Freitag, 27. Februar 2026

Wehrdienst oder Waldgang?

Das Problem des Wehrdienstes dreht sich heute um das Problem des soldatischen Subjekts in einem Staat, der die Substanz seiner eigenen politischen Existenz pervertiert. Ein Gastbeitrag von Ed. Piper.

Ursprünglich besteht eine der wesentlichen Aufgaben des Staates in einer Freund-Feind Unterscheidung, verbunden mit der Funktion, Feinde zu bekämpfen. Leider jedoch erleben wir dieser Tage einen Staatsapparat, dessen Freund-Feind Kennung etwas derangiert erscheint, weshalb in zunehmendem Maße das eigene konstituierende Volk als Feind ausgemacht wird.

Zum Feind wird nun das ethnokulturell definierte deutsche Volk, seine tradierten Werte, seine demographische Kontinuität, seine Identität. Freund ist dem hingegen das entwurzelte, globale, postnationale Subjekt, die „offene Gesellschaft“ als abstraktes Ideal, transnationale Institutionen, und jene migrantischen Bevölkerungsgruppen, die im Namen des „Antirassismus“, der „Diversität“ und der “Identitätspolitik“ gegen die autochthone Noch-Mehrheitsbevölkerung in Stellung gebracht werden können.

Dabei nutzt der Staat sein Gewaltmonopol, seine Verwaltungsapparate und seine Bildungsinstitutionen nicht mehr, wie es eigentlich seine klassische Aufgabe wäre, zur Integration und Homogenisierung der Nation, sondern zu ihrer systematischen De-Konstruktion.

Quasi-revolutionärer Akt von oben

Zwar wird die Existenz der Deutschen als ethnokulturelle Gemeinschaft nicht durch einen äußeren, territorialen Kampf in Frage gestellt, sondern durch einen inneren, einen demografischen und kulturellen, und doch ist es ein nicht minder dramatischer Ernstfall. Denn eine sich verselbständigte und vom ursprünglichen Staatsvolk emanzipierte politisch-administrative Staats-Kaste ruft einen nach dem anderen Ausnahmezustand aus, um das Volk handlungsunfähig zu halten und im Rahmen eines quasi revolutionären Aktes von oben gegen unten durch eine maximal heterogene Population zu ersetzen.

Wir erleben eine merkwürdige Paradoxie: Während die Rhetorik des Militärischen, des Heroischen, des hingebungsvoll patriotischen Einsatzes allgegenwärtig ist, hat der Staat aufgehört, ein politischer Raum eben jener existenziellen Bindung zu sein. Stattdessen ist er zur reinen Verwaltungsmaschine mutiert, zu einer bürokratischen Apparatur, die nicht mehr zwischen dem Eigenen und dem Fremden unterscheidet, sondern nur noch zwischen dem Verwaltbaren und dem Störenden.

Der Mensch als kämpfendes Wesen

Der Mensch, so die anthropologische Konstante, ist ein kämpfendes Wesen. In der physischen Auseinandersetzung, im Risiko des eigenen Untergangs, erfährt er sich als Subjekt. Diese archaische Anthropologie ist nicht bloß ein Mythos der Rechten; sie ist eine ontologische Tatsache. Der westliche Liberalismus versuchte, diesen Impuls durch Sportevents, Karriere und schier maßlos möglichen Konsum zu kanalisieren und damit zu domestizieren. Doch in zunehmendem Maße schlägt den oberflächlichen Surrogaten der entwurzelten Plastik-Welt Verachtung entgegen. Wir erleben eine Krise der links-liberalen Kulturindustrie und ihrer Medien.

Und gerade jetzt versucht die Verwaltungsmaschine jenen Impuls zu instrumentalisieren, den sie gerade noch verdrängen wollte: Sie ruft die jungen Mannen des Landes zur Wehrpflicht, zum Dienst an der Waffe, zur Bundeswehr. Die war einst Symbol nationaler (Rest-)Souveränität, wurde dann jedoch zur politisch korrekten Verwaltung von „Staatsbürgern in Uniform“ degradiert;- ein Oxymoron, das den Widerspruch auf den Punkt bringt: Man soll soldatische Tugenden leben, aber für einen Staat, dem dafür jede Grundlage fehlt, weil er nur noch Verwaltungsaufgaben erfüllt. Man soll Disziplin lernen für eine Gesellschaft, die keine verbindlichen Werte mehr kennt. Man soll sich opfern für eine vom Bürger emanzipierte politische Klasse, deren Kinder selbstverständlich nicht an die Front gehen werden.

Wenn das eigene Volk zum Feind wird

Hier zeigt sich die ganze Tragweite der eingangs skizzierten Diagnose:

Wo die Freund-Feind-Unterscheidung aufgehoben wird, da löst sich mit der Aufgabe des Eigenen auch die Legitimierung staatlicher Rufe zum Kriegsdienst, des Verfügens über Leben und Tod auf. Ein Staat, der nicht mehr bereit oder fähig ist, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, verliert das Recht, von seinen Bürgern das Opfer des Lebens zu verlangen.

Und, der moderne deutsche Staat hat die Freund-Feind Unterscheidung nicht etwa „nur“ ausgesetzt, er hat sie geradezu umgedreht. Der Feind ist nicht mehr der äußere Gegner, sondern zunehmend das eigene Volk, seine Kultur, seine Identität, sein biologischer Bestand. Die „Ersetzungsmigration“ ist keine Verschwörungstheorie; sie ist die logische Konsequenz eines Staates, der sein Volk nicht mehr als politisches Subjekt, sondern als demographisches Problem begreift.

Wer heute zur Bundeswehr geht, der dient nicht mehr dem deutschen Volk.

Er dient einer Verwaltung, die systematisch die Ablösung dieses Volkes betreibt. Er wird zum Söldner im eigenen Land und damit zum Handlanger einer Enteignung, die sich nicht mehr nur auf Eigentum, sondern auf Existenz selbst bezieht. Die „Verteidigung“ Deutschlands bedeutet heute: Die Verteidigung von islamischer Ersetzungsmigration, von Klima-Klimbim, von Gender-Gaga und von einem Schuldkult, der zur permanenten Selbstgeißelung verdammt.

In dieser Lage ist die klassische soldatische Haltung nicht mehr möglich. Der Treueeid auf ein politisches Subjekt, das nicht mehr existiert, ist ein Akt purer politischer Mystifikation.

Darum muss es nun darum gehen, aus der bedrohlichen Ausnahmesituation heraus einen eigenständigen politischen Handlungsansatz zu konstituieren: Da der Staat die Unterscheidung zwischen Freund und Feind verloren hat, muss das Volk sie wieder herstellen.

Die Geburt des „inneren Soldatentums“

Der wahre Soldat ist in dieser Situation nicht der, der in den Krieg zieht, sondern der, der sich weigert, für die falsche Sache zu kämpfen. Der, der den „Waldgang“ Jüngers beschreitet – den heroischen Weg der inneren Emigration und der geistigen Mobilmachung. Dies ist kein Pazifismus, sondern die Souveränität des Unbeugsamen. Es ist die Vorbereitung auf den eigentlichen Kampf: den Kampf um die Wiederherstellung des Eigenen.

Armin Mohler sprach von der „konservativen Revolution“ als einer geistigen Bewegung, die den Verfall nicht akzeptiert, sondern ihn als Chance zur Neugründung begreift. Genau darum geht es: In der äußersten Dekadenz des Verwaltungsstaates zeigt sich die Möglichkeit einer neuen politischen Form. Die „Waffen ruhen lassen“ bedeutet nicht Untätigkeit. Es bedeutet: Die Energie, die bisher für simulierte Kriege verschwendet wurde, auf den eigentlichen Kampf zu konzentrieren – den Kampf um die Definitionsmacht. Wer ist das Volk? Wer darf darüber entscheiden, wofür gestorben wird?

Das ist die Geburt des „inneren Soldatentums“, der Disziplin ohne Befehl.

Der „innere Soldat“ lebt in der links-liberalen Plastikwelt, aber er gehört ihr nicht an. Er übt Disziplin, aber nicht im Gehorsam gegenüber einer fremden Autorität, sondern im Gehorsam gegenüber einer eigenen, höheren Einsicht. Und er ist bereit zu kämpfen, aber nicht für leere Symbole, sondern für die konkrete Existenz seines Volkes.

Diese Haltung ist der eigentliche Feind des Verwaltungsstaates. Denn der Verwaltungsstaat kann mit offener Rebellion umgehen; er kann sie als Störung einordnen und ausschalten. Aber er kann nicht mit der stillen, disziplinierten, innerlichen Verweigerung umgehen. Mit dem Mann, der „Nein“ sagt, nicht laut, aber unmissverständlich. Der die Teilnahme verweigert. Der seine eigene Souveränität genau in dem Moment behauptet, wo der Staat die seine verspielt hat.

Die Frage ist also nicht: „Soll ich zur Bundeswehr gehen?“

Die Frage ist: „Auf welcher Seite der Freund-Feind-Unterscheidung stehe ich?“

Stehe ich auf der Seite der Verwaltung, die mein Volk auflöst?

Oder stehe ich auf der Seite des Volkes, das seine politische Existenz zurückerlangen will?

Der eigentliche Wehrdienst heute: Dienst an der völkischen Selbstbehauptung

Wer heute als junger Mann seine soldatischen Impulse spürt, der sollte sie nicht an die Bundeswehr verschwenden. Er sollte sie in politische Aktivitäten investieren: in die disziplinierte Arbeit an der Gegen-Öffentlichkeit im Rahmen des politischen Vorfeldes oder der Parteiarbeit. In den Schutz der eigenen Gemeinschaft. In die geistige Mobilmachung. Das ist der eigentliche Wehrdienst heute: nicht der Dienst mit der Waffe, sondern der Dienst an der völkischen Selbstbehauptung,- der Dienst an der Wiederherstellung der Souveränität des Eigenen.

Der Staat hat das Monopol auf das Verfügen über Leben und Tod verloren, weil er das Monopol auf die Entscheidung verlor. Jetzt ist es an uns, beides zurückzuerobern: Nicht durch Putsch, nicht durch Gewalt, sondern durch die unerbittliche, disziplinierte, soldatische Klarheit der Unterscheidung:

Das ist unser Volk.

Das ist unser Land.

Alles andere ist Verwaltung, und wir sind nicht ihr Personal.

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