Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

18,99 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 17,6 Prozent in Berlin. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist die ehemalige 40+x-Prozent-Partei im Tal der Tränen angekommen, schafft nicht einmal die Hälfte der früheren Ergebnisse. Und was sagt die CDU-Vorsitzende und amtierende Regierungschefin am Tag nach der Berlin-Wahl zu diesen katastrophalen Ergebnissen?

Merkels Antwort – Versuch einer Paraphrasierung

Ja, ich habe seit vielen Jahren große Fehler gemacht. Ja, ich gebe zu, ich bin in diesem Amt vollkommen überfordert und der Aufgabe nicht gewachsen. Na und? Ich bin gewählt und bleibe Kanzlerin. Von da kriegt mich auch keiner weg.

Denkt ihr etwa, ich habe mich über all die Jahre in diese Machtposition hochgekämpft, um sie freiwillig wieder herzugeben, nur weil ich geistig völlig überfordert bin?

Außerdem ist doch da gar keiner, der mir gefährlich werden könnte. Wer soll es denn sonst machen außer mir, ihr Schlaumeier?

Ja, ich werde jetzt kleine Korrekturen vornehmen, damit die in Bayern und auch sonst im Lande sich zumindest etwas beruhigen. Ganz doof bin ich ja auch nicht. Ja, ich werde so tun, als ob es mir Leid täte. Das besänftigt die Leute immer und kommt immer gut an. Jeder kann ja mal Fehler machen. Auch jahrelang. Warum nicht? Dass mir jeder politische Weitblick fehlt, merken die meisten doch eh nicht, da sie selbst über einen solchen nicht verfügen. Ich fahre immer nur auf Sicht und bin die Meisterin des Klein-klein. Das mögen die Leute, weil sie das Kleine eher überblicken können. Das Große versteht doch eh keiner.

Im Übrigen seid ihr doch noch viel doofer als ich, denn ihr wählt mich ja jedes Mal wieder. Also beschwert euch mal nicht!

Und nächstes Jahr werde ich wieder antreten und ihr werdet mich wieder wählen. Dafür werde ich schon sorgen. Was soll ich denn sonst auch den ganzen Tag machen? Immer nur wandern gehen und Wagner hören, wird ja auch langweilig. Außer Politik kann ich ja nichts. Soll ich etwa nochmals als Physikerin anfangen? Den Kram verstehe ich doch schon lange gar nicht mehr. Bin doch völlig draußen.

Ihr seid das Volk und ihr verteilt die Macht auf Zeit? Na und? Glaubt ihr etwa, ich könnte euren Willen nicht mehr so lenken, wie ich ihn haben möchte? Was meint ihr denn, warum ich meine eigene Partei, Teile der SPD und inzwischen auch die Grünen auf mich eingeschworen habe? Und die FDP kann ich zusätzlich auch noch jederzeit haben, wenn ich nur will.

Außerdem denkt dran, wer das Großkapital, die Medien, die Kirchen und inzwischen auch die Muslimverbände hinter sich hat! Glaubt ihr allen Ernstes, ich schaffe es mit dieser totalen Phalanx nicht mehr, den Wählerwillen zu lenken? Ihr kriegt doch 80 bis 90 Prozent der Zeit genau das zu hören, was in meinem Sinne ist. Wie soll sich denn da in der Breite ein Wille einstellen, der mir gefährlich werden könnte? Hahaha!

Mag ja sein, dass immer mehr Leute merken, was für katastrophale Fehler ich mache und wie ich dem eigenen Volk schweren Schaden zufüge. Na und? Dann kriege ich halt keine 60 bis 80 Prozent der Deutschen mehr hinter mich. 50 Prozent reichen doch auch. Und selbst wenn ich die nicht mehr schaffe, wer soll mich denn ablösen?

Meine Partei habe ich noch immer im Griff. Die parieren wie kleine Hündchen, die froh sind, wenn sie Stöckchen holen dürfen. Einige treten halt aus. Sollen sie doch. Es sind genug andere da.

Ohne die CDU wird nächstes Jahr keine Regierungsbildung möglich sein, denn mit Rot-Rot-Grün würde ja alles noch schlimmer werden. Das wäre vom Regen in die Traufe und das wissen die meisten, also haben sie doch gar keine andere Wahl. Hahaha!

Nein, mich werdet ihr nicht mehr los, wenn ich das nicht will. Merkt euch das! Und um die Aufgebrachten ein wenig zu beruhigen, werde ich jetzt kleine Ein- und Zugeständnisse machen, dann wird sich die Lage schon wieder beruhigen. Die ganz Naiven werden dann sagen: „Guck mal, sie kann sogar Fehler öffentlich zugeben. Ist das nicht wahre Größe?“ Hahaha!

Die Leute sind so leicht lenkbar. Und ich bin die Meisterin im Lenken anderer. Dass ich aber den Wagen gar nicht richtig lenken kann, das merkt die Mehrheit doch ohnehin nicht. Also regt euch wieder ab und denkt immer dran:

Ich bin und bleibe die Kanzlerin. Ohne Basta, denn ganz doof bin ich ja auch nicht.

***

jurgen-fritzZum Autor: Jürgen Fritz studierte Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Für seine philosophische Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Inzwischen ist er als freier Autor tätig. 2012 erschien sein Buch „Das Kartenhaus der Erkenntnis – Warum wir Gründe brauchen und weshalb wir glauben müssen“ in zweiter Auflage.

***

Foto(Vorschau): (c) Saalebaer (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons