(David Berger) Es gibt ein Vorurteil, das sich bei kleingeistigen Menschen eisern hält: Die katholische Kirche sei eine körper-und lustfeindliche Organisation. Und sie ist doch alles andere als das. Wider Willen fördert die katholische Kirche, so paradox dies auch klingen mag, durch das Tabu und ihre vielen Verbote, die Libido.

Immer wieder bemerkt man beim Studieren offenherziger Biographien, wie besonders Männer im Bereich der Sexualität ein Tabu nach dem anderen gebrochen haben und wie dies zur Bewusstwerdung ihres Eros beitrug. Aber: Wenn das letzte Tabu gebrochen war, kehrten die große Leere und die Unlust, bis zum völligen Verlust der Libido ein. Das hängt sicher mit dem zusammen, was die Psychologen „Reaktanz“ nennen: Menschen lieben das Verbotene!

Vor diesem Hintergrund muss ich ganz ehrlich sagen, dass die katholische Kirche, wenn sie in ungewohnter Einigkeit mit evangelikalen Christen die neueren Bildungspläne aus NRW oder Baden Württemberg kritisiert, in letzter Konsequenz und vermutlich ganz unabsichtlich nur der Freude am Sex und der Libido Vorschub leistet.

Ich für meinen Teil bin froh, dass mir meine Grundschullehrerin damals nicht erklärt hat, wie man einen Dildo benutzt und wie Analverkehr genau funktioniert.

Sie meinen das wären krasse Erfindungen von Bildungsplangegnern? Wirklich nicht. Die Tageszeitung „Welt“ berichtete unlängst:

In NRW können Kinder schon früh im Unterricht mit Sadomasochismus oder Darkrooms konfrontiert werden. Einige Experten empfehlen sogar die Darstellung von Analsex als Theaterstück – inklusive Dildos“. 

Die schulpolitische Sprecherin der FDP, Yvonne Gebauer, die sich sonst stets für den Kampf gegen Homophobie in Schulen stark gemacht hat, sieht hier die ohnehin umstrittenen Vereine auf dem Holzweg. Auch bürgerlichen Homosexuellen wird es zunehmend unwohl, wenn sie mitbekommen, was da unter dem Homo-Etikett segelnde

Wenn ich den Beitrag aus der Welt und die vorgeschlagenen Unterrichtsmaterialien so lese, bin ich wirklich dankbar für die Gnade der frühen Geburt. Dankbar, dass ich keine Klassenarbeit mit dem Titel „So sieht es aus, wenn mein Vater meine masochistische Mutter fesselt und schlägt“ schreiben musste, dass mir das Theaterstück „Analsex – gespült und ungespült“ erspart geblieben ist.

So wurde mir nicht jene aufregende Erfahrung geraubt, meine Sexualität auf eigene Faust, in eigener Verantwortung und ohne eine Betriebsanleitung aus einem Schulbuch entdecken zu können. Dass es verboten und nicht Unterrichtsstoff – vergleichbar mit Textaufgaben und Schönschreiben – war, hat einen großen Teil zu jenem Herzklopfen beigetragen und den einzigartigen Wert von Erotik und Sexualität indirekt vermittelt.

Um es wissenschaftlicher zu sagen: Je mehr und je früher man Jugendliche mit dem Thema Sex konfrontiert wird, umso mehr lässt die Lust nach, wirklich Sex haben zu wollen.

Was den Kindern und Jugendlichen durch die unter der Flagge „Mehr Toleranz für Homosexualität“ in die Welt geschickten Unterrichtsmaterialen an Freuden verwehrt und Zukunftsperspektiven geraubt wird, ist schlicht tragisch. Dass Bildungsplangegner hier den Vorwurf des „Missbrauchs“ in den Raum werfen, kann man ihnen wirklich nicht verübeln.

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Hierzu auch mein Interview mit der Wochenzeitung „Junge Freiheit“: Auf ein Wort mit David Berger

„Durch das erzwungene Offenlegen schambehafteter Gefühle in solchen Unterrichtssituationen wird die Intimsphäre aufgebrochen. Die Kinder machen sich quasi nackt. Dadurch wird die Schutzzone ihrer familiären Integrität, die sie immer um sich herum haben, aufgebrochen. Sexualisierte Kinder sind viel zugänglicher in jeglicher Hinsicht. An das, was man in diesem Zusammenhang in ihnen zerstört, scheint keiner dieser Ideologen zu denken.“

(c) Foto: David Berger