeben hat denen Religionen/ Ideologien schlicht egal waren, immer wenn diese aber eine kritische Menge überschritten, schritten die Religionen/Ideologien ein … … “ alternativlos“ ! Wie ja auch politisch, den Gang nach Canossa immer wieder gehend …, immer wieder verkündet wurde – und ganz offensichtlich im Heute wird. Von mir aus mag jeder glauben was er mag, was ich mir wünsche ist das er mir das Gleiche zugesteht – ohne “ Wenn und Aber“ ! Solange jedoch Religion/Ideologie politisch derart hoch “ gehandelt“ wird, , wird dieser Wunsch nicht erfüllt werden können.

Jule
Gast
Jule

Was hätte M.Luther gesagt zu den heutigen Zuständen ??? Kamerun – hat eine mit Europa, speziell D und F, tiefe Geschichte … Diese vielköpfige Familie ( GB, Luxus-Haus gefordert und bekommen) will einfach so leben wie die Europäer es ihnen beizubringen versuchten, nur blöde das nach Unabhängigkeit alles nicht mehr so lief … Also auf gen Europa, – der Halbinsel des eurasischen Kontinents – auf der es sich so wunderbar und mühelos leben lässt … … Und solange die Forderungen erfüllt werden, werden mehr und mehr kommen ! Den Menschen mache ich keinen Vorwurf, wer würde in deren Situation anders… Mehr lesen »

Kai Knut Werner
Gast
Kai Knut Werner

Vermutlich wäre Luther auch besoffen Auto gefahren – daher wurde Käßmann auch Botschafterin des Reformationsjubiläums 2017!

trackback

[…] Luther würde heute bei Facebook gesperrt und wegen Hassrede angeklagt […]

gebenhoeh
Gast
gebenhoeh

Am diesjährigen Reformationstag soll erstmals der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, in einer evangelischen Kirche auftreten und reden, erfährt man auf kath.net (http://kath.net/news/57150). Der für die Einladung zuständige Altdorfer Dekan Jörg Breu begründete gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, es sei das Anliegen der Reformation, „althergebrachte Denkstrukturen aufzubrechen“. Er wolle, dass die evangelische Kirche zum Reformationsjubiläum nicht nur das übliche „Lutheralala“ anbiete. Der bayerische Landesbischof und Vorsitzender des EKD-Rates, Bedford-Strohm hat sich bekanntermaßen von Moslems in einen Moschee-Verein berufen lassen, der in München ein islamisches Zentrum bauen lassen will, das zu nichts anderem, als zur Bekämpfung der Christen… Mehr lesen »