
Während der Flugverkehr im übrigen Europa längst wieder boomt, wird Deutschland zunehmend abgehängt. Mehr als 300.000 Flüge und 35 Millionen Sitzplätze sind seit 2019 aus den Flugplänen deutscher Flughäfen verschwunden. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hervor.
Besonders dramatisch ist die Entwicklung am Hauptstadtflughafen BER, der inzwischen 28 Prozent seiner Flüge gegenüber dem Vorkrisenniveau verloren hat. Allein Ryanair streicht im kommenden Winterflugplan bundesweit rund 700.000 Sitzplätze. Insgesamt haben die Fluggesellschaften seit 2019 bereits 473 regelmäßig angebotene Verbindungen eingestellt, während lediglich 349 neue hinzukamen. Der internationale Vergleich macht das deutsche Standortproblem deutlich: Während die Fluggesellschaften im übrigen Europa inzwischen elf Prozent mehr Sitzplätze anbieten als vor der Corona-Krise, liegt das Angebot in Deutschland noch immer 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Der Rückstand beträgt damit gewaltige 26 Prozentpunkte. Für den Winterflugplan 2026/27 erwartet der BDL sogar einen Abstand von 30 Prozentpunkten: Deutschland soll lediglich 88 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, das übrige Europa dagegen 118 Prozent.
Als Hauptursache nennt die Luftfahrtbranche die hohen staatlichen Steuern und Gebühren, die sich seit 2019 nach ihren Angaben verdoppelt haben. Für Unternehmen und Wirtschaftsregionen wird die schwindende internationale Erreichbarkeit zunehmend zum Standortnachteil. Selbst der Wegfall innerdeutscher Verbindungen lässt sich vielfach nicht durch die immer unzuverlässigere Bahn kompensieren. Deutschland verliert damit nicht nur Flugverbindungen, sondern auch wirtschaftliche Attraktivität. Während andere europäische Staaten ihre internationale Anbindung ausbauen, verteuert die deutsche Politik den Luftverkehr so stark, dass Fluggesellschaften Kapazitäten ins Ausland verlagern. Die Folgen tragen Unternehmen, Reisende und ganze Regionen.
Ein Land, das sich wirtschaftlich immer weiter vom internationalen Verkehr abkoppelt, braucht sich über seinen schleichenden Bedeutungsverlust nicht zu wundern.
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